Studieren mit Handicap: Das Fernstudium als attraktive Alternative

Vorlesung in der Universität – klassisches Lernen im Studium (nikolayhg/pixabay)

Ein Studium erhöht die beruflichen Chancen, lässt den Erwerb von Qualifikationen zu und schult praktisch und theoretisch für den Berufsalltag. Doch für viele Menschen mit Behinderung stellt der Campusalltag eine unüberwindbare Hürde zum Abschluss dar.

Hier eröffnet ein Fernstudium im Alltag durch Handicap eingeschränkten Menschen neue Möglichkeiten, den gewünschten Abschluss und Job doch noch zu erreichen.

Das Fernstudium geniesst im deutschsprachigen Raum zu Unrecht einen schlechten Ruf. Wo vor einem Jahrzehnt das Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten noch stark begrenzt war, geniessen viele Fernuniversitäten mittlerweile einen ausgezeichneten Ruf und ersetzen Präsenzseminare hinlänglich. Der Abschluss der meisten Studiengänge ist gleichwertig mit jenem, den die Teilnehmer/innen an einer lokalen Universität erreichen könnten. Lediglich einige Spezialisierungen sind auf diesem Wege nicht möglich. Aber was spricht eigentlich gegen die Präsenzstudiengänge an der Wunschuniversität? Für Menschen mit Handicap kommen hier oft verschiedene Gründe zusammen.

Barrierefreiheit und Inklusion

Positiv ist die Entwicklung zu sehen, dass seit einigen Jahren Hochschulen in der Schweiz, aber auch in Deutschland und Österreich, Menschen mit Behinderung eine gewisse Anzahl an Studienplätzen freihalten, für die sie bevorzugt werden können, wenn ein Härtefall vorliegt. Auch die Einbindung in den Studienalltag forcieren viele Universitäten durch spezielles Studienmaterial oder Rollstuhlplätze in den Vorlesungssälen. Doch darin erschöpft sich das Engagement bereits. Und so individuell wie die Einschränkungen im Alltag sind dann auch die Probleme, die bereits bei der Anmeldung auftreten.

Bibliotheken – nicht immer ist der Zugang barrierefrei (tpsdave/pixabay)

Wer lokal studieren möchte, muss eine Wohnung in Nähe der Einrichtung finden. Doch barrierefreier Wohnraum ist rar und teuer. Finanzielle Unterstützung gibt es in den meisten Fällen von den Sozialhilfeämtern, in Form eines Stipendiums, aber diese ist nur mässig hilfreich, wenn keine Wohnungen vorhanden sind. Barrierefreie Transportmittel zur Uni sind das nächste Problem. Zwar verbessern die Kantone ständig ihre Erreichbarkeit und Hilfsangebote, aber gerade Rollstuhlfahrer haben es in vielen Gegenden schwer. Ob die Universität selbst dann barrierefrei ist, hängt stark von den Intentionen der Leitung ab.

Einige Studiengänge setzen ohne Rücksicht auf Sinneseinschränkungen auf Medieneinsatz in den Vorlesungen, oder viel ausschliesslich analogen Lesestoff. Jeder körperlich oder geistig Eingeschränkte macht bei einem Studium andere Erfahrungen, auch mit seinen Studienkollegen und den Dozenten, aber viele der negativen Erlebnisse können durch das Fernstudium von Zuhause vermieden werden.

Ein anderer Zugang zu Wissen

Fernstudiengänge setzen heute vor allen Dingen auf das Internet. Jeder, dem ein Zugang und die Nutzung des Internets möglich ist, und der die nötige Eignung für die Studiengänge mitbringt, kann also theoretisch teilnehmen. Oft wird die Teilnahme für Menschen mit Behinderung auch staatlich finanziell unterstützt. Die Erarbeitung des Stoffes erfolgt auf eigene Faust anhand bereitgestellter Materialien. Da diese meist als HTML-Datei oder PDF vorliegen, lassen sie sich auf Readern abspielen und so oft wiederholen, wie benötigt. Die Hausarbeiten können an die Professoren per Mail eingesandt werden. So gibt es für den Studierenden fachliches Feedback zur eigenen Leistung.

Einige Lehreinrichtungen haben für Menschen mit Handicap regionale Prüfungsmöglichkeiten eingerichtet, oder können die Prüfungen im Härtefall direkt daheim durchführen lassen. Wenn wirklich Präsenztermine anfallen, sind diese immer lange genug im Voraus bekannt, um eine Anfahrt zu planen. Einige Universitäten werden Teilnehmern hier auch durch Aussetzen der Anwesenheitspflicht entgegenkommen.

Gleichwertiger Abschluss

Am Ende der Bemühungen steht für den Teilnehmer mit Handicap der gleiche Studienabschluss wie für nichtbehinderte Studierende. Dieser berechtigt zu einem Beruf im angestrebten Feld. Da in vielen Firmen eingeschränkte Menschen bei gleicher Eignung bevorzugt werden, steht so einer Karriere nichts mehr im Weg.

Text: MyHandicap 02/2016

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