Beim Segeln Selbstbewusstsein tanken

Segelboot (Bild: Peter Smola / pixelio.de)
Segelboot (Bild: Peter Smola / pixelio.de)

Wolfgang Schmid, Vater eines körperbehinderten Sohnes aus Esslingen, hat eine Stiftung gegründet, die Behinderten ermöglichen will, Segeln zu lernen. Eine Art Sporttherapie. Bis 2007 will die Stiftung eigene Boote haben. Die Initiatoren suchen noch Partner.

Den "riesigen Motivationsschub", den sein körperbehinderter Sohn Volker beim ersten Kontakt mit dem Segeln erlebt hatte, will Wolfgang Schmid aus Esslingen auch anderen Behinderten ermöglichen. Deshalb hat er mit seiner Frau Brigitte "FIDS - Stiftung für behinderte Menschen" gegründet. Das Stiftungskapital von 50 000 Euro stammt aus dem Vermögen des Paars. FIDS steht für "Foundation for Integrated Disabled Sailing" (übersetzt etwa: Stiftung für integriertes Segeln von Behinderten).

Internationale Ausrichtung

Der Elektrotechnik-Ingenieur hat die englische Bezeichnung gewählt, weil die Stiftung auf lange Sicht auch international tätig sein möchte. Doch erst mal soll die Arbeit im eigenen Land anlaufen. Nach der Stiftungsgründung im Juni werden nun Schnupperkurse für Behinderteneinrichtungen angeboten, die in diesem Jahr noch mit geliehenen Booten auf allen möglichen Gewässern stattfinden.

Verleiher ist "Mini 12 - Integrativer Segelverein" in Wien. Mini 12, so heißen die kleinen Kielboote, in die nur ein Mensch passt. Nach Aussage von Wolfgang Schmid eignen sie sich besonders gut für den Behindertensport, weil sie sehr sicher sind und gute Segeleigenschaften besitzen. "Der Behinderte sitzt darin wie auf einem Stuhl und lenkt das Boot mit einer Pinne", erklärt der 56-Jährige.

Alles andere, was zum Segeln benötigt werde, könne eingestellt werden. Schmid berichtet von den guten Erfahrungen, die sein 25-jähriger Sohn damit gemacht hat. Er besuchte 2001 im Rahmen seiner Ausbildung im Körperbehinderten Zentrum Oberschwaben (KBZO) in Weingarten die Bootsausstellung Interboot in Friedrichshafen, wo Walter Pavlis von dem Wiener Segelverein seine Einrichtung und die Boote vorstellte.

Erfolgserlebnis macht stark

Volker sei dort zum ersten Mal in so einem Boot gesessen und gleich begeistert gewesen. "Weil er schnell ein Erfolgserlebnis hatte, hat ihm das sehr viel gebracht", sagt Schmid. Das Gefühl, etwas zu können, was viele andere - auch Gesunde - nicht können, nämlich segeln, habe sein Selbstwertgefühl und sein Selbstbewusstsein gestärkt.

In den folgenden Jahren ermöglichten die Schmids ihrem Sohn immer wieder, im Salzkammergut mit Pavlis zu segeln. Die Idee, so eine Einrichtung auch für den Raum Mittlerer Neckar und Bodensee zu gründen, reifte. Wolfgang Schmid machte sich auf die Suche nach Partnern für das Projekt. Er fand sie in verschiedenen Behinderteneinrichtungen, darunter auch dem KBZO, in Wassersportzentren und Yachtclubs.

Am Bodensee arbeitet die Stiftung zum Beispiel mit dem Wassersportzentrum "Ultramarin" in Kressbronn-Gohren zusammen. Dort liegen auch die Mini 12-Boote aus Wien.

Partner gesucht

Weitere Partner werden gesucht. Möchte eine Behinderteneinrichtung einen Segelkurs organisieren, stellt die Stiftung die Boote zur Verfügung, hilft bei der Organisation und vermittelt Helfer. Zudem werden Seminare angeboten, in denen Helfer das Segeln mit Behinderten lernen können. Bereits im nächsten Frühjahr möchte die Stiftung sechs eigene Boote besitzen. Die sollen über den Winter in einem Lehrlingsprojekt der Bodenseewerften entstehen. Die Spendenzusagen für fünf Boote hat Wolfgang Schmid bereits.

Quelle: Petra Wahlheim, Südwest Presse
Bild: pixelio.de

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