Für ein erfolgreiches Auslandsstudium

(Screenshot: HEAG)
HEAG ist eine informative und hilfreiche Website für alle Studierenden mit Behinderung (Screenshot: HEAG)

Ein paar Semester im Ausland gefällig? „Mission Impossible“ mit Ihrer Behinderung, denken Sie? Nicht unbedingt - mit dem Higher Education Accessibility Guide soll „Barcelona für ein Jahr“ in realistische Nähe rücken.

Sicherlich dürfte diese Filmkomödie, in der es um eine internationale Studenten-WG in Barcelona geht, manchen jungen Menschen ein paar Semester an einer ausländischen Hochschule schmackhaft gemacht haben, Das gilt auch für StudentInnen mit Handicap.

Aber wenn selbst hierzulande für einen behinderten Studenten die Zugänglichkeit zu einer hochschulischen Ausbildung nicht überall gegeben ist, wie könnte man dann das Studium im europäischen Ausland überhaupt schaffen? Solche Gedanken beschäftigen viele behinderte StudentInnen. Oft nicht zu Unrecht.

Studieren im Ausland ohne Hindernisse

Doch noch öfter sind diese Gedanken überflüssig. Denn es gibt sehr wohl Universitäten ausserhalb der Schweiz, die das Etikett „barrierefrei“ glatt verdienen würden – laut den Informationen aus dem „Higher Education Accessibility Guide“,  kurz HEAG genannt. Er soll  „Studieninteressierte und Studierende mit Behinderung und chronischer Krankheit bei ihrer Recherche zu einem Studienaufenthalt im Ausland unterstützen“.

Dieser elektronische „Führer zur Zugänglichkeit des Hochschulstudiums“ wurde im Jahre 2009 von der Europäischen Agentur zur Entwicklung der sonderpädagogischen Förderung gestartet. Deren 26 Mitgliedsländer sowie Kroatien und Slowenien stellen länderspezifische Informationen zur Verfügung.

Infos zum Auslandsstudium mit Behinderung gebündelt

Dort kann sich der interessierte Student beispielsweise darüber informieren, wie das Hochschulsystem des Wunschlandes aussieht, auf welche Hilfsmittel er als behinderter Student einen Anspruch hat und wer die relevanten Ansprechpartner sind. Bis auf wenige Länder sind diese vorwiegend in Englisch verfassten Informationen bereits vollständig abrufbar.

Seit Januar 2010 können zudem online Informationen rund um Zugänglichkeit der Universtätsgebäude abgerufen werden sowie sind Kontaktdaten der jeweiligen Behindertenbeauftragten veröffentlicht. Die Daten werden im zweijährigen Turnus aktualisiert.

Die im HEAG vertretenen Länder können anhand der Landkarte ausgewählt werden
Für insgesamt 28 europäische Länder kann auf für behinderte Studenten relevante Informationen zugegriffen werden (Bild: HEAG)

Aufruf an alle Universitäten und Hochschulen

Dazu hatte die Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik, die für die Schweizer HEAG-Einträge zuständig ist, alle Hochschulen aufgefordert, vierzig Fragen, die für behinderte Studenten relevant sind, auszufüllen.

Die Beantwortung dieser Fragen ermöglicht es behinderten Studierenden weltweit, beispielsweise folgende Informationen über die Universität Zürich einzuholen: Am Studienort existieren spezielle Wohnmöglichkeiten für (behinderte) Studierende, die dortigen Hörsäle sind mit Induktionsschleifen ausgestattet und „individuelle Angebote zur Lernunterstützung und Förderung der Studienkompetenz“ können dort genutzt werden.

Noch in den Kinderschuhen

Ein Manko: Diese Datenbank ist von der HEAG-Startseite aus nicht einfach zu finden. Aber wer schlicht „database“ im Suchfeld oben rechts  auf der HEAG-Startseite eingibt, kann sich seine Wunsch-Länderdatenbank sogleich aussuchen. Wählt man eine aus, kann man dann die gewünschte Sprache, in der die Datenbankinformationen dargestellt werden sollen, anklicken. Für die Schweizer Daten sind Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar.

Derzeit sind erst 14 Schweizer Hochschulen eingetragen – von insgesamt knapp 50 Hochschulen (immerhin mehr als in Deutschland; dort sind es 29 von 410). Renommierte Universitäten wie die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich oder die Universität St. Gallen fehlen noch.

Idee gut, Umsetzung dauert noch an

Fairerweise muss jedoch angemerkt werden, dass Universitäten anderer Länder mit der Eingabe nicht  viel weiter sind. In der HEAG-Datenbank findet man zum Beispiel lediglich 30 britische, 28 schwedische und 17 spanische Universitäten (davon zwei in Barcelona). Manche Länder wie Italien und Polen fehlen sogar komplett.

Auch wenn sich der HEAG derzeit noch in der Anfangsphase befindet, ist der Führer an sich eine gute Idee. Lässt sich hoffen, dass sich immer mehr Hochschulen eintragen lassen und dadurch behinderte Studenten dazu ermutigt werden, auch mal ein paar Semester in Spanien oder in einem anderen europäischen Land zu studieren.

Bitte eintragen!

Und wer nicht warten will, bis die Hochschulen selbst auf die Idee kommen, die Zugänglichkeit ihrer Gebäude erfassen zu lassen, kann „seiner“ Uni den elektronischen HEAG-Fragebogen doch einfach zukommen lassen!


Text: TMI

Fotos: HEAG

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