IV: Eingliederung vor Rente

Zwei Männer schütteln sich die Hände. (Bild: Petra Bork/pixelio.de)
"Eingliederung vor Rente" heisst das Motto der IV. Mit ihren Dienstleistungen unterstützt die Invalidenversicherung diesen Prozess. (Bild: Petra Bork/pixelio.de)

Arbeit ist einer der wichtigsten Faktoren der Integration in unsere Gesellschaft. Doch für Menschen mit einer Behinderung ist es schwierig, eine geeignete Anstellung zu finden. Die Invalidenversicherung unterstützt sie mit verschiedenen Eingliederungsmassnahmen.

Wo holen sich viele Menschen ihre Bestätigung? Wo werden sie ein Teil eines gesellschaftlichen Gefüges? Wo werden sie gefordert? Und wo werden oftmals Freundschaften geschlossen? Ja, die Arbeit ist zweifellos ein wichtiger Bestandteil unseres Daseins.

Die kurze Aufzählung zeigt, auf was Menschen mit einer Behinderung ohne Arbeit oder Menschen, die wegen einer gesundheitlichen Einschränkung zumindest vorübergehend mit den Herausforderungen der Arbeitswelt nicht klar kommen, verzichten müssen.

Sanierung der hochverschuldeten IV

"Eingliederung vor Rente" lautet der Leitsatz der Invalidenversicherung. Dass heute der Grundsatz der Eingliederung vor einer Rentenzahlung steht, hat weniger mit Gesellschafts-, als vielmehr mit Finanzpolitik zu tun. Die hochverschuldete Invalidenversicherung muss saniert werden. Und das geht nur, wenn tausende Vollrenten gestrichen und Rentenbezüger wieder in die Arbeitswelt integriert werden - und gleichzeitig mit frühzeitigen Interventionsmassnahmen die Zahl der Neurenten begrenzt werden kann.

Eingliederungs-Ansatz wird begrüsst

An Kritik an der 5. und 6. IV-Revision fehlt es nicht, und viele Menschen mit Behinderung bekommen auch die negativen Folgen zu spüren. Dass der Ansatz der Eingliederungs- und Frühinterventionsmassnahmen aber sowohl für die versicherte Person wie auch die Volkswirtschaft sinnvoll und richtig ist, ist unbestritten.

Eine Tafel mit verschiedenen Substantiven im Bezug auf das Thema Arbeit. (Bild: Christine Lietz/pixelio.de)
Die Arbeit ist wichtig für die Menschen und ein wichtiger Faktor der Integration in die Gesellschaft. (Bild: Christine Lietz/pixelio.de)

Je früher erfasst, desto besser

Heute beurteilt die Invalidenversicherung nicht mehr in erster Linie, was Menschen fehlt, sondern welche Ressourcen sie mitbringen. Die IV-Stellen verfügen über ein breites Leistungsangebot, mit denen versucht wird, die wirtschaftlichen Folgen einer gesundheitlich bedingten Einschränkung der Erwerbsfähigkeit zu vermindern oder zu beseitigen.

Sehr wichtig ist die Früherfassung. Je früher sich Betroffene oder Arbeitgeber bei der IV-Stelle melden, desto grösser ist die Chance, dass ein Mitarbeiter nach einer Arbeitsunfähigkeit wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren kann. Kommt die IV-Stelle zum Schluss, dass ohne geeignete Massnahmen eine Invalidität droht, fordert sie die versicherte Person auf, sich bei der IV anzumelden.

Für Versicherte, deren Anspruch noch nicht geklärt ist, versucht die IV direkt nach der Anmeldung Massnahmen der Frühintervention zu ergreifen. Mit diesen soll parallel zu den Abklärungen verhindert werden, dass Menschen aus dem Arbeitsprozess herausfallen.

Die IV als Berufsberatung

Mit Integrationsmassnahmen bereitet die IV besonders Menschen mit einer psychischen Erkrankung auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben vor. Die Massnahmen sind individuell auf die persönliche Situation der Betroffenen abgestimmt.

Daneben ist die IV auch ein (Berufs-)Beratungszentrum. So sollen mit Menschen, die nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten können, neue berufliche Perspektiven gefunden werden. Die Eingliederungsberatung der IV-Stellen wiederum steht Versicherten und Unternehmen offen, damit mit frühzeitiger Unterstützung Arbeitsplätze erhalten werden können.

Finanzielle Beiträge an Umschulung und Ausbildung

Sollte eine Umschulung notwendig werden, weil Versicherte ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr ausführen können, übernimmt die IV die Kosten, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Dies gilt auch für die Kosten bei einer erstmaligen beruflichen Ausbildung, die den Versicherten aufgrund ihrer Invalidität zusätzlich entstehen.

Möglich sind auch sogenannte Arbeitsversuche, die es Arbeitgebern erlauben, sich von der Leistungsfähigkeit eines Betroffenen zu überzeugen. Der Arbeitsversuch hat für den Arbeitgeber den Vorteil, dass er nicht durch einen Arbeitsvertrag gebunden ist. Die IV trägt die Kosten und die Risiken.

Zwischen 2002 und 2012 hat sich das Verhältnis von Personen mit Neurenten zu Personen, die Massnahmen zur beruflichen Eingliederung erhalten, umgekehrt. Dies zeigt die grundlegende Neuausrichtung der Invalidenversicherung zumindest statistisch auf. Ob sie auch wirklich ein Erfolg ist, wird sich wohl erst in einigen Jahren zeigen.

 

Text: Patrick Gunti - 11/2013
Bilder: pixelio.de


Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!