Dow Europe und Stiftung MyHandicap organisieren Bewerberworkshop für Studierende mit Behinderung

Zum dritten Mal nun fand am 1. März 2012 der Bewerberworkshop von Dow Europe GmbH und der Stiftung MyHandicap statt. 18 Teilnehmer aus verschiedenen Ländern und ein (Blindenführ-)Hund waren dabei, um sich optimal auf den Bewerbungsprozess vorzubereiten.

Ziel dieses Workshops war es, sich ungezwungen und unter Berücksichtigung der Behinderung auf den Bewerbungsprozess vorzubereiten. Der Anlass wurde von Dow Olympic Operations unterstützt, jener Geschäftseinheit innerhalb von Dow, welche sich um das Engagement des Unternehmens als einer der weltweiten Hauptsponsoren der Olympischen Spiele kümmert.

Ganz im Zeichen der Olympischen Werte Respekt, Höchstleistung und Freundschaft stand denn auch der Bewerberworkshop. Jedem Teilnehmer wurde zudem eine Begleitperson zugeteilt, damit alle Teilnehmer rundum versorgt waren, falls nötig.

Gruppenfoto des Bewerberworkshops mit insgesamt rund 40 Personen
Fast alle am Bewerberworkshop beteiligten Personen in einem Bild (Foto: K.C. Wong Production)

Vielfalt stärkt das Unternehmen

Als Einstieg in den Tag wurden die Teilnehmer von Vertretern von Dow Europe GmbH und von MyHandicap begrüsst. Ad Tolboom, HR Direktor für Dow in Europa, Mittleren Osten und Afrika, betonte dabei die Wichtigkeit der Vielfalt einer Unternehmung wie Dow im globalen Markt.

Dass damit nicht nur verschiedene Nationalitäten gemeint sind – immerhin über fünfzig alleine am Standort Horgen – sondern auch Behinderungen, beweisen die 16 Mitarbeiter und Studierenden mit Behinderung, welche das Unternehmen in den letzten drei Jahren eingestellt hat. Eine davon ist Debbie Stettler, die vor zwei Jahren am ersten Bewerberworkshop dabei war und von Dow gleich rekrutiert wurde.

Robert Freumuth, CEO von MyHandicap Deutschland, ging darauf ein, wie wertvoll der (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben für Menschen mit Behinderung sei. Es sei ein Kreislauf, von dem schlussendlich alle profitieren würden.

Joachim Schoss, Gründer von MyHandicap, betonte in seinem Vortrag, wie wichtig es ist, sich auf die persönlichen Talente und Fähigkeiten zu konzentrieren. Er berichtete von seinen eigenen Erlebnissen, die zu seiner Behinderung geführt haben und wollte anschliessend von allen Teilnehmern wissen, was sie arbeiten oder studieren, wo sie arbeiten möchten und welche Einschränkungen die eigene Behinderung in der Jobsuche verursache.

Als Schoss schliesslich noch von seinem eigenen privaten und beruflichen Alltag mit der Behinderung erzählte, waren alle Teilnehmer beeindruckt.

Ein junger querschnittgelähmter Mann spricht mit einer Dow-Angestellten
Pausen wurden rege für Networking genutzt (Foto: MyHandicap)

Lebenslauf als Visitenkarte

Was eine gute Bewerbungsmappe ausmacht, zeigte Dows HR Manager, Alessandro Guidi, in einer Präsentation: Übersichtlichkeit. Eine Bewerbung, im speziellen der Lebenslauf als „Visitenkarte“ des Bewerbers, solle dem Arbeitsgeber Lust auf mehr machen. „Eine spannende Bewerbung erhöht die Chancen für ein Bewerbungs-gespräch“, erklärte Guidi.

Als die Sprache auf die hohen Anforderungsprofile in Stelleninseraten kam, konnte Guidi die besorgten Teilnehmer beruhigen. Man müsse nicht alles erfüllen, da in einem Inserat immer der „perfekte Kandidat“ beschrieben werde. Bewerber sollten sich nicht entmutigen lassen wenn das eigene Profil nicht zu 100% den Anforderungen einer Stelle entspreche. Vielmehr sei es wichtiger, eine überzeugende Bewerbung zu erstellen und die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu betonen.

