Berufsausbildung von Jugendlichen mit Behinderung

Ein Mechaniker bei der Arbeit. Er schleift einer Werkbank einen metallenen Gegenstand. (Bild: SPÖ Landtagsclub/pixelio.de)
Die Berufsbildung ermöglicht Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt. (Bild: SPