Niederflurzüge: Ein Zug für alle

Eine Frau im Rollstuhl verlässt einen Niederflurzug
Niederflurzüge sind für Menschen mit Behinderung eine grosse Erleichterung. (Foto: SBB)

Reisen mit dem öffentlichen Verkehr sind für Menschen mit Behinderung oft eine grosse Herausforderung. Niederflurzüge sind dabei eine grosse Erleichterung. Grundsätzlich profitieren von ihnen aber alle Menschen.

Niederflurzüge oder Niederflurtrams zeichnen sich durch ihre besonders tiefliegenden Böden im Innenraum aus. Dies erleichtert Menschen mit einer Behinderung, Senioren mit eingeschränkter Mobilität aber auch Familien mit Kinderwagen eine barrierefreie Nutzung. Neu ist die Niederflurtechnik nicht: Bereits im Jahre 1911 stellten die New York Railways Co. die gesamte Strecke auf dem Broadway auf Niederflurbetrieb um. Erst in den letzten Jahren ist die Niederflurzüge aber immer mehr zum neuen Standard im öffentlichen Verkehr geworden. Die früher verbreitete Bauweise, bei der die Innenraumböden oberhalb der Fahrwerke eingebaut wurden und somit beim Einstieg Stufen überwunden werden mussten, wird abgelöst.

Niederflurzüge: Autonome Fortbewegung mit der Bahn

Dies ist auch bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB der Fall. In Übereinstimmung mit dem Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) aus dem Jahr 2004 gewährleistet die SBB Reisenden mit Behinderung schrittweise die Möglichkeit, sich autonom mit der Bahn fortzubewegen. Sie nimmt dazu Anpassungen beim Rollmaterial, bei der Infrastruktur und bei der Fahrgastinformation vor. Das BehiG sieht vor, dass Bauten und Anlagen sowie Fahrzeuge spätestens bis Ende 2023 behindertengerecht angepasst werden.

Auf Bahnstrecken der Schweiz, an denen die Bahnhöfe hindernisfrei sind, Niederflurzüge verkehren und die Perronhöhe angepasst ist, können Menschen mit Behinderung autonom ein- und aussteigen. Vor allem im Regionalverkehr verkehrt heute bereits mehrheitlich Niederflurzüge (FLIRT, DOMINO, DTZ, RV DOSTO, NDW, GTW). Ausserdem sind in immer mehr Bahnhöfen die Perrons so angepasst worden, dass sie einen stufenfreien Zugang zu den Zügen ermöglichen.

Ein Mann hält einem Mann im Rollstuhl die Zugtüre auf
Niederflurzüge und angepasste Perronhöhen ermöglichen Menschen mit Behinderung selbstständige Zugreisen. (Foto: SBB)

Hilfe anfordern

Im SBB-Fernverkehr ermöglichen die Doppelstockwagen (IC 2000) bei geeigneter Perronhöhe den niveaugleichen Zugang zum Fahrzeug. Beim Ein- und Ausstieg ist je nach Halteort aber eine kleinere oder grössere Höhendifferenz und/oder ein Spalt zwischen Perronkante und Einstiegsplattform vorhanden (gilt auch für S-Bahn Bern, THURBO-Netz Ostschweiz). Auf den Stützpunktbahnhöfen kann die Hilfe durch das SBB Call Center Handicap angefordert werden. Ohne Anmeldung ist man selbst für das Ein- und Aussteigen verantwortlich. Falls Rollstuhlfahrer selbstständig ein- und aussteigen, lehnt die Bahn im Fall von Schadenereignissen oder Unfällen jede Haftung ab.

SBB Call Center Handicap

Beim SBB Call Center Handicap erhalten Reisende Auskunft zur Zugänglichkeit von Bahnhöfen und Zügen sowie Tipps für die Auswahl der am besten geeigneten Züge.

Das SBB Call Center Handicap ist täglich zwischen 06.00 Uhr und 22.00 Uhr erreichbar:

Neu: Informationen zur Barrierefreiheit auf Online Fahrplan

Seit Oktober 2012 sind die Informationen zur Barrierefreiheit der einzelnen Zugsverbindungen auch auf dem SBB Online Fahrplan verfügbar. Dank dieser neuen Funktion können Reisende mit eingeschränkter Mobilität Ihre Reise besser planen. Für die gewählte Verbindung sieht man sofort ob ein Selbstein-/ausstieg möglich ist oder ob eine Voranmeldung beim SBB Call Center Handicap nötig ist. Der Online Fahrplan zeigt den Status jeder Ein-/Ausstiegsstelle einzeln an und fasst die ganze Fahrt mit dem „schlechtesten" Status zusammen.

Im Bereich Kundeninformation zeigt der neue Menüpunkt „Barrierefreie Verbindung" im Online-Fahrplan den Grad der Barrierefreiheit der gewählten Fahrt. Dabei wird der Status jeder Ein-/Ausstiegsstelle einzeln gezeigt. Reisende mit eingeschränkter Mobilität können so sehen, on ein Selbstein-/Ausstieg respektive ein Ein-/Ausstiegsmit Voranmeldung möglich ist oder nicht.

Anleitung 

Weiter macht die SBB auf folgende Punkte aufmerksam:

  • Niederflurzüge mit automatischem Schiebe- oder Klapptritt (FLIRT, DTZ S-Bahn Zürich, GTW Seetallinie, SPATZ): Auf Bahnhöfen mit Perron in Höhe der Einstiegsplattform überbrückt der automatische Schiebe- oder Klapptritt die Distanz zum Perron, so dass ein minimaler Spalt bleibt und somit ein autonomer Ein- und Ausstieg möglich ist.
  • Fahrzeuge mit Tiefeinstieg verkehren ohne Gewähr. Bei Ausfall kann ein Ersatzfahrzeug eingesetzt werden, das nicht rollstuhlgängig ist.

Broschüre Barrierefrei unterwegs. Reisende mit einer Behinderung im Öffentlichen Verkehr.

In unserem Reise-Forum gibt erhalten Sie wertvolle Tipps vom MyHandicap-SBB-Experten Werner Jordan!
Text: Patrick Gunti 10/2012
Fotos: SBB

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