Studierende mit Behinderung benachteiligt

aufgeschlagenes Buch mit gelb markierten Textstellen und Marker
Im Auftag von AGILE hat die ZHAW eine Studie zum Thema Zugänglichkeit an Schweizer Hochschulen durchgeführt (Bild: birgitH / pixelio.de)

Eine repräsentative Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW aus dem Jahr 2010 im Auftrag von AGILE zeigt: Die meisten Hochschulen in der Schweiz sind noch nicht genügend hindernisfrei für Studierende mit Behinderung.

Die Bestandsaufnahme der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW zeigt, dass beim Begriff Behinderung vielfach in erster Linie an Mobilitätsbehinderung gedacht wird.

Auch sind beim Thema Gleichstellung nicht immer Menschen mit Behinderungen gemeint. Der Zugang zu Hoch- und Fachhochschulen für Menschen mit Behinderungen ist jedoch unerlässlich, um deren gesellschaftliche Teilhabe zu garantieren.

Hochschulen haben nach wie vor Mängel

Wie zugänglich sind die Schweizer Hochschulen für Studierende mit Behinderung? Die repräsentative Studie der ZHAW zeigt: Die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderung ist noch nicht da, wo sie sein muss. Befragt wurden 83% der Schweizer Hochschulen.

Die meisten Hochschulen haben nach wie vor grosse Mängel, was das Studieren für Menschen mit Behinderung angeht: So hat ein Grossteil der befragten Hochschulen keine Ansprechperson für Studierende mit Behinderung. Und falls eine solche Ansprechperson vorhanden ist, wird sie gegen aussen oft schlecht kommuniziert.

Unterschiedlich gut ist oft auch die bauliche Zugänglichkeit der Gebäude. Nur die wenigsten Hochschulen verfügen über umfassende Informationen wie Lagepläne mit eingezeichneten Liften, Treppen, Toiletten, Parkplätzen u.a.

Immerhin gewähren die meisten Hochschulen Studierenden mit Behinderung Nachteilsausgleiche im Curriculum beziehungsweise in Prüfungen. Aber nur an einzelnen sind Nachteilausgleiche soweit akzeptiert, dass diese einmalig für das ganze Studium beantragt werden können.

Blick auf PCs und Bücherregale der Humbolth Bibliothek, Berlin
Nicht alle Räumlichkeiten sind barrierefrei (Bild: Rainer Sturm / pixelio.de)

Dringender Handlungsbedarf

Für die beiden Autoren der Studie, Sylvie Kobi und Kurt Pärli, besteht bei den Hochschulen Handlungsbedarf:

Sie empfehlen diesen unter anderem Ansprechpersonen und -stellen für Studierende mit Behinderung zu definieren und den Austausch unter den Hochschulen auszubauen.

Weiter sollen die Hochschulen ein Behinderungsarten übergreifendes Verständnis fördern.

Weitere Untersuchungen geplant

Die „Bestandesaufnahme hindernisfreie Hochschule“ der ZHAW ist der erste Teil des vom Gleichstellungsrat Egalité Handicap initiierten und von AGILE getragenen Projekts „Zugang zu Hochschulen für Menschen mit Behinderung in der Schweiz; aktuelle Situation und Perspektiven“.

Gut vier Fünftel der heimischen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen konnten in die repräsentative Befragung einbezogen werden. Das Projekt wird vom eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (EBGB) finanziell unterstützt. Es zielt darauf ab, eine Publikation mit konkreten Empfehlungen und best practices zu erarbeiten.

Der Auftraggeber AGILE

AGILE Behinderten-Selbsthilfe Schweiz setzt sich seit 1951 für die Existenzsicherung und Integration von Menschen mit Behinderung ein.

Der Dachverband vertritt die Interessen von über 40 Behindertenorganisationen. Diese repräsentieren Menschen aller Behinderungsgruppen und ihre Angehörigen.

Agile betreibt zudem die Seite hindernisfreie-hochschule.ch, welche viel Interessantes rund um das Thema Studium und Behinderung beinhaltet.


Text: Eva Aeschimann für AGILE 

Bilder: pixelio.de

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