Soziale Unterstützung am Arbeitsplatz – ist mehr immer besser?

Ein junger Mann steht in einem Büro vor einem Tisch mit einem Laptop (Bild: DAK/Schläger)
Ist man von seinen eigenen Stärken überzeugt, wirkt sich das positiv auf die Arbeitsleistung aus. (Bild: DAK/Schläger)

Dass Arbeitnehmer mit Handicap in ihrem Job regelmässig unterstützt werden sollen, ist bekannt. Doch wie viel Unterstützung ist das Optimum, kann zu viel Hilfe sogar schaden? Ergebnisse aus einer aktuellen CDI-Studie.

Eine wichtige Voraussetzung für die Inklusion von Mitarbeitenden mit Behinderung im Arbeitsalltag ist eine gute Arbeitsleistung. Ein vielfach genannter einflussnehmender Faktor ist hierbei die soziale Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten. Doch gilt tatsächlich die weit verbreitete Annahme, dass mehr soziale Unterstützung immer eine höhere Arbeitsleistung zur Folge hat?

Eine aktuelle Studie des Center for Disability and Integration der Universität St. Gallen (CDI-HSG) geht dieser Frage nach und befasst sich mit dem Einfluss individueller Unterschiede auf den Zusammenhang zwischen sozialer Unterstützung und Arbeitsleistung.

Mehr Unterstützung gleich bessere Leistung?

Im Rahmen dieser Fragestellung unterscheiden Wissenschaftler zwischen externen und internen Ressourcen. Soziale Unterstützung zählt zu den externen Ressourcen. Interne Ressourcen sind unter anderem Charaktereigenschaften, wie beispielsweise die wahrgenommene Selbstwirksamkeit. Diese bezeichnet die individuell unterschiedlich ausgeprägte eigene Überzeugung, dass man in einer bestimmten Situation die geforderte Leistung erbringen kann. Diese Einschätzung der eigenen Fähigkeiten wirkt sich auf die Motivation und die tatsächliche Arbeitsleistung einer Person aus.

Die Idee der Studie ist es, den Zusammenhang von externen und internen Ressourcen sowie deren Einfluss auf die Arbeitsleistung zu beleuchten. In der Literatur finden sich unterschiedliche Annahmen in Bezug auf dieses Zusammenspiel.

Zusammenspiel von sozialer Unterstützung und Selbstwirksamkeit auf die Arbeitsleistung

Eine erste Annahme besagt, dass soziale Unterstützung positive Effekte auf die Arbeitsleistung hat da sie geringe interne Ressourcen kompensieren kann. Hat eine Person eine geringe Selbstwirksamkeit, so kann ihr die zielgerichtete Hilfe von Vorgesetzten und Kollegen dabei helfen, trotz Selbstzweifel und temporärer Entmutigung eine gute Arbeitsleistung zu erzielen.

Eine zweite Annahme stellt hingegen die Kehrseite der sozialen Unterstützung ins Zentrum, indem sie davon ausgeht, dass soziale Unterstützung hohe interne Ressourcen stören bzw. abschwächen kann, was zu negativen Konsequenzen für die Arbeitsleistung führt. Wenn eine Person also eine hohe Selbstwirksamkeit bzw. eine ausgeprägte Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten besitzt und sich somit auch in Anbetracht von Schwierigkeiten nicht entmutigen lässt, so wird sie die soziale Unterstützung ihres Umfeldes eher „ausbremsen“.

Datenerhebung in einem Call Center

Die Daten für diese Studie wurden in einem Call Center gesammelt, das hauptsächlich Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Alle Variablen wurden mittels Fragebogen erhoben. Die Arbeitsleistung wurde durch den jeweiligen Vorgesetzten eingeschätzt. Die Resultate zeigen, dass es generell einen positiven Zusammenhang zwischen sozialer Unterstützung und Arbeitsleistung gibt.

Dieser lässt sich jedoch für unterschiedliche Personengruppen differenzieren: In Übereinstimmung mit der ersten Annahme, dass soziale Unterstützung geringe interne Ressourcen „abpuffert“, zeigt sich, dass die Arbeitsleistung von Personen mit geringen eigenen Fähigkeitserwartungen durch den Einfluss von sozialer Unterstützung erhöht werden kann. Im Gegensatz dazu hat soziale Unterstützung für Personen mit hohen eigenen Fähigkeitserwartungen keinen zusätzlichen Effekt auf die Arbeitsleistung. Allerdings ist auch kein negativer Effekt im Sinne der zweiten Annahme festzustellen.

Passgenaue Unterstützung für jeden Mitarbeiter

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Menschen mit Behinderung unterschiedliche Bedürfnisse haben und sich hinsichtlich der Menge an sozialer Unterstützung, die sie benötigen, um eine gute Arbeitsleistung zu erreichen, unterscheiden.

Statt eines Patentrezepts sollten Organisationen die individuellen internen Ressourcen berücksichtigen und ihren Mitarbeitenden mit Behinderung soziale Unterstützung passgenau statt geballt zukommen lassen. Das Gleiche gilt wahrscheinlich auch für Mitarbeitende ohne Behinderung, wobei diese Personengruppe in der aktuellen Studie nicht untersucht wurde.

 

Text: Miriam Baumgärtner - 10/2013

Foto: DAK/Schläger

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