Frei wie der Wind

Ein Motorrad in einem Grasfeld unter blauem Himmel (Quelle: uschi dreiucker / pixelio.de)
Auf den Fahrtspaß auf zwei Rädern müssen Motorradbegeisterte mit Behinderung nicht unbedingt verzichten. (Quelle: uschi dreiucker / pixelio.de)

Den Fahrtwind erleben, die Nähe des Asphalts spüren - das Motorradfeeling hat Suchtpotenzial. Auch mit einer Behinderung muss nicht darauf verzichtet werden, meistens reichen ein paar kleine technische Anpassungen am Zweirad aus. Es kann jedoch auch von Vorteil sein, sich von Anfang an für ein Gefährt mit drei oder mehr Rädern zu entscheiden.

„Welche Maschine passt zu mir?“ Am Anfang muss abgeklärt werden, welche Betätigungen auf dem Motorrad noch wahrgenommen werden können. Wie sieht es beispielsweise mit dem Gleichgewicht aus, mit der Bedienung der Schaltung, Kupplung, Bremsen und sonstigen Bedienelementen? Wer Probleme mit kuppeln und schalten hat, für den käme zum Beispiel die Mana 850 von Aprila in Frage. Das vollwertige Motorrad verfügt serienmässig über ein Automatikgetriebe, womit unter Umständen gar kein Umbau nötig ist.

Alles ist möglich, aber nix ist fix!

Werden aber Anpassungen am Motorrad notwendig, wird es aufwändiger. Denn Umbauten bei Motorrädern erfordern in der Regel individuellere Lösungen, als dies bei Autos nötig ist. Dementsprechend sind die technischen Abnahmen durch den deutschen TÜV oder die schweizerische Motorfahrzeugkontrolle (MFK) nicht standardisiert. „Es braucht da schon eine Portion Goodwill des Prüfers“, erklärt Wilhelm Költgen gegenüber MyHandicap. Er ist Geschäftsführer der Költgen GmbH in Krefeld.  Seine fehlende rechte Hand war für ihn Motivation, mit seiner Firma Lösungen zur Mobilität behinderter Menschen zu entwickeln - mit dem Spezialgebiet Motorräder.

„Es ist leider noch nicht selbstverständlich, dass auch Menschen mit einer Behinderung den Wunsch haben können, ein Motorrad zu lenken. Da braucht es teilweise viel Überzeugungsarbeit bei den Behörden und ich muss mein Beziehungsnetz nutzen, damit die Abnahme doch klappt“, so Költgen. Auch für Schweizer Kunden hat er schon Feuerstühle umgebaut, da es in der Schweiz keine Spezialisten für den Motorrad-Umbau gibt. Und auch hier bei der Schweizer MFK braucht es etwas diplomatisches Geschick, um die Prüfbeamten von der Unbedenklichkeit des Umbaus zu überzeugen.

Lösungen für (fast) alle

Von der technischen Seite her gibt es eine Vielzahl an Lösungen. So lassen sich praktisch alle Bedienelemente einer Maschine auch auf der jeweils gegenüberliegenden Seite anbringen. Schaltung und Kupplung können per Luftdruck bedient werden und auch alle Bremsen lassen sich an einen Hebel zusammenführen. Sogar ein Motorrad mit ausfahrbaren Stützrädern ist kein Ding der Unmöglichkeit

Mit drei Rädern und mehr

Wer mit dem Gleichgewicht Schwierigkeiten hat oder im Rollstuhl sitzt, muss trotzdem nicht auf das Frischluftvergnügen verzichten. Trikes bieten sich da als Alternative an. Die Gefährte bieten aber nicht nur ein Fahrgefühl wie im Film „Easy Rider“, da gibt es auch Maschinen für eine sportliche Gangart. Auch ein Motorrad mit Seitenwagen wäre eine Möglichkeit, zumal man sich mit den speziellen Schwenker-Gespannen genau so in die Kurven legen kann wie mit einem Zweirad. Eine weitere Art der Fortbewegung bieten Quads. Viele dieser vierrädrigen Maschinen eignen sich auch für Ausfahrten ins Gelände.

Auch wenn es nicht ganz einfach ist. Mit technischen Kniffen und etwas Hartnäckigkeit sollte sich in den meisten Fällen eine Lösung finden lassen. Gute Fahrt!

Text: hia
Bild: uschi dreiucker / pixelio.de

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