Kampfsport für Menschen mit Behinderung

Ein Rollifahrer wirft einen Geher zu Boden (Foto: Holger Liedtke)
Auch Rollstuhlfahrer können im Kampfsport beziehungsweise in der Kampfkunst erfolgreich sein (Foto: Holger Liedtke)

Kampfsportexperte Holger Liedtke weiss: Menschen mit Behinderung können Kampfsport betreiben und eine traditionelle Kampfkunst erlernen.

Immer wieder wird sie gestellt, die Frage: Können Menschen mit Behinderungen Kampfsport betreiben oder eine traditionelle Kampfkunst erlernen?

Die Antwort ist ganz einfach: Ja, natürlich können sie!

Kampfsport in der Gruppe

Inzwischen gibt es eine Reihe von Gruppen in denen behinderte Menschen Kampfsport, Kampfkunst oder Selbstverteidigung betreiben beziehungsweise erlernen.

In der Regel werden Techniken, die wegen des Handicaps nicht möglich sind, durch andere Techniken ersetzt. Im Rollstuhlkarate werden zum Beispiel die Fusstechniken durch Fausttechniken ersetzt.

Immer mehr Sportler sehen darin nicht eine Aufweichung ihres Stils sondern eher eine Bereicherung. Nicht Stil oder Technik stehen im Mittelpunkt sondern der Mensch mit seinen Fähigkeiten.

Eine Rollifahrer setzt sich gegen den Angriff eines Gehers zur Wehr. (Foto: Holger Liedtke)
Beim Kampfsport zählen neben der richtigen Technik auch Wille und Entschlossenheit (Foto: Holger Liedtke)

Definitionsversuch: Kampfkunst, Kampfsport, Selbstverteidigung

Wo ist nun der Unterschied zwischen Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung?  Darüber kann man ganze Bücher verfassen.

Hier der Versuch einer kurzen Definition:

Kampfsport: Die Wettkampfmässige Auseinandersetzung mit einem anderen Sportler steht im Vordergrund.

Kampfkunst: Wichtig ist das Erlernen der Kunst, weder Wettkampf noch Selbstverteidigung sind relevant. Die Kampfkunst steht für sich selbst. Perfektion und der Weg dahin sind Inhalt und Ziel.

Selbstverteidigung: Hier geht es um das Erlernen von praktischen Techniken zu Verteidigung von Leib und Leben im Falle eines Übergriffes. Weder Philosophischer Überbau noch sportlicher Wettkampf bestimmen was gelernt wird.

Kampfkunst beziehungsweise Kampfsport führt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper. Seelisches und körperliches Wohlbefinden sind das Ergebnis.

Darüber hinaus kommt auch der Selbstverteidigungsgedanke zum Tragen. Das führt zu mehr Angstfreiheit und damit zu mehr Lebensqualität.

Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Handicap beim Training (Foto: Holger Liedtke)
Es gibt eine Reihe von Gruppen, in denen Menschen mit Behinderung Kampfsport erlernen können (Foto: Holger Liedtke)

Leistungsmessung im Wettkampf

Aber auch Wettkampfsportlich kann man sich engagieren. Diverse Verbände bieten inzwischen Wettkämpfe für behinderte Menschen an. In zwei Kategorien gibt es inzwischen Wettkämpfe:

1. Selbstverteidigung: Die Wettkämpfer führen einige Selbstverteidigungsbeispiele vor, die dann nach Dynamik, Realismus, technischer Ausführung und Ausstrahlung bewertet werden.

2. Formen (Kata): Der Wettkämpfer führt einen „Schattenkampf“ gegen mehrere imaginäre Gegner vor. Die Abwehr- oder Kontertechniken werde durch die angenommenen gegnerischen Angriffe bestimmt. Ebenso die Bewegungsrichtung des Wettkämpfers.

Im Karate gibt es zum Beispiel „Katas“, die speziell für Rollstuhlfahrer entwickelt wurden. Bewertet wird, ähnlich wie bei der Selbstverteidigung,  nach technischer Ausführung, Atmung, Ausdruck und Dynamik.

Sie sind am Thema Kampfkunst interessiert? Dann stellen Sie alle Ihre Fragen im MyHandicap-Forum für Sport & Freizeit oder im Forum des Kampfkunst Boards.

Ein weiteres gutes Netzwerk, das sich ausgiebig mit dem Thema Kampfsport beziehungsweise Kampfkunst auseinandersetzt ist das Netzwerk Barrierefreies Budo. 

 

Text: Holger Liedtke
Fotos: Holger Liedtke

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