Vergünstigungen für Menschen mit Behinderung

Fernbedienungen für Fernsehgeräte. (Foto: pg)
Personen, die zusätzlich zu ihrer IV-Rente Ergänzungsleistungen erhalten, müssen keine Radio- und TV-Empfangsgebühren bezahlen. (Foto: pg)

Eine physische oder psychische Behinderung ist in den meisten Fällen mit grossen finanziellen Belastungen verbunden. Generelle Gebührenbefreiungen gibt es zwar nicht, aber für Menschen mit Behinderungen ist es möglich, von Vergünstigungen oder in seltenen Fällen auch von einem Gebührenerlass zu profitieren.

Wir haben für Sie eine Übersicht der Angebote erstellt. Klicken Sie auf den jeweiligen Link, um zur entsprechenden Vergünstigung zu gelangen.

Erlass der Radio- und TV-Gebühren (Billag)

Menschen mit Behinderung, die zusätzlich zu ihrer Invalidenrente Ergänzungsleistungen des Bundes erhalten, werden auf schriftliches Gesuch hin von der Gebührenpflicht befreit. Sie müssen danach keine Empfangsgebühren mehr bezahlen. Das Gesuch reichen Betroffene am besten bereits dann bei der Billag ein, wenn sie den Antrag auf Ergänzungsleistungen stellen. Hier finden Sie das dazugehörige PDF-Formular.

Krankenkasse

Zusätzlich zu den Ergänzungsleistungen können sich Personen mit einem Anspruch auf Ergänzungsleistungen folgende Kosten im Bereich Krankenkasse und ärztliche Behandlungen rückerstatten lassen:

  • Zahnärztliche Behandlung (einfache, wirtschaftliche und zweckmässige Behandlung)
  • Hilfe, Pflege und Betreuung zu Hause oder in Tagesstätten
  • Transport zur nächstgelegenen Behandlungsstelle
  • Kosten für Hilfsmittel
  • Beteiligung an den Kosten der Krankenkasse (Selbstbehalt und Franchise) bis zum Betrag von jährlich 1000.- Franken
  • ärztlich angeordnete Bade- und Erholungskuren.

Nähere Bestimmungen zu den Krankheitskosten, die vergütet werden können, erlassen die jeweiligen Wohnkantone.

Militärersatzpflicht

Wer wegen einer Behinderung als dienstuntauglich gilt sowie eine Invalidenrente oder eine Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung oder einer Unfallversicherung bezieht, ist von der Ersatzpflicht befreit. Die Meldung an die Militärpflichtersatzverwaltung erfolgt bei Bezügern einer IV-Rente oder IV-Hilflosenentschädiung in der Regel automatisch.

Medizin und Arzneimittel

Für Menschen mit Behinderung oder chronischen Krankheiten ist die Einnahme von Medikamenten lebenswichtig. Bei der Versandapotheke Zur Rose erhalten Menschen mit Behinderung Medikamente unkompliziert, diskret und portofrei nach Hause geliefert und profitieren von speziellen Konditionen der Versandapotheke. Je nach Krankheit und Therapie bietet Zur Rose weitere Homecare-Services an.

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Steuern

Steuererlass

Steuererlassgesuche können bei der Gemeindesteuerverwaltung eingereicht werden, wo auch die entsprechenden Formulare erhältlich sind.

Steuerabzug für Krankheitskosten

Unter gewissen Bedingungen können Selbstbehalte, Prämien, Transporte, nicht pflichtige Medikamente etc., die von keiner Versicherung übernommen werden, bei der Steuererklärung in Abzug gebracht werden. Betroffene sollten die Wegleitung zur Steuererklärung beachten.

Steuerabzug behinderungsbedingter Kosten

Behinderungsbedingte Kosten können ohne Abzug eines Selbstbehalts von den Einkünften abgezogen werden. Voraussetzung dafür ist, dass die steuerpflichtige Person die Kosten selbst trägt und belegen kann. Bezüger von Hilflosenentschädigungen (und auch andere) können alternativ dazu eine Pauschale in Abzug bringen.

Mobilität - Öffentlicher Verkehr

Eine Frau im Rollstuhl zeigt einer Zugbegleiterin ihre Fahrkarte. (Foto: SBB)
Menschen mit einer Behinderung und ihre Begleitpersonen können im Bereich des öffentlichen Verkehrs von Ermässigungen profitieren. (Foto: SBB)

Ermässigtes Generalabonnement der SBB

Durch Vorweisen des IV-Ausweises am Schalter oder durch Abgabe des Ausweises zum Bezug eines Generalabonnements für Reisende mit einer Behinderung (Abgabe durch die IV-Stelle) erhalten Menschen mit Behinderung den SwissPass (Generalabonnement) für die erste oder zweite Klasse zu einem ermässigten Preis.

