Jobtraining für Menschen mit Behinderung in Schwalbach Dow und Stiftung MyHandicap führen Training zum zweiten Mal in Deutschland durch

Gruppenbild in Schwalbach (Bild: Dow Deutschland)
Gruppenbild in Schwalbach (Bild: Dow Deutschland)

Am 27.02.2014 fand die insgesamt fünfte Auflage des von Dow und der Stiftung MyHandicap regelmässig für Menschen mit Behinderung organisierten Jobtrainings statt.

Andrea* ist studierte Kommunikationsdesignerin und seit einem Schicksalsschlag gilt sie als schwerbehindert. Seit ihrem Abschluss 2011 ist sie auf Jobsuche, bisher blieb es bei befristeten Beschäftigungen. Doch sie ist engagiert, will unbedingt einen Job und nutzt alle Chancen, die sich ihr bieten. Gemeinsam mit sieben anderen Frauen und Männern nahm sie daher am Jobtraining von Dow und der Stiftung MyHandicap in Schwalbach teil.

Sie ist 27, als ihr Leben von einem Tag auf den auf anderen Kopf steht. Die Studentin fotografiert gerade ein Architekturmodell für ihre Abschlussarbeit. Plötzlich wird ihr schwarz vor Augen und sie fällt. Wach wird sie erst wieder im Krankenhaus. Sie hatte einen Schlaganfall, ausgelöst durch ein Hirn-Aneurysma. Sie muss vieles neu lernen, was vorher selbstverständlich war, zum Beispiel laufen oder sprechen. Eine Einschränkung bleibt, sie hat Konzentrations- und Gedächnisprobleme und daher einen Schwerbehindertenausweis. Im Frühjahr 2011, knapp dreieinalb Jahre nach dem Schlaganfall, gibt sie ihre Diplomarbeit ab und besteht mit der Note 1,7. Während und nach dem Studium sammelt sie Berufserfahrung, macht Praktika im Printlayout- und im Online-Bereich und übernimmt eigenständig Projekte. Doch obwohl bestens qualifziert, hat sie bisher keine feste Anstellung gefunden. "Das Jobtraining von Dow und MyHandicap kam daher wie gerufen", so die 33-jährige.

Mit Andrea* nahmen noch sieben andere Männer und Frauen mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen teil. Das Jobtrainig dauerte einen Tag und wurde von dem deutschen Dow Human Resources-Team und MyHandicap vorbereitet und begleitet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten vormittags, wie sie sich professionell und individuell bewerben und sich optimal auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten. Nachmittags dann der Praxistest: In Coachings mit Dow-Führungskräften führten die Teilnehmer ein simuliertes Bewerbungsgespräch mit anschliessendem Feedback. Wirke ich selbstbewusst und kompetent? Stelle ich meine Stärken in den Vordergrund? Wie vermittle ich, dass ich trotz - oder sogar wegen - meiner Behinderung die Stelle optimal ausfülle? Andrea zieht ein positives Fazit. "Das persönliche Interview hat wirklich viel gebracht. Normalerweise kriegt man eine Absage, und weiss nicht warum. Die Tipps haben mir sehr weitergeholfen. Es war toll zu hören, dass ich fachlich extrem viel zu bieten habe - und dies ruhig auch selbstbewusst im Bewerbungsgespräch sagen kann."

Gemeinsames Engagement von Dow und MyHandicap

"Bei allen Teilnehmern heute hat mich tief beeindruckt, mit wieviel Engagement sie ihr Leben mit Behinderung meistern und wie hochqualifziert sie sind. Ich bin sicher, dass sie im passenden Job ein echter Gewinn sind. Für mich war dieser Tag mit all den talentierten und hochmotivierten Menschen auf alle Fälle eine Bereicherung", sagt Klaus Rudert, Commercial Director Automotive Systems, der mit einem extrem schwerhörigen Teilnehmer ein Interview und das anschliessende Coaching durchführte. Neben Schwalbach fanden bisher Jobtrainings in Horgen, Schkopau und Terneuzen statt. Einige Male blieb es nicht bei einer Übung, sondern Teilnehmer fanden durch das Training Stellen bei Dow oder bei MyHandicap. "Wenn ein Teilnehmer auf eine offene Stelle passt, ist das natürlich der Idealfall. Uns kommt es bei Bewerbern sowieso nur auf eins an - nämlich auf ihre Fähigkeiten und Kompetenzen. Vielfalt in jeglicher Hinsicht ist immer ein Gewinn für die Organisation und macht uns als Dow nur stärker", sagt Susanne Seither, Personaldirektorin für Dow in Deutschland.

Auch Andrea wird nicht aufgeben - ihr Traum ist es bei einer Zeitung oder einem Magazin als Layouterin zu arbeiten. "Meine Chance kommt - gesundheitlich habe ich so viel geschafft, auch mit einem festen Job wird es hoffentlich bald klappen."

*Name geändert

Text: Eva-Maria Berg (Dow), Robert Freumuth - 04/2014
Bild: Dow
Deutschland

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