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Schlaganfall: Immer mehr jüngere Menschen betroffen

Montag, 3. März 2014

Einen Schlaganfall, früher eine Erkrankung des höheren Alters, erleiden heute immer häufiger Menschen, die in der Mitte des Lebens stehen. Dies zeigt eine neue Auswertung der weltweit ausgerichteten „Global Burden of Disease“-Studie, wie die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft DSG und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie DGN in einer Mitteilung schreiben.

Weltweit haben im Jahr 2010 schätzungsweise 16,9 Millionen Menschen einen Schlaganfall erlitten und 5,9 Millionen von ihnen sind durch den Hirninfarkt gestorben. Die Gesamtzahl der „Lebensjahre mit Behinderung“ oder – anders ausgedrückt – der Verlust der Jahre in unversehrter Gesundheit, berechneten die Experten mit 102 Millionen Lebensjahren.

Massive Zunahme von Schlaganfällen

Dies geht aus einer aktuellen Auswertung der „Global Burden of Disease“-Studie hervor, einem Projekt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank. Das Projekt verfolgt seit dem Jahr 1990 die Entwicklung der häufigsten Erkrankungen. In den untersuchten 20 Jahren ist es weltweit zu einem Anstieg der Schlaganfälle um 68 Prozent gekommen. Die Zahl der Todesfälle nahm um 26 Prozent, die Zahl der Lebensjahre mit Behinderungen um 12 Prozent zu.

Immer mehr jüngere Menschen betroffen

„Der Anstieg der Krankheitslast ist nicht allein die Folge der steigenden Lebenserwartung“, erläutert Prof. Dr. med. Gerhard F. Hamann, 1. Vorsitzender der DSG. Erschreckend sei auch, dass immer mehr jüngere Menschen einen Schlaganfall erleiden. Betrug der Anteil der 20- bis 64-Jährigen 1990 noch 25 Prozent, so entfielen 2010 bereits 31 Prozent aller Schlaganfälle auf diese Altersgruppe. Zudem tritt mittlerweile weltweit jeder 20. Schlaganfall bei Jugendlichen und Kindern auf.

Mit dem Wohlstand wachsen die Risikofaktoren

„Die aktuelle Studie hat zwar nicht die Gründe für den weltweiten Anstieg untersucht, wir gehen aber davon aus, dass in vielen Ländern mit dem Wohlstand auch die Risikofaktoren gewachsen sind“, ergänzt Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und Pressesprecher der DGN.

Die häufigsten Ursachen von Schlaganfällen sind ein zu hoher Blutdruck und Vorhofflimmern, die durch eine gesunde Lebensweise vermieden oder durch medizinische Behandlung gebessert werden können. „Auch hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen, übermässiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht und eine ungesunde Ernährung tragen zum Risiko bei“, fügt der Experte aus Essen hinzu.

Mehr als die Hälfte der Todesfälle durch Hirnblutungen

Die meisten Schlaganfälle sind Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Der Blutfluss stockt, weil die Gefässe durch Verkalkungen verengt sind und durch ein Blutgerinnsel verstopft wurden. In etwa 15 Prozent kommt es zu Massenblutungen im Gehirn, bedingt durch zu hohen Blutdruck. Diese sogenannten hypertensiven Blutungen kommen hauptsächlich in Gehirnabschnitten vor, in denen sich Gefässe mit eher dünnerer Wand befinden. Eine weitere Auswertung der „Global Burden of Disease“-Studie in The Lancet Global Health zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Todesfälle (51,7 Prozent) durch Hirnblutungen entstanden sind. Von diesen sind dem Bericht zufolge bevorzugt Menschen im mittleren Lebensalter betroffen.

Drastische Verschlechterung in Entwicklungs- und Schwellenländern

Die Situation hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem in den Entwicklungsländern und den Schwellenländern verschlechtert, auch die Länder Osteuropas gehören dazu. In Russland ist die Zahl der Neuerkrankungen (Inzidenz genannt) am Schlaganfall in den letzten beiden Jahrzehnten von 322 auf 371 pro 100.000 Einwohner gestiegen. In Deutschland ist die Inzidenz im gleichen Zeitraum von 176 auf 141 pro 100.000 Einwohner gesunken. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei der Sterblichkeit. In Russland kamen 1990 auf 100.000 Einwohner jährlich 137,7 Schlaganfalltodesfälle, in Deutschland waren es nur 21,1.

Gesunde Lebensweise hilft Schlaganfälle zu vermeiden

Dies sind dramatische Unterschiede, die sicherlich auch gesellschaftliche Ursachen haben. „Sicher ist aber auch, dass ein Schlaganfall durch eine gesunde Lebensweise in hohem Masse vermeidbar ist und dass die gute Schlaganfallversorgung in Deutschland erfreulicherweise zu einem Rückgang der Neuerkrankungen geführt hat. Allerdings steigt die Gesamtzahl der Patienten nach einem Schlaganfall an“, sagt Professor Dr. med. Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Klinik der Asklepios Klinik Altona und Pressesprecher der DSG.

„Jeder einzelne Mensch kann hier einen Beitrag leisten und auf gesunde Ernährung, Bewegung und gute Blutdruckwerte achten sowie auf Nikotin und erhöhten Alkoholkonsum verzichten. Durch eine konsequente Beachtung und ggf. Behandlung aller Risikofaktoren könnten etwa 70 Prozent aller Schlaganfälle verhindert werden. (DSG/DGN/MyHandicap/pg)