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Patienten trainieren Sehvermögen nach Schlaganfall

Mittwoch, 21. Mai 2014
Die Patientin muss in einer grünen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren.  (Foto: Oliver Dietze)

Die Patientin muss in einer grünen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. Diese Übung kann auch am Computer absolviert werden. (Foto: Oliver Dietze)

Nach einem Schlaganfall kommt es bei vielen Patienten zu Sehstörungen. Sie haben etwa Probleme beim Lesen oder sehen ihre Umwelt verschwommen. Zwar bieten Krankenhäuser wirksame Behandlungen an. Im Anschluss daran ist es aber oft schwer, eine geeignete Therapie zu finden. Abhilfe könnte ein neuer Ansatz schaffen, den Forscher aus Grossbritannien und Erlangen gemeinsam mit Neuropsychologie-Professor Georg Kerkhoff von der Saar-Uni untersucht haben.

Die Patienten schulen dabei zu Hause – unter therapeutischer Aufsicht – mit einem speziellen Computerprogramm ihr Sehvermögen. Fazit: Die Sehkraft verbesserte sich deutlich.

Zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls zählen Sehstörungen. Helfen könnten hier Computerprogramme, mit dem Betroffene ihr Sehvermögen daheim schulen und dabei von Therapeuten betreut werden. Wie erfolgsversprechend eine solche Massnahme ist, haben Forscher nun untersucht. Dazu haben sie zwei vergleichbare Patienten-Gruppen mit Gesichtsfeldausfällen einem Training von insgesamt 35 Stunden am heimischen Rechner unterzogen.

Verbesserung des Lesens und der visuellen Suche im Raum

Die eine Gruppe erhielt ein Training, das gezielt das Lesen und die visuelle Suche im Raum verbessern soll. Die Patienten mussten dazu am Bildschirm etwa in einer Reihe von Wörtern ein „Nicht-Wort“ heraussuchen oder in einer blauen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. „Dabei schulen die Patienten willentlich kontrollierbare Blickbewegungen“, erläutert Professor Kerkhoff. „Diese Therapieform ist gut in Studien untersucht worden und wirksam, wenn sie unter kontinuierlicher, therapeutischer Beobachtung durchgeführt wird.“

Die Kontrollgruppe erhielt parallel dazu ein unspezifisches Aufmerksamkeitstraining. Nach der Therapie verbesserte sich das Sehvermögen hier nur gering. Zudem brachen die Teilnehmer die Therapie häufiger vorzeitig ab. Die Probanden aus der ersten Gruppe verbuchten hingegen deutliche Erfolge. Ausserdem untersuchten die Forscher mit Fragebögen, wie beide Gruppen mit bestimmten Alltagsleistungen wie dem Überqueren einer Strasse klarkamen. „Die erste Gruppe war auch hier generell zufriedener“, sagt Kerkhoff.

Geringer Betreuungsaufwand

Während der Studie haben Therapeuten alle Patienten per Telefon und mit Hausbesuchen unterstützt. Der Betreuungsaufwand war jedoch gering. „Der vergleichsweise geringe Aufwand und die objektiven Verbesserungen in der ersten Gruppe zeigen, dass eine neurovisuelle Therapie zu Hause die ambulante oder stationäre Therapie wirksam unterstützen kann“, erklärt der Professor. (Universität des Saarlandes/MyH/pg)