Anspruchsberechtigt ist, wer eine laufende IV-Rente, eine Hilfslosenentschädigung (HLE) oder Leistungen für einen Blindenhund bezieht. Rollstuhlfahrer ohne IV-Rente erhalten den SwissPass gegen Vorweisen eines entsprechenden Arztzeugnisses, welches bestätigt, dass der Reisende für seine Mobilität im öffentlichen Verkehr ständig auf den Rollstuhl angewiesen ist.

SBB: Reisende mit Handicap

Ausweiskarte für Reisende mit einer Behinderung (Begleiterkarte)

Wer in der Schweiz wohnhaft und auf Begleitung angewiesen ist, hat Anspruch, eine Begleitperson, einen Blindenführhund oder beides in der gleichen Wagenklasse kostenlos mitzunehmen. Wer von dieser Fahrvergünstigung profitieren will, muss im Besitz der "Ausweiskarte für Reisende mit einer Behinderung" (Begleiterkarte) sein. Diese ist ausschliesslich bei den zuständigen Ämtern für die Ausgabe der Begleiterkarte erhältlich. Die SBB prangt zwar mit ihrem Logo auf der Karte - der Bundesbetrieb wurde aber lediglich mit dem Versand der Karte beauftragt. Die Karte aber ist bei allen Transportbetrieben gültig.

Ausweiskarte für Blinde und Sehbehinderte im öffentlichen Nahverkehr

Blinde und stark sehbehinderte Personen können zusammen mit einer Begleitperson oder einem Führhund mit einer besonderen Ausweiskarte die öffentlichen Verkehrsmittel vieler Städte der Schweiz frei benützen.

Bus- und Tramfahrten

Städtische Bus- und Trambetriebe gewähren verschiedene Vergünstigungen für Menschen mit Behinderung oder auch Gratistransporte von Begleitpersonen oder Führhunden. Auskunft erhalten Betroffene jeweils an den Verkaufsschaltern oder im Internet.

Mobilität - Auto

Flottenrabatt bei der Anschaffung eines Personenwagens

Viele Fahrzeugimporteure gewähren bei der Neuanschaffung eines Fahrzeugs und auf Vorweisen eines Behinderungs-Nachweises Rabatte für Personen, die behinderungsbedingt die öffentlichen Verkehrsmittel nicht benützen können. Verschiedene Hilfsorganisationen wie Pro Infirmis, Stiftung Cerebral, Procap, Schweiz. Paraplegiker Vereinigung oder Multiple Sklerose Gesellschaft haben mit den Herstellern Flottenrabatte vereinbart. Sie sollten vor dem Kauf eines Fahrzeugs kontaktiert werden.

Fahrstunden

Wenn eine versicherte Person einen von der IV-anerkannten Anspruch auf ein Fahrzeug hat, besteht die Möglichkeit, dass von der IV eine gewisse Anzahl Fahrstunden übernommen werden.

Motorfahrzeugsteuer

Unter gewissen Voraussetzungen sind Motorfahrzeughalter von der Motorfahrzeugsteuer-Pflicht ausgenommen, wenn sie selbst oder eine mit ihnen im gleichen Haushalt lebende Person wegen Invalidität auf ein Motorfahrzeug angewiesen ist. Anträge sind an die jeweiligen kantonalen Strassenverkehrsämter zu richten.

Motorfahrzeug - Vollkaskoversicherung

Verschiedene Versicherungsgesellschaften gewähren Menschen mit einer Behinderung einen Rabatt für die Vollkaskoversicherung. Betroffene sollten Offerten einholen und die verschiedenen Angebote genau vergleichen.

Parkkarte für Motorfahrzeuge

Menschen mit einer Behinderung oder Personen, die regelmässig behinderte Menschen transportieren, können beim jeweiligen kantonalen Strassenverkehrsamt eine Parkkarte beziehen. Nähere Informationen und Gesuchsformulare sind auf den Websites der kantonalen Strassenverkehrsämter zu finden.

Tanken

Der Gratis-Service Handi Bip verschafft behinderten Automobilisten entschieden mehr Komfort. Sie können ihr Auto in den Tamoil-Tankstellen tanken, ohne aussteigen zu müssen. Die Handi Bip-Fernbedienung erlaubt der behinderten Person, dem Tankstellenpersonal durch einen Druck auf die Gehäusetaste ihre Ankunft anzukündigen, um sofort bedient zu werden.

Freizeit

Zeitungs- und Zeitschriften-Abo's

Bezüger von IV-Renten können häufig von Abonnements-Rabatten bei Zeitungen oder Zeitschriften profitieren. Vor Abschluss eines Abos lohnt es sich, bei Abonnementsdiensten nach allfälligen Rabatten nachzufragen.

Reka-Jubiläumsstiftung subventioniert Gruppenferien

Die Reka-Jubiläumsstiftung hilft Behindertenverbänden und sozialen Organisationen bei der Finanzierung von Ferientagen in der Schweiz (keine Einzelpersonen). Menschen mit Behinderung, die sich Ferien aus eigenen Mitteln nicht leisten können, werden von der Reka-Jubiläumsstiftung unterstützt.

Eintritte ins Kino / Theater / Museen etc.

Besitzer eines amtlichen grauen IV-Ausweises erhalten in vielen Kinos und Theatern, in Museen, Bädern, Tierparks, Fussballstadien oder anderen Freizeiteinrichtungen ermässigte Eintrittspreise. Auch Begleitpersonen profitieren gegen Vorweisen der Begleiterkarte zum Teil ermässigten oder freien Eintritt.

Eine weitere Möglichkeit für Vergünstigungen im kulturellen Bereich ist die Kultur-Legi. Diese Karte der Caritas Schweiz ist auf der Homepage der Kultur-Legi bestellbar. Wer dazu berechtigt ist finden Sie hier. Mit dieser Karte hat man zudem auch Zutritt zum Caritas-Markt ... das Einkaufen von Grundnahrungsmitteln für fast Nichts wird damit ermöglicht.

Sternschnuppe

Die Stiftung Sternschnuppe erfüllt Herzenswünsche von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre, die mit einer Krankheit, einer Behinderung oder mit den Folgen einer schweren Verletzung leben. Auch werden Projekte, die Lebensfreude und Abwechslung in den Spital- und Heimalltag oder das Vereinsleben von Kindern und Jugendlichen bringen, unterstützt. Die Freizeitsterne sind ein Angebot für Familien mit Kindern, die mit einer Krankheit, einer Behinderung oder mit den Folgen einer schweren Verletzung leben. Ausserdem gilt das Angebot für Organisationen und Gruppen, die sich für das Wohl von betroffenen Kindern bis 18 Jahre einsetzen oder sie betreuen.

Familienpass

Mit dem Familienpass Region Basel stehen rund 100 Vergünstigungen oder kostenlose Angebote für die ganze Familie zur Verfügung. Es kann von Vorteilen in den Bereichen Sport, Kultur und Unterhaltung, Ausflüge, Ferien, Kurse und Weiterbildung, Messen und Ausstellungen, Shopping und Soziales profitiert werden. Kaufen können ihn alle Familien mit einem oder mehreren Kindern (bis 14 Jahre), gleich ob verheiratet, alleinerziehend oder im Konkubinat lebend. Bedingung ist, dass die Familie in der Nordwestschweiz wohnt. Via www.familienpass.ch ist ersichtlich welche Gemeinden beim Familienpass Region Basel dabei sind.

Bedingungen für den FamilienpassPlus:

•    von der Sozialhilfe unterstützt werden

•    Krankenkassen-Prämienverbilligungen im Kanton BL erhalten

•    Anspruch haben auf Ergänzungsleistungen zur IV

•    keine öffentlichen Unterstützungsgelder beziehen, aber das Einkommen dennoch tief ist.

Telekommunikation

Swisscom 1145 Auskunft und Vermittlung

Swisscom bietet in Zusammenarbeit mit Pro Infirmis einen kostenlosen Auskunfts- und Vermittlungsdienst für Menschen mit Behinderung. Um von dieser Dienstleistung profitieren zu können, muss das "Anmeldeformular für die Berechtigung zur kostenlosen Nutzung des Vermittlungs- und Auskunftsdienstes 1145 der Swisscom" ausgefüllt und der Nachweis eines Arztes oder einer Pro Infirmis Beratungsstelle beigelegt werden.

Die vorgenannten Angebote sind nicht abschliessend. Menschen mit einer Behinderung können von verschiedensten Angeboten profitieren, die Übersicht ist allerdings sehr schwierig und von Gemeinde zu Gemeinde und von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt. Grundsätzlich empfiehlt es sich, immer bei den betreffenden Stellen nachzufragen oder sich über deren Websites zu informieren.

 

Text: Patrick Gunti - 03/2014

Fotos: SBB, pg

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