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Stents erhöhen Risiko für erneuten Schlaganfall

Dienstag, 14. Oktober 2014

Das Risiko für erneute Schlaganfälle ist höher, wenn Patienten nach dem Aufweiten ihrer Blutgefässe im Gehirn nicht nur gerinnungshemmende Medikamente bekommen, sondern zusätzlich Gefässstützen (Stents) eingesetzt werden. Studien liefern dagegen keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen der unter der Abkürzung PTAS firmierenden Stent-Behandlung. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht (Rapid Report) des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Sind Blutgefässe im Gehirn verengt oder verschlossen, kann das einen Schlaganfall auslösen. Hatten Patienten bereits einen Schlaganfall oder eine vorübergehende Durchblutungsstörung (transitorische ischämische Attacke, TIA), ist das Risiko hoch, dass weitere auftreten. Deshalb bekommen diese Patientinnen und Patienten zum einen Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen. Zum anderen können verengte Gefässe zusätzlich erweitert werden.

Inzwischen geschieht dies häufig mithilfe eines kleinen Ballons. Aber auch nach einer solchen Ballondilatation (perkutane transluminale Angioplastie, PTA) und gleichzeitiger Blutverdünnung bleiben häufig Gefässverengungen (Stenosen) bestehen oder es treten neue auf (Restenosen). Deshalb wurde die Behandlung um Stents erweitert (perkutane transluminale Angioplastie mit Stenteinlage, PTAS): Kleine Röhrchen aus Drahtnetz sollen die erweiterten Blutgefässe stützen und eine Restenose verhindern. Diese Stent-Behandlung gibt es seit rund zehn Jahren.

Deutlich mehr Schlaganfälle in zeitlicher Nähe zum Eingriff

Die IQWiG-Studie kommt nun im Rahmen einer Studie zum Schluss, dass Patienten deutlich häufiger einen erneuten Schlaganfall erleiden, wenn sie einen intrakraniellen Stent bekommen haben, als bei der alleinigen Gabe von Medikamenten: In der PTAS-Gruppe war das bei 59 Teilnehmern (26,3 %) der Fall, in der Vergleichsgruppe bei nur 42 (18,5 %).

Unterscheidet man nach Art des Schlaganfalls, so kann man diese Unterschiede bei den hämorrhagischen, also durch Blutungen bedingten Schlaganfällen feststellen, nicht jedoch bei den ischämischen, also durch Verengung bedingten. Bei den hämorrhagischen Schlaganfällen handelt es sich häufig um sogenannte periprozedurale Ereignisse, die binnen 30 Tagen nach dem Eingriff auftreten. Und bei einem Großteil der Patienten scheinen sie durch die mechanische Manipulation beim Einlegen des Stents zustande gekommen zu sein.

Keine Unterschiede bei Sterblichkeit und Revaskularisationen

Diesen Nachteilen stehen keine Vorteile bei anderen Endpunkten gegenüber: Denn bei der Sterblichkeit (Gesamtmortalität und zerebrovaskuläre Mortalität) zeigt sich kein relevanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Zum gleichlautenden Befund kommt der IQWiG-Bericht auch bei den erneuten Revaskularisationen, also der Notwendigkeit, erneut verengte Gefässe wieder zu weiten.

Ergebnisse möglicherweise verzerrt

Alle Studien, die das IQWiG in die Bewertung einbezog, sind mit Unsicherheit behaftet und ihre Ergebnisse möglicherweise verzerrt. Hauptgründe dafür waren Unklarheiten bei der Randomisierung sowie die vorzeitige, ungeplante Beendigung der Studien. Trotzdemt sieht das IQWiG in der Gesamtschau einen Anhaltspunkt für einen Schaden der PTAS im Vergleich zur rein medikamentösen Behandlung. (IQWiG/MyH/pg)