Integration durch Fussball- ein Kinderspiel!

Challenge Camps ist ein gemeinnütziger Verein, der sich der Integration von Kindern mit und ohne Handicap über den Fussball widmet. MyHandicap hat sich mit Initiant und Gründungsmitglied Thomas Hirsiger über das Projekt unterhalten.

Ein Anlass, der begeistert! (Foto: Challenge Camps)
Ein Anlass, der begeistert! (Foto: Challenge Camps)

MyHandicap (MyH): Herr Hirsiger, Sie sind Gründungsmitglied und Initiant des gemeinnützigen Vereins Challenge Camps. Welches ist die grundsätzliche Idee hinter diesem Projekt?

Thomas Hirsinger (TH): Wir möchten über den Sport – und im Speziellen den Fussball - alle Kinder auf natürliche Weise integrieren. Die Begeisterung im Spiel verbindet, unabhängig welches Handicap ein Kind hat. Über unseren gemeinnützigen Verein können wir dank den Sponsoren diese tollen Fussballcamps den behinderten Kindern gratis anbieten.

MyH: An den verschiedenen Camps können Kinder mit und ohne Handicap teilnehmen. Nun gibt es verschiedenste Arten von Handicap oder Behinderung. Wie werden die einzelnen Gruppen zusammengestellt?

TH: Bei der Organisation dieser Camps finden im Vorfeld intensive Gespräche zwischen meiner Frau als Gesamtverantwortlicher für dieses Projekt, dem technischen Leiter von Challenge Camps und den Betreuern und Eltern statt. Zusätzlich ist der erste Tag des Camps so aufgebaut, dass nach einem ersten Training die Gruppen eingeteilt werden können.

Mit vollem Einsatz dabei! (Foto: Challenge Camps)
Mit vollem Einsatz dabei! (Foto: Challenge Camps)

MyH: Welche Vorteile bringt ein entsprechendes Camp für ein Kind ohne Handicap mit sich und was sind seine „Aufgaben“ während des Camps?

TH: Wir nehmen jedes Kind wie es ist, mit all seinen Stärken und Schwächen. Da die Teams für die sogenannte Champions League aus allen Kindern zusammengestellt werden, muss jedes im Match sein Bestes geben. Kinder ohne Handicap lernen, ihre neuen Freunde aktiv ins Spiel zu integrieren. Die gegenseitige Rücksichtnahme funktioniert. Ohne Zutun der Trainer oder Betreuer.

MyH: Können Sie uns den Ablauf eines gemeinsamen Camps von Kindern mit und ohne Handicap schildern? Was erleben die Kinder?

TH: Ich nehme am besten ein gemeinsames Fussballcamp mit dem Verband Nordwestschweiz in Muttenz als Beispiel. Unsere Gäste wurden um 11.00 Uhr durch meine Frau begrüsst. Die Kinder und ihre Begleiter wurden nochmals über den sportlichen Ablauf informiert (auf der schriftlichen Einladung waren die Zeitabläufe aufgeführt).

Nachdem die JuniorInnen ihre persönliche Ausrüstung bekommen hatten – Shirt, Hosen, Stutzen, Ball und Trinkflasche – wurde mit den übrigen Teilnehmenden gemeinsam das Mittagessen eingenommen. So konnten sich alle ohne Berührungsängste ein erstes Mal kennen lernen. Es folgte das gemeinsame Einlaufen und per Los wurden schliesslich die Teams zusammengestellt. Die Wettkämpfe konnten beginnen. Der Captain jedes Teams war verantwortlich, dass fair ausgewechselt wurde und alle zum Einsatz kamen.

Trainer und Betreuer hielten sich bewusst im Hintergrund. Es war für Eltern und Kinder ein tolles Erlebnis. Jeder nahm Rücksicht, ohne dass wir dies moderieren mussten. Die Kinder sind sensibel und fair genug. Selbst in einem hart umkämpften Match. Nach der Preisverleihung - es wird immer in zwei Kategorien gespielt - bekamen die Kinder mit Handicap ihren persönlichen Pokal überreicht und wurden anschließend von allen gemeinsam verabschiedet. Die restlichen Teilnehmer erhalten ihren Pokal am letzten Tag.

Kennenlernen ohne Berührungsängste (Foto: Challenge Camps)
Kennenlernen ohne Berührungsängste (Foto: Challenge Camps)

MyH: Wie sind die verantwortlichen Betreuer im Umgang mit den Kindern geschult?

TH: Alle unsere Trainer und das Support-Team verfügen über langjährige Erfahrung im Bereich Kinderbetreuung und Sport. Wir legen grosses Gewicht auf einen natürlichen Umgang mit Kindern mit Behinderung. Ein Kind kann auch mit den Augen oder der Körpersprache kommunizieren. Aus diesem Grund müssen die Trainer und Betreuer über eine natürliche Sensibilität verfügen. Unsere Betreuerinnen haben eigene Kinder, aus unserer Sicht ist das unabdingbar. Selbstdarsteller werden nie in einem Challenge Camp anzutreffen sein.

MyH: Sind auch die Eltern sowie Heime und Organisationen in die Durchführung eines Camps eingebunden?

TH: Es kann kein Fussballcamp durchgeführt werden, wenn im Vorfeld eine aktive Zusammenarbeit zwischen Eltern, Betreuern und Tagesschulen fehlt. Nur über ihr Vertrauen können wir ihre Kinder in unsere Camps einladen. Bringt die Mutter oder der Betreuer das Kind oder die Gruppe ins Fussballcamp, verlieren sie die Schwellenangst und können mit Begeisterung bereits die ersten Minuten genießen.

MyH: Sie sind mit den Camps jeweils bei einem Fussball-Club zu Gast. Welche Aufgaben übernimmt der Klub und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

TH: Der gastgebende Verein / Klub muss für die Idee gewonnen werden, einen integrativen Nachmittag durchzuführen. Wenn immer möglich werden Kinder aus der Umgebung berücksichtigt. Die Beispiele zeigen, dass Vereine einen enormen Goodwill aufbauen können und es geschätzt wird, dass der Fussball auch seine sozialen Verantwortungen wahrnimmt.

MyH: Wo stellen sich bei der Durchführung die grössten Schwierigkeiten?

TH: Bis heute haben wir keine wirklichen Schwierigkeiten in diesen Camps erlebt. Von grosser Wichtigkeit ist, dass Eltern und Betreuer uns ihr Vertrauen schenken. Vor jedem neuen Camp haben wir grossen Respekt. Im Vergleich zu den Eltern und Betreuern kennen wir die „Spezialitäten“ der Kinder nicht. Umso mehr heisst es, mit viel Einfühlungsvermögen und Beobachtungen die Bedürfnisse der Teilnehmer zu erkennen.

Während des Fussballcamps wird streng darauf geachtet, dass immer alle Kinder integriert sind. Wenn ein „kleiner Fussballer“ ein paar Minuten neben der Seitenlinie steht, so wird dies akzeptiert. Dank der Erfahrung unseres Teams und der Betreuer wird er dann wieder mit dem richtigen Timing abgeholt.

Challenge Camps - ein unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten (Foto: Challenge Camps)
Challenge Camps - ein unvergessliches Erlebnis für alle Beteiligten (Foto: Challenge Camps)

MyH: Für die Teilnehmenden sind die Camps kostenlos. Können Sie uns etwas zur Finanzierung der Camps sagen?

TH: Damit die Eltern der Kinder finanziell nicht belastet werden, haben wir den gemeinnützigen Verein Challenge Camps gegründet. Dank den Sponsoren und Gönnern, welche primär Stiftungen und Firmen, jedoch auch Privatpersonen sind, können wir den Kindern dieses Erlebnis ohne eine Kostenbeteiligung anbieten. Der finanzielle Hintergrund der Eltern darf beim Entscheid einer Teilnahme keine Rolle spielen. Natürlich sind wir immer noch auf Spendensuche und unterstützen den Verein nach wie vor mit unserem privaten Vermögen.

MyH: Welches ist Ihre persönliche Motivation für Challenge Camps?

Bei einem Camp erzählte mir ein Betreuer, dass seine ganze Equipe seit 2 Wochen vor Aufregung kaum noch schlafen konnte! Oder der beste Torwart verkündete voller Stolz, dass er seinen Titel im Herbst verteidigen werde. Jedes Camp ist für uns von Challenge Camps eine totale Bereicherung. Es motiviert, viele fussballbegeisterte, handicapierte Kinder kennenlernen zu dürfen. 

 

Text: pg – 07/2009 - MyH

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