Professionelle Herzanschubser

Andrea Klausberger in ihrer Partnervermittlungsagentur
Andrea Klausberger in ihrer Partnervermittlungsagentur (Foto: Partnervermittlung mit Herz)

Auf der Suche nach einer Partnerin oder einem Partner fürs Leben können professionelle Partnervermittlungen sehr hilfreich sein. Für Menschen mit einer Behinderung ist das Angebot spezialisierter Institute ideal um den oftmals schweren Schritt zu wagen.

„Liebe wird aus Mut gemacht“ sang Nena schon in der 80er-Jahren in ihrem Lied „irgendwie, irgendwo, irgendwann“. Trotzdem ist es nicht einfach, sich über die eigenen Zweifel hinweg zu setzen. Bei Menschen mit einem Handicap kann das noch schwieriger sein. Doch wer sich mit einer ähnlichen Situation auseinandersetzen muss, kann sich auch besser in sein Gegenüber hineinfühlen. So kann sich ein Paar im Leben gut ergänzen, denn gerade in einer Partnerschaft gilt: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Mit der Erfahrung einer spezialisierten Agentur können sich Interessierte auf die Suche nach einer Partnerschaft begeben, ohne Hemmungen oder Ängste haben zu müssen. Die Spezialisten können individuelle Empfehlungen abgeben, wer zu wem passen könnte und wer zu wem eher nicht. Worauf aber auch die Spezialisten keinen Einfluss haben, sind die Schmetterlinge im Bauch…

Beratung mit Verstand und Gefühl

Dass sich die Beratung durch eine professionelle Partnervermittlung lohnt und die Suchenden nicht alleine auf weiter Flur stehen, zeigt Andrea Klausberger. Sie leitet „Die Partnervermittlung mit Herz“ und beantwortete gegenüber MyHandicap. Fragen zu ihrer Arbeit und zu  ihrem Institut. Ihre Partnervermittlung hat sich unter anderem auf die Vermittlung von Kunden mit Behinderungen spezialisiert.

MyHandicap (MyH): Frau Klausberger. wie viele Menschen mit Behinderung sind bei ihrer Partnervermittlung angemeldet?

Andrea Klausberger (AK): Es sind immer so zwischen 150 und 200 Personen angemeldet, wobei wichtig ist zu erwähnen, dass nicht jede Person, die behindert ist, auch einen Partner sucht, der behindert ist. In der Regel ist es aber so, dass wir versuchen, Partnerschaften vorzuschlagen, bei denen sich beide ergänzen und sich nicht noch mehr behindern.

MyH: Welche Behinderungsarten haben ihre Kunden. Gibt es von deren Seite her Einschränkungen?

AK: Die Kundinnen und Kunden, die sich bei uns melden, haben ganz unterschiedliche Behinderungen. Es sind körper-, sinnes-, geistig- und psychisch behinderte Menschen. Für uns ist es vor allem wichtig, dass jemand kommunikations- und reisefähig ist.

MyH: Auf was achten sie besonders bei der Vermittlung solcher Personen? Wie gehen sie vor?

AK: Wir gehen bei Menschen mit Behinderungen nicht anders vor als bei Menschen ohne Behinderung. Das Handicap ist wohl vorhanden, aber der Mensch steht immer noch im Vordergrund. Das ist ganz entscheidend und es liegt mir sehr viel daran, dass bei einem Menschen das Handicap berücksichtigt, aber nicht in den Vordergrund gedrängt wird. Das machen schon genug andere.

MyH: Was raten sie Menschen mit einem Handicap, welche einen Partner suchen?

AK: Was wir jemanden raten, der oder die eine Partner/in sucht, hängt auch hier nur zum Teil von der Behinderung ab. Schlussendlich ist es wichtig, den Menschen zu betrachten, damit man sich verlieben kann. Grundsätzlich ist eine gewisse Offenheit und Toleranz nötig, um auch eine mögliche Partnerin oder einen möglichen Partner kennen zu lernen. Der Vorteil unserer Partnervermittlung liegt eindeutig darin, dass sich bei uns Menschen mit und ohne Handicap melden, die sich ernsthaft eine Partnerschaft wünschen. Und das ist doch schlussendlich entscheidend, oder?

Die etwas andere Lovestory

Da wäre das Beispiel von Roman und Angela* aus dem Kanton Bern. Roman lebte in einem Wohnheim. Durch seine mittelschwere Cerebralparese konnte er sich nur mühsam mitteilen. Dennoch sehnte er sich nach einer Beziehung. Als er von der „Partnervermittlung mit Herz“ den Vorschlag bekommt, mit Angela in Kontakt zu treten, war er zuerst noch unsicher. Er wollte sich schon mit Ihr verabreden, hatte aber das Gefühl, dass eh nichts daraus werden würde. Auch Angela ihrerseits bekam den Vorschlag, sich mit Roman zu treffen. Sie sitzt im Elektrorollstuhl und kann sich schwer bewegen, aber auch sie zögerte. So wurde vorerst nichts aus einem Treffen der beiden.

Obwohl beide sich fragten, ob ihr Gegenüber nicht zu stark behindert sei für eine funktionierende Beziehung, liess die beiden die Geschichte irgendwie nicht mehr los. Die Angst, gemeinsam mehr Schwierigkeiten im Alltag zu haben als schon jeweils alleine, war gross, doch sie fassten Mut und trafen sich zu einer Verabredung.

Bei ihrem ersten Treffen spürten sie schnell, dass sie sich gegenseitig in vielen Dingen ergänzten. So konnte sie für beide den Kaffee bestellen und er rührte dafür den Zucker hinein, um nur ein kleines Beispiel zu nennen. So entwickelte sich auf beiden Seiten Sympathie, und aus dieser Sympathie wuchs bald einmal Liebe.

Angela und Romand sind nun seit einigen Jahren ein Paar. Sie konnten zusammen eine eigene Wohnung beziehen und leben heute unabhängig.

 

*Namen geändert

 

Bild: zvg

Text: hia - 06/2008- MyH

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