SKOS: Armut behinderter Menschen bekämpfen

Frau mit Rollator. (Bild: Maren Bessler/pixelio.de)
Ist eine Behinderung Ursache oder Resultat der Armut? (Bild: Maren Bessler/pixelio.de)

2010 ist das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. Auch in der Schweiz soll intensiv an der Verringerung der Armut gearbeitet werden.

Laut Handicap International leben in Entwicklungsländern 80 % der Menschen mit Behinderung von weniger als einem Euro pro Tag. Gleichzeitig haben 20 % der ärmsten Menschen auf der Welt eine Behinderung. Diese lässt darauf schliessen, dass Armut und Behinderung  zusammenhängen.

31 Massnahmen der SKOS

In der Schweiz ist die Lage zum Glück nicht so prekär, aber auch hier rutschen viele Menschen mit einer Behinderung unter die Armutsgrenze. Diese liegt je nach Familiensituation bei zwischen 2200CHF und 3700CHF Einkommen pro Monat.

Deshalb hat die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) dem Bundesrat 31 Massnahmen vorgeschlagen, die die Armut-verursachenden Probleme in der Schweiz verringern sollen. Diese Massnahmen wie Prävention, Finanzierungsumverteilungen, bessere Aufklärung von Aussenstehenden sowie von Betroffenen, umfassen die Kernthemen Arbeitswelt, Gesundheit, Wohnumfeld und Ausländerintegration. Dazu gehören auch Gesundheitsprobleme wie körperliche, geistige oder psychische Behinderungen.

Der SKOS geht es hauptsächlich darum, dass im Bundesrat der Armutsbekämpfung als Querschnittaufgabe höhere Priorität zugestanden wird. Die Massnahmen wurden dem Bundesrat als Vorschlag zur Umsetzung unterbreitet, die genaue Umsetzung jedoch muss der Bundesrat zusammen mit den zuständigen Stellen, wie zum Beispiel der Arbeitslosen- und Invalidenversicherung und der Sozialhilfe, erst noch ausarbeiten.

Der Fokus liegt auf Langzeitarbeitslosen, doch um dieses Problem zu beheben, muss die Ursache für die lange Arbeitslosigkeit eruiert werden, die in vielen Fällen eine körperliche, geistige und/oder psychische Behinderung sein kann. Durch die Stigmatisierung von Behinderungen ist es für Menschen mit einer Behinderung schwierig, eine Anstellung zu finden. Der Weg zurück ins Arbeitsleben nach Unfall oder Krankheit ist ein langwieriger Prozess.

Kinderhände mit Münzen. (Bild: xtraxtrasou/pixelio.de)
Leider leiden auch in der Schweiz viele Kinder unter der Armut. (Bild: xtraxtrasou/pixelio.de)

Armut macht krank

2007 gaben 4,3% der Menschen mit Behinderungen in der Schweiz an, Ergänzungsleistungen zu beziehen, 2,7% sind auf die Sozialhilfe angewiesen. Bei diesen Zahlen des Bundesamts für Statistik handelt es sich um 15 - 64-jährige behinderte Menschen, die in einem Privathaushalt leben. Somit sind zum Beispiel Alleinerziehende mit einem behinderten Kind oder Heimbewohner nicht  eingeschlossen, was die ohnehin schon deutlich höheren Zahlen als jene der Sozialhilfebezüger ohne Behinderung noch erhöhen würde.

Die Studie der Caritas „Armut macht krank“ zeigt auf, dass es Unterschiede im Vorkommen von Invalidität, Sterblichkeit und Lebenserwartung in den verschiedenen Gesellschaftsschichten gibt.

Einfach gesagt: Wer arm ist, ist häufiger krank und stirbt früher. Deshalb ist ein Arbeitspunkt in den Massnahmen der SKOS die Gesundheit. Diese Massnahmen beinhalten unter anderem auch effektivere Gesundheitsprävention und die Sensibilisierung des ärztlichen Personals auf ungleiche Behandlung. Diese Thematik soll in allen Spitälern aufgegriffen und eine umsetzbare Strategie mit Diskussionen und Aktionsplänen ausgearbeitet werden. In Sachen Gesundheitsprävention soll vor allem darauf geachtet werden, dass diese auch für sozial schwache Gesellschaftsschichten zugänglich sind.

Auf Bundesebene koordinierte Strategie

Zwar kämpfen verschiedene Organisationen, wie zum Beispiel die Caritas Europa mit dem Projekt „Zero Poverty“, bereits für dieses Ziel. Das SKOS strebt jedoch eine auf Bundesebene koordinierte Strategie an, die nicht nur die Arbeitslosen- und Invalidenversicherung, sondern auch die Sozialhilfe einbezieht. Wie die Finanzierung aussehen soll, lässt die SKOS offen. Bisher werden nur 10% der Sozialtransfers für die Armutsbekämpfung verwendet. SKOS-Präsident Walter Schmid ist aber überzeugt: „Wenn die Schwerpunkte versetzt würden, entstünden keine neuen Kosten.

Zeitungsbox mit der Aufschrift „Wissen Sie, wer Sozialhilfe beanspruchen darf?“ (Bild: IM FALL)
Die Aufklärungskampagne IM FALL soll zu mehr Akzeptanz und Verständnis der Armut führen. (Bild: IM FALL)

Armut wird sichtbar

Armut ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen und spielt sich auf mehreren Ebenen ab. Das SKOS hat zu diesem Zweck die Wanderausstellung „IM FALL“ lanciert. Damit soll die Sozialhilfe zum öffentlichen Thema gemacht und die Öffentlichkeit auf die Themen Armut und soziale Ausgrenzung sensibilisiert sowie die Bevölkerung über den Auftrag der Sozialhilfe aufgeklärt werden.

„Raising Awarness“ (dt.: Sensibilisierung) ist immer einer der ersten Schritte in der Umstellung in Gesellschaft und Politik. Auch diese Wanderausstellung hat zum Ziel, das Verständnis für Menschen, die auf Unterstützung durch die öffentliche Hand angewiesen sind, zu fördern. Wann und wo die Ausstellung zu sehen ist, können Sie auf der Website von IM FALL entnehmen. Wir freuen uns über Meinungen und Rückmeldungen über diese Ausstellung!

 

Text: M. Plattner - 05/2010
Bilder: pixelio.de, IM FALL

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!

Links zu diesem Artikel