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"Ich habe keine Beine” – und dennoch stehe ich voll im Leben”

Mittwoch, 30. Mai 2018

"Ich habe keine Beine” –und dennoch stehe ich voll im Leben”

“Sitzmann” ist kein Künstlername, sondern mein Lebens-Programm!
Es ist alles gut was jetzt kommt – versprochen!

Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Oder doch die schlimmsten? Für manche Auslegungssache – für mich war das nie eine Frage. Am 31. August 1992 ereignete sich der Motorradunfall, bei dem ich beide Beine verlor. Ein Schicksalsschlag, gar eine Lebenskrise, sagen die einen. Eine zweite Chance, mein zweiter Geburtstag, sage ich, der halbe Mann. Meine Einstellung und meine Willensstärke erhielten mir immer mein ganzes Herz: Darin schlägt ein starkes Ja zum Leben. Ein Tag, der alles veränderte und der mich zu dem machte, was ich heute bin. Wortwörtlich: Der Sitzmann.

 

Keine Beine mehr – aber dennoch mit großen Schritten voraus
Es war kein Kampf, es war ein neuer Weg. Ein Weg, der auf der Autobahn liegend begann. Krankenwagen, Intensivstation, Krankenhaus, Reha. Eine Strasse der Möglichkeit und der Motivation. Ich konnte nicht mehr gehen, aber trotzdem war und bin ich nicht aufzuhalten. Freunde, Familie, neue Menschen und Situationen. Ich fand Unterstützung, Halt und andere Perspektiven. Viele Momente, die mich nie den Glauben an den Sinn verlieren liessen. "Dieser Weg wird kein leichter sein", wie schon mein Freund Xavier Naidoo wusste. Dieser Weg wurde eben ab jetzt "berollt". Erst ein paar kleine Drehungen, dann viel mehr. Im Rollstuhl, im Auto – frei und optimistisch. Es dauerte, bis ein 15-jähriger 2-Meter-Kerl zu einem wirklichen Sitzmann wurde. Doch die Zeit und ein ungebrochener Wille halfen mir dabei, dem Leben wieder Beine zu machen.

 

Jeder Tag gehört dir
Was treibt mich an? Was bringt mir Glück? Was macht mich zufrieden? Fragen, die sich jeder von uns stellt und uns alle gleich macht. Ich bin ein Lebemann, ein Lebenssportler, wie ich mich selbst bezeichne. Ich mache keine halben Sachen, bin mit Herz und Seele dabei. Ich beendete meine schulische Laufbahn in der Reha, wohnte mit 17 bereits allein und selbstständig. Führerschein gleich ein Jahr später, eine kaufmännische Lehre. Aus mir selbst heraus konnte ich das Beste schaffen, das lernte ich jeden Tag. Erfolgreicher Leistungssport im Handbike, zwei Töchter, ein Sohn und zwei eigene Bücher. Lesungen in ganz Deutschland, Fernseh-Auftritte, Interviews, Reportagen. Ich verstecke mich nicht. Warum auch? Ich habe so viel zu erzählen. Soziale Bindungen, gemeinsamer Austausch, der offene Dialog. Das alles spendet mir Kraft. Kraft, die ich auch an andere Menschen weitergebe.

 

Rolling & Writing, der Sitzmann bewegt
Mein erstes Buch veröffentlichte ich 2009: "Der halbe Mann, dem Leben Beine machen". Eine positive Biografie, die Mut macht. Mut, sich zu trauen, weiter an sich zu glauben und nach vorne zu blicken. Ich bin standhaft geblieben – auch ohne Beine. 2011 dann, das passende Hörbuch. Meine Lesereisen, oftmals mit Musik untermalt. Ich nutze meine einzigartige Geschichte, um meine Mitmenschen zu motivieren, um ein Vorbild zu sein. Für alle, mit und ohne Handicap. Anfang 2012 kam dann mein zweites Buch: "Bloss keine halben Sachen – Deutschland ein Rollstuhlmärchen". Ich sehe mich auch als Vermittler zwischen den Welten. Zwischen "Behinderten" und "Fussgängern". Nach über zwanzig Jahren im Rollstuhl habe ich viel erlebt und spreche auch über Missstände in der Gesellschaft offen. Denn manchmal ist es nicht die Behinderung selbst, sondern die Gesellschaft, die "behindert" macht. Davon rolle ich mich frei. Ich nutze meine Medienwirksamkeit und unterstütze ein soziales Projekt, das Kinder stärkt, die sich auf Ihrem Weg zurück ins Leben befinden. Ich lebe und bin da, voll und ganz, auch und vielleicht grade als “Der 1/2 Mann".

 

Website-Link zu Florian Sitzmann: www.dersitzmann.de