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Psychisch Beeinträchtigte verlieren meist ihre Stelle - Arbeitgeber sind gefordert

Donnerstag, 13. April 2017

Psychisch Beeinträchtigte verlieren oft ihre Stelle

80 Prozent aller psychisch beeinträchtigten Arbeitnehmerinnen und –nehmer verlieren ihren Job. Die Sensibilität der Arbeitgebenden ist gering, Anreize und Unterstützungsmassnahmen mangelhaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Psychiatrie Baselland und der Hochschule Luzern.

Die Studienautoren und -autorinnen nahmen eine repräsentative Befragung von Führungskräften in der Deutschschweiz vor. Die überwiegende Mehrheit weist Erfahrungen mit einer Arbeitnehmerin oder einem Arbeitnehmer mit psychischen Beeinträchtigungen auf. Der Befund ist erschreckend: In 80 Prozent der Fälle kommt es zu einer Kündigung. Sehr häufig wird zu spät interveniert.

Führungspersonen suchen kaum Unterstützung

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass die behandelnden Psychiaterinnen und Psychiater der Mitarbeitenden eine grosse Hilfe sind. Nur: Sie werden von den Vorgesetzten lediglich in jedem fünften Fall herbeigezogen. Trotz häufigen Krankschreibungen werden die «Case Manager» der Krankentaggeldversicherer fast nie kontaktiert, ebensowenig wird eine Frühintervention bei der IV getätigt.

Arbeitnehmende sitzen in der Falle

Besonders perfid für Arbeitnehmende ist die Tatsache, dass die Führungskräfte zwar einerseits wünschen, früher über deren Probleme informiert zu sein. Andererseits geben 60 Prozent an, sie würden eine Person, die am Vorstellungsgespräch psychische Probleme erwähnt, gar nicht erst anstellen. Das Bewusstsein bei Führungskräften – aber auch bei anderen Akteuren – sei immer noch sehr tief, heisst es in der Studie. «Sensibilisierungsaktionen oder Appelle nützen offenbar zu wenig. Es braucht verbindlichere Massnahmen, um ein grundlegendes Umdenken herbeizuführen.»

Eine wirkungsvolle und langfristige Strategie ist gefragt

Die Studie bestätigt: Auch die Arbeitgeber sind in der Pflicht. Sie müssen sich mehr engagieren. Zum einen ist eine geregelte Arbeit für die Betroffenen ein zentraler Faktor zur gesundheitlichen Stabilisierung. Zum anderen können mit einer erfolgreichen Integration in den Arbeitsmarkt auch Kosten bei den Sozialversicherungen eingespart werden. Dazu braucht es langfristige Strategien und nicht bloss kurzsichtige Forderungen nach Zugangs- und Leistungskürzungen bei den Sozialversicherungen.

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(Quelle Inclusion Handicap/myh)