Fragen und Antworten zum Assistenzbeitrag

Drei rote Würfel mit den Buchstaben F, A und Q in weiss. (Bild: Tony Hegewald/pixelio.de)
Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Assistenz für Menschen mit Behinderung. (Bild: Tony Hegewald/pixelio.de)

Seit dem 1. Januar 2012 ist es Menschen mit Behinderung möglich, einen Assistenzbeitrag zu beziehen. Die neue Leistung der IV hat zum Ziel, Menschen mit Assistenzbedarf ein möglichst selbstbestimmtes Leben ausserhalb eines Heims zu ermöglichen.

Im Rahmen der Revision 6a der Invalidenversicherung wurde die neue Leistung des Assistenzbeitrags eingeführt. Das Modell der Assistenz ist eng an das Arbeitgebermodell geknüpft: Versicherte, die Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung haben und ausreichend selbstständig sind, können eine oder mehrere Hilfspersonen beschäftigen, die sie bei der Bewältigung des Alltags zu Hause, bei einer allfälligen Erwerbstätigkeit oder beim Besuch der Regelschule unterstützen.

Derzeit beziehen ungefähr 500 Menschen mit Behinderung einen Assistenzbeitrag, beim Start ging man davon aus, dass dereinst wohl etwa 3000 Menschen mit Behinderung auf eine Assistenz zurückgreifen werden.

 

Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten zur Assistenz:

Welche Voraussetzungen müssen Erwachsene erfüllen, um einen Assistenzbeitrag zu erhalten?

Anspruch haben volljährige Menschen mit einer Behinderung, wenn sie zu Hause leben. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Betroffenen alleine leben oder das Zuhause mit anderen Personen teilen. Wer noch in eine Heimstruktur eingebunden ist, aber den Austritt aus dem Heim plant, kann denn Assistenzbeitrag vorgängig beantragen. Den Assistenzbeitrag kann nur beantragen, wer eine Hilflosenentschädigung der IV bezieht.

Die Antragssteller müssen ein gewisses Mass an Selbständigkeit aufweisen. Sie müssen ausserdem während mindestens 10 Stunden in der Woche auf dem regulären Arbeitsmarkt erwerbstätig sein oder eine Berufsausbildung auf dem regulären Arbeitsmarkt oder eine Ausbildung auf Sekundarstufe II oder Tertiärstufe (höhere Berufsausbildung) absolvieren.

Gibt es Speziallösungen für Jugendliche mit einer Behinderung?

Ja, unter eingeschränkten Bedingungen gibt es auch Assistenzbeiträge für Jugendliche. Minderjährige, die zu Hause leben und einen Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung beziehen, haben Anrecht auf Assistenz, wenn sie regelmässig die obligatorische Schule in einer Regelklasse besuchen, eine Berufsausbildung auf dem regulären Arbeitsmarkt oder eine andere Ausbildung auf Sekundarstufe II absolvieren oder bereits auf dem regulären Arbeitsmarkt tätig sind.

Anspruch haben auch Minderjährige mit einer Behinderung, die einen Intensivpflegezuschlag für einen Pflege- und Überwachungsbedarf von mindestens sechs Stunden pro Tag beziehen.

Wer kann als Assistenz tätig sein?

Für eine Anstellung als persönliche Assistentin oder persönlicher Assistent sind in der Regel keine Fachausbildungen oder Vorkenntnisse notwendig. Menschen mit Behinderung müssen selber entschieden, ob eine Person die persönlichen Bedürfnisse und Hilfsleistungen erfüllen und erbringen kann. Es gibt aber Einschränkungen:

Die Assistenzperson darf nicht mit der versicherten Person verheiratet sein, mit ihr im Konkubinat oder in einer eingetragenen Partnerschaft leben oder in direkter Linie mit ihr verwandt sein. Weder Eltern und Grosseltern noch Kinder oder Enkel können also als bezahlte Assistenten engagiert werden. Für Hilfeleistungen von Organisationen und Institutionen wie der Spitex oder Reinigungsdiensten werden keine Beiträge entrichtet.

Ist ein Arbeitsvertrag für die Assistenzperson notwendig?

Ja, mit dem Assistenzbeitrag werden nur Hilfsleistungen finanziert, die von einer mittels einem Arbeitsvertrag angestellten Assistenzperson erbracht werden. Die Person mit Assistenzbedarf tritt also als Arbeitgeber auf, die Assistenzperson als Arbeitnehmer.

Die Vertragsparteien regeln untereinander die Aspekte des Arbeitsrechts wie Art der Tätigkeit, Lohn, Pensum, Arbeitszeiten, Lohnfortzahlung bei Krankheit des Arbeitsnehmers etc. Für jede Assistenzperson muss eine Lohnabrechnung geführt werden, in welcher die geleisteten Stunden eingetragen werden.

Das Arbeitsverhältnis unterliegt den Bestimmungen des Zivilgesetzbuches über den Arbeitsvertrag. Zudem sind die Sozialabgaben wie bei jedem anderen Arbeitsverhältnis zu entrichten.

Welche Hilfeleistungen sind anrechenbar?

Grundlage für die Bemessung des Assistenzbeitrags ist der für Hilfeleistungen benötigte zeitliche Bedarf

  • bei alltäglichen Dingen wie Ankleiden, Aufstehen, Essen, Körperpflege etc.
  • bei der Haushaltführung (Einkaufen, Kochen, Waschen, Putzen)
  • bei der Freizeitgestaltung und der gesellschaftlichen Teilhabe
  • bei der Erziehung und Kinderbetreuung
  • bei der Ausübung einer unbezahlten, gemeinnützigen oder ehrenamtlichen Tätigkeit
  • bei der Ausübung einer Erwerbstätigkeit im regulären Arbeitsmarkt
  • bei der beruflichen Aus- und Weiterbildung.