Porträt von Urs Kolly

Urs Kolly gewann als Leichtathlet sieben olympische Medaillen und wurde 2004 Schweizer "Behindertensportler des Jahres". Er berichtet über seinen Weg zum Erfolg und die Akzeptanz und Förderung des Behindertensports in Deutschland und in der Schweiz.

Seit meinem 21. Altersjahr treibe ich Behindertensport. Der Unfall, der mein Leben veränderte, passierte 1989 im Militärdienst im Wallis. Als Beifahrer sass ich auf dem Motorrad. Mein Fahrer verursachte einen Zusammenstoss mit einem Lastwagen, bei dem er sein Leben und ich den Unterschenkel am rechten Bein verlor. Ich war schon vor dem Unfall ein begeisterter Leichtathlet beim TSV Düdingen gewesen - allerdings kein erfolgreicher Spitzensportler. Nach Beinamputation und Genesung nahm ich das Training wieder auf, so als wäre nichts geschehen.

Meine Düdinger Vereinskollegen haben mir dabei sehr geholfen, mich immer wieder ermuntert und mir daher die Rückkehr - nun halt als Behindertensportler - erleichtert. Meine Prothese bescherte mir zu Beginn Probleme und Schmerzen. Trotzdem begann ich, mich als Sportler neu zu motivieren und setzte mir hohe Ziele: Ich wollte unbedingt einmal an den Olympischen Spielen mitmachen.

Urs Kolly beim Diskuswerfen (Foto: Össur)
Urs Kolly beim Diskuswerfen (Foto: Össur)

Vorbild Deutschland

Mittlerweile habe ich an vier Paralympics teilgenommen, und 2008 will ich in Peking meinen einst grössten Wunsch zum fünften Mal Realität werden lassen. Bedingt durch meine körperliche Beeinträchtigung, musste ich mich verschiedenen Lebenssituationen neu anpassen. Dennoch, die Öffentlichkeit akzeptiert mich als Privatmensch wie als Sportler, genau so wie früher.

Im Übrigen gibt es in der Schweiz bezüglich Akzeptanz gegenüber uns Behindertensportlern nichts auszusetzen. Einen höheren Stellenwert geniessen die Behindertensportler wahrscheinlich nur in Deutschland. In unserem Nachbarland ist dieser nicht nur ungemein populär, sondern es wird auch viel für die Athleten getan.

Ich denke dabei an die fantastischen Infrastrukturen und Trainingszentren, wobei dasjenige von Leverkusen in Europa wohl einzigartig ist. Damit ist auch schon gesagt, dass die Deutschen in Sachen Nachwuchsrekrutierung keine Probleme kennen. Ganz im Gegensatz zu unserem Land. Schweizweit gibt es heute leider nur vier Nachwuchsathleten, die dem Leichtathletik-Standing-Team der Behinderten angehören. Diese bestreiten ein Nachwuchsprogramm, das von der Bernerin Mireille Donders geleitet wird.

Urs Kolly- ein Vollblut-Sportler

Blicke ich heute auf meine bisherigen Karrierehöhepunkte zurück, denke ich nicht nur an die sieben olympischen Triumphe und die sieben WM- und EM-Goldmedaillen. In bester Erinnerung bleibt mir auch folgende anerkennende Bemerkung eines Sportlers an den Spielen in Athen: "Was, du springst in deinem Alter noch immer sieben Meter weit?" Und werde ich heute als 39-Jähriger gefragt, wie lange ich noch Sport zu treiben gedenke, habe ich eine Antwort bereit: mein ganzes Leben lang.

 

Quelle: www.espace.ch
Bild: Össur

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