Reisende mit Handicap - SBB bietet Unterstützung

Ein Frau im Rollstuhl wird im Zug von einer freundlichen Schaffnerin kontrolliert (Quelle: SBB)
(Quelle: SBB)

Rund 87 % der gefahrenen Personenkilometer in der Schweiz werden von Zügen der SBB geleistet, auf einem Netz von 3000 km werden jährlich 285 Mio. Passagiere befördert - ein nicht unbedeutender Anteil davon sind Menschen mit einer Behinderung.

Diesem Umstand tragen die Schweizerischen Bundesbahnen neben dem verstärkten Einsatz von Niederflurzügen, Niederflurzwischenwagen oder höheren Perrons etc. mit verschiedensten Dienstleistungen Rechnung. So können beim Call Center Handicap Bahnreisende mit Behinderung unter der Gratisnummer 0800 007 102 oder via E-Mail (mobil@sbb.ch) Hilfen fürs Ein-, Aus- und Umsteigen an Stützpunktbahnhöfen anfordern. 

Behindertengerechte Infrastruktur

Die ca. 160 Stützpunktbahnhöfe verfügen über eine behindertengerechte Infrastruktur und sind über die ganze Schweiz verteilt. Zur optimalen Organisation der Ein- und Ausstiegshilfen benötigen die SBB eine entsprechende Anmeldung bis spätestens eine Stunde vor Zugsabfahrt, bei verschiedenen Stützpunktbahnhöfen aber auch zwei Stunden und bei internationalen Reisen drei Tage vor Abfahrt. 

Bei Anmeldungen sind Informationen wie Name und Vorname, Telefonnummer, Datum und Reiseziel, gewünschte Abfahrts- oder Ankunftszeit sowie die Art der Behinderung zu hinterlegen. Bei regelmässigen Fahrten zur gleichen Zeit auf der gleichen Strecke nimmt die SBB auch Daueraufträge entgegen.

Kostenlos für alle Menschen mit Behinderungen

Das Call Center Handicap informiert weiter über die Zugänglichkeit von Bahnhöfen und Zügen und über die Angebote der COMPAGNA-Bahnhofhilfe. Das gesamte Angebot steht allen Reisenden im Rollstuhl, Gehbehinderten, Blinden und Sehbehinderten sowie geistig Behinderten unentgeltlich zur Verfügung. Das Call Center ist täglich von 6 - 22 Uhr erreichbar.  

Alternativ dazu erteilt der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband SBV unter der Telefonnummer 0844 844 855 Informationen über Abfahrtszeiten in den Bahnhöfen mit Gleisangaben. Über die Kontaktlinie Televox und die Nummer 031 390 88 88 können Abfahrtszeiten der Züge mit Gleisangaben der Bahnhöfe Basel, Bern, Luzern, Olten, St. Gallen, Winterthur, Zürich HB sowie S-Bahn Zürich abgehört werden.

Einrichtungen für Hörbehinderte

Für TrägerInnen von Hörgeräten sind laut SBB auf zahlreichen Bahnhöfen an mit einem entsprechenden Piktogramm bezeichneten Schaltern Induktionsverstärker angebracht. Dies erlaubt ein direktes Hören auf Position «T» des Hörapparates. Offene Schalter wie in Bern, Gelterkinden, Weinfelden, Wil und teilweise in Basel und Zürich HB erleichtern die Verständigung ebenfalls. An immer mehr Bahnhöfen informieren moderne Anzeigetafeln und Monitore über Abfahrtszeiten, Gleisnummern und Verspätungen. Auf Bildschirmen wird zusätzlich über das aktuelle Zugsgeschehen orientiert.

Reisen mit dem Rollstuhl

Die meisten Schnellzüge der normalspurigen Bahnen in der Schweiz (inkl. ICE, TGV, CIS, EC, IC, IR) führen, von einigen Ausnahmen abgesehen, Wagen 2. Klasse (oder 1. Klasse) mit einem Rollstuhlabteil. Gemäss SBB-Angaben bestehen Höchstmasse und -gewichte, damit Rollstuhlfahrende im entsprechenden Abteil der Reisezugwagen befördert weren können. Die Rollstühle dürfen nicht breiter als 70 cm, länger als 120 cm und schwerer als 250 kg sein.

Reisemöglichkeiten mit Niederflurfahrzeugen

Niederflurtechnik mit tiefem Wagenboden erleichtert allen behinderten, aber auch allen nichtbehinderten Fahrgästen den Ein- und Ausstieg. Die SBB machen aber auf folgende Punkte aufmerksam: 

  • Trotz Tiefeinstieg bleibt beim Ein- und Ausstieg je nach Halteort eine kleinere oder grössere Höhendifferenz und/oder ein Spalt zwischen Perronkante und Einstiegsplattform zu überwinden.
  • Niederflurfahrzeuge mit automatischem Schiebe- oder Klapptritt (FLIRT, DTZ S-Bahn Zürich, GTW Seetallinie, SPATZ). Auf Bahnhöfen mit Perron in Höhe der Einstiegsplattform überbrückt der automatische Schiebe- oder Klapptritt die Distanz zum Perron, so dass ein minimaler Spalt bleibt und somit ein autonomer Ein- und Ausstieg möglich ist.
  • Niederflurfahrzeuge ohne automatischen Schiebe- oder Klapptritt (IC2000, S-Bahn Bern, THURBO-Netz Ostschweiz): Beim Ein- und Ausstieg ist je nach Halteort eine kleinere oder grössere Höhendifferenz und/oder ein Spalt zwischen Perronkante und Einstiegsplattform vorhanden. Auf den Stützpunktbahnhöfen können Sie eine bahnseitige Hilfe anfordern. Ohne Anmeldung sind Sie jedoch selbst für das Ein- und Aussteigen verantwortlich. Auf den Nichtstützpunkt-bahnhöfen müssen Sie die Ein- und Ausstiegshilfe selbst organisieren.
  • Falls Sie als RollstuhlfahrerIn selbstständig ein- und aussteigen, lehnt die Bahn im Falle von Schadenereignissen oder Unfällen jede Haftung ab.
  • Fahrzeuge mit Tiefeinstieg verkehren ohne Gewähr. Bei Ausfall kann ein Ersatzfahrzeug eingesetzt werden, das nicht rollstuhlgängig ist.

Preisermässigungen bei Bezug von GA und für Begleitpersonen

Menschen mit einer Behinderung erhalten durch Vorweisen der Ausweiskarte für IV-Rentner/in der Invalidenversicherung oder durch Abgabe des Ausweises zum Bezug eines Generalabonnements für Reisende mit einer Behinderung (Abgabe durch die IV-Stelle) das 1. oder 2.-Klasse-GA zu einem ermässigten Preis. Bei Bestätigung durch den Arzt, dass der Reisende für seine Mobilität im öV ständig auf den Rollstuhl angewiesen ist, gilt dies auch für Rollstuhlfahrende ohne IV-Rente.

Sind Menschen mit einer Behinderung auf Begleitung angewiesen, besteht der Anspruch auf die kostenlose Beförderung einer Begleitperson. Für beide Personen genügt also ein gültiger Fahrausweis. Dies gilt auch beim Einsatz eines Blindenhundes. Auskunft über den detaillierten Gültigkeitsbereich erhalten Betroffene ebenfalls im SBB Call Center Handicap oder an den Verkaufsstellen.

In unserem SBB-Forum gibt erhalten Sie wertvolle Tipps vom MyHandicap-SBB-Experten Werner Jordan!

Mehr zum Thema Reisen mit Handicap erfahren Sie im Bereich "Bahn und mehr".

Text: pg - 09/2007

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