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Jugendliche mit Behinderung in der Pubertät

Als ob die Pubertät nicht alleine schon schwierig genug wäre, stellt sie Jugendliche mit einer Behinderung vor eine ganz besondere Herausforderung. Wenn sie einsetzt, wird alles anders und schwieriger!

Drei Frauen liegen auf dem Boden. | © pixabay

Die Pubertät ist eine Zeit der Veränderungen. (pixabay)

Die Pubertät ist der Meilenstein zwischen Kindsein und Erwachsenwerden – eine Phase, die jeder einmal durchmacht, die einen früher, die anderen später. Die Pubertät ist ein Reifungsprozess, in dem sich die geistige, soziale und vor allem die körperliche Reife entwickelt.

Gezielte Aufklärung gegen Ängste und Übergriffe 

Letzteres kann Kindern mit Behinderung grosse Schwierigkeiten bereiten, gerade wenn es sich um geistige Behinderung handelt. Denn dann kann – muss aber nicht – eine grosse Diskrepanz zwischen dem Sexual- und dem geistigen Alter entstehen. Die grossen körperlichen Veränderungen können nicht verarbeitet werden und können Angst, Unsicherheit oder sogar Ekel auslösen. Wichtig ist hier eine gezielte und rechtzeitige Aufklärung. Dabei soll es nicht nur um Sexualbelange gehen, sondern auch um die körperlichen Veränderungen wie erste Menstruation bei Mädchen und Samenergüsse bei Jungs. 

Wichtig ist auch umfassende Information zu möglichen Verhütungsmitteln – bei Mädchen sollte auch ein Besuch bei der Gynäkologin geplant werden. Denn sind wir ehrlich, Teenager haben ihren eigenen Kopf und wenn sie Geschlechtsverkehr haben wollen, werden sie das auch. Je aufgeklärter die Jugendlichen sind, desto eher können Übergriffe und/oder ungewollte Schwangerschaften sowie Krankheitsübertragungen verhindert werden. 

Die Lust an sich selbst 

Selbstbefriedigung wird auch heute noch tabuisiert – das, obwohl laut Studien 95 Prozent der männlichen und sechzig Prozent der weiblichen Jugendlichen sich regelmässig selbstbefriedigen. Für die meisten ist dabei klar, dass dies hinter verschlossenen Türen passiert. 

«Jugendliche mit einer geistigen Behinderung achten dabei jedoch nicht auf Ort oder Zeitpunkt», sagt die Psychologin bei insieme Carmen Wegmann. So könne es passieren, dass sie sich, weil sie eben gerade Lust haben, in aller Öffentlichkeit befriedigen möchten. Eltern oder Betreuungspersonen müssen hier den Jugendlichen klarmachen, dass Selbstbefriedigung normal und erlaubt ist, es jedoch etwas ist, was man am besten alleine in seinem Zimmer macht.    

Ein Loch in einer Hecke in Herzform. | © pixabay Auch Jugendliche mit Behinderungen möchten sich ausprobieren. (pixabay)

Identitätssuche und die erste Liebe 

Die Pubertät ist auch die grosse Suche nach dem Ich. Wer bin ich, was macht mich aus, wer will ich sein? «Nicht selten kommt es zum zwanghaften Vergleich mit anderen Jugendlichen und zur Überidentifikation und Idealisierung einen vollkommenen, aber unerreichbaren Körperschemas», erklärt Wegmann.

Durch eine körperliche Behinderung unterscheidet man sich jedoch schon mal ganz klar von den anderen, was für die Jugendlichen sehr belastend sein kann. Für sie sind Idealbilder, wie sie auch von der Werbung vermittelt werden, praktisch unerreichbar. Hier gilt es, das Selbstwertgefühl der betroffenen Jugendlichen zu stärken. Sie müssen lernen, dass sie mit ihrer Behinderung liebenswert und wertvoll sind, dass sie Ziele erreichen und selbstständig sein können.

Spätestens in der Pubertät bilden sich in den meisten Schulklassen die ersten Pärchen, viele Jugendliche mit Behinderung müssen in dieser Zeit die ersten Ablehnungen verkraften. Das Anderssein wird überdeutlich und zum Problem. Der Austausch mit Gleichaltrigen mit ähnlichen Behinderungen wird hier umso wichtiger, da die Betroffenen hier nicht durch ihre Behinderung anders sind als die anderen und sich auf das Wesentliche – die sozialen und körperlichen Veränderungen – konzentrieren können. Unter gleichaltrigen Gleichgesinnten können die Jugendlichen erfahren, wer sie wirklich sind, ohne ständig auf ihre Behinderung reduziert zu werden. 

Was können Eltern tun? 

Alle Jugendlichen brauchen mehr oder weniger Begleitung in der Pubertät. Wegmann findet dazu klare Worte: «Von den Eltern ist gefordert, dass sie ihre heranwachsenden Kinder loslassen lernen, ohne sie fallen zu lassen, denn die Jugendlichen wollen die überbehütende Vorsorge loswerden, ohne die emotionale Geborgenheit zu verlieren.» Eltern brauchen in dieser Zeit viel Geduld und sollten Verständnis zeigen. Gleichzeitig sind jedoch auch Grenzen nötig. Die Führung der Jugendlichen sollte so sein, wie sie selbst: Für eine Person, die kein Kind mehr ist, aber auch noch nicht erwachsen.


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