Mit joysteer zu mehr Freiheit

Für die meisten Menschen bedeutet ein Auto in erster Linie Flexibilität, Unabhängigkeit und Freiheit. Gerade für Menschen mit einer Behinderung ist diese Unabhängigkeit, dieses nicht auf andere Menschen angewiesen sein, von grosser Bedeutung.

Die Entwicklung von Hilfsmitteln hat den Individualverkehr für Behinderte in den letzten Jahren stark verbessert und vereinfacht. Zu den innovativsten Projekten gehört das an der Berner Fachhochschule in Biel entwickelte Lenksystem joysteer. Dabei handelt es sich um ein elektronisches System zur Fahrzeugbedienung für Lenker mit einer körperlichen Behinderung. Nach intensiver Entwicklungsarbeit hat es nun die Marktreife erlangt und kann ab 2009 vertrieben werden. Das vom TÜV zertifizierte System kombiniert verschiedene Bedienungselemente und passt sich somit individuell den Bedürfnissen von Fahrzeughaltern mit unterschiedlichen Behinderungen an.

Lenkung mit Füssen oder Händen

Das Lenksystem verbindet Elektronik mit Mechanik, wodurch das Fahrzeug über einen Joystick oder andere Eingabegeräte mit Füssen oder Händen gelenkt werden kann. Dank verschiedenen, individuell anpassbaren Bedienelementen bietet joysteer einen Mehrwert gegenüber herkömmlichen Hilfsmitteln zur Steuerung von Fahrzeugen. So wird Autofahren trotz Muskelerkrankung, Lähmung oder Missbildung an Armen und Beinen sicher und komfortabel.

Das System bietet eine umfassende Lösung für die Bedienung von Lenkung, Bremse, Gas und allen wichtigen Sekundärelementen. Handbremse, Automatikgetriebe, Licht, Blinker oder Scheibenwischer lassen sich über ein einziges System mit wenigen Eingabeelementen einfach bedienen.

Force-Feedback für Fahrgefühl

Ein aktives Fahrgefühl auch bei motorischen Störungen wird durch ein individuell einstellbares Force-Feedback gesichert. So erhält der Fahrer über den Joystick eine direkte Rückmeldung auf seine Aktionen, wodurch wiederum ein mechanisches Lenksystem simuliert wird. Die Eingabegeräte können auf die individuellen Bedürfnisse der Lenkerinnen und Lenker von Behindertenfahrzeugen angepasst werden. Für die Sicherheit sorgen zwei unabhängige Systeme, die sich bei einem technischen Schaden gegenseitig ersetzen können. Ein spezialisiertes Team bietet für den Einbau und alle individuellen Wünsche eine umfassende Beratung an.

Ein Beispiel: Für Tetraplegiker eignet sich besonders das Minilenkrad mit Gas- und Bremsschieber. Bei dieser Kombination wird das Fahrzeug durch Drehen eines kleinen Rades manövriert. Mit der anderen Hand kann ein Schieber für Bremsen und Gas bedient werden. Drucktaster, die sich frei platzieren lassen, steuern bei dieser Lösung die Sekundärelemente. Das System, das aus verschiedenen miteinander kombinierbaren Modulen besteht, kann ebenso über eine Lenkstange sowie über ein oder zwei Fusselemente bedient werden.  

 
Text: pg - 05/2008 - MyH

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