Selbstredend sei, dass eine Bewerbung fehlerfrei sein müsse, nicht nur bei der Rechtschreibung, sondern natürlich auch die Anschrift müsse stimmen. Wer sich unsicher fühle, solle die Bewerbung von jemand anderem durchlesen lassen. Fehler würden von HR-Chefs als mangelnde Sorgfalt oder Professionalität gewertet.

Stärken beweisen

Beim Bewerbungsgespräch habe der Bewerber die Gelegenheit (und Pflicht!), dem Arbeitsgeber die Stärken im Lebenslauf zu präsentieren. Unwahrheiten, zum Beispiel zu hohe Einschätzung bei Sprachkenntnissen, würden hier aufgedeckt. Man solle Beispiele für die angegebenen Kompetenzen bereit haben.

„Vorbereitung ist das A und O bei einem Bewerbungsgespräch“, betonte Guidi. Deshalb sollte man über alle erreichbaren Kanäle möglichst viel über die Firma und den zukünftigen Arbeitsgeber herausfinden. Doch auch wer dann fast alles weiss, sollte bei dem Gespräch unbedingt noch Fragen stellen, das zeige Interesse. Nervös dürfe man übrigens sein, dies zeige, dass einem dieses Gespräch wirklich wichtig ist, so Guidi.

Dow-Angestellter spricht mit einem blinden Mann
Nach dem „Vorstellungsgespräch“ wurde munter weiter geplaudert (Foto: MyHandicap)

Probeläufe am Nachmittag

Nach einem leckeren Mittagessen, das fleissig für Networking genutzt wurde, fanden am Nachmittag Probebewerbungsgespräche mit Führungskräften von Dow statt. Von den Interviewern bekamen sie echtes Feedback, das sie bei ihrem nächsten Bewerbungsgespräch sicher einsetzen können. „Es war spannend, ein Bewerbungsgespräch auf Englisch zu haben!“ so Teilnehmerin Tanja Muff.

Im Anschluss konnten die Teilnehmer ein professionelles Bewerbungsfoto von sich machen lassen. Während er wartete, nutzte Marcel Preuss die Zeit für ein kurzes Feedback: „Der Workshop ist sehr lebendig und hier geschieht viel Integration! Ich bin sehr zufrieden!“

Geleitet von John Carton, Global Business Excellence Direktor und Vorstandsmitglied des Dow Netzwerkes für Mitarbeiter mit Behinderungen, wurde das Gelernte in Gruppenarbeiten besprochen und weitere Fragen zum Bewerbungsprozess eruiert. Manche Punkte und Erfahrungen hätten wohl noch tagelang weiterdiskutiert werden können. Den Grundgedanken bringt Victor Senn auf den Punkt: „Der Fokus muss auf den Fähigkeiten des Bewerbers liegen, nicht auf seiner Behinderung.“

"Viele positive Energie"

Eine Teilnehmerin aus Deutschland war erstaunt über das familiäre Klima: „Ich hatte ein klassisches BWL-Bild von Firmen wie Dow, doch jetzt sehe ich, dass hier der Mensch zählt und nicht nur Geld!“ Auch umgekehrt war man beeindruckt: „Wir haben viel über Behinderungen gelernt“, so Ingrid Dohme,  Verantwortliche Unternehmenskommunikation Schweiz und Osteuropa.

Piera Marongiu, Talent Manager und Hauptverantwortliche des Anlasses, bedankte sich zum Abschluss: „Ich war erfreut über die guten Lebensläufe und die viele positive Energie heute, vielen Dank an alle Beteiligten!“

Auch die Stiftung MyHandicap dankt Dow Europe GmbH für die tolle Zusammenarbeit und auch allen Teilnehmern und weiteren Beteiligten für ihren Einsatz zum Gelingen dieses Tages!

 

Text: M. Plattner - 03/2012

Bilder: K.C.Wong Production, Horgen, MyHandicap

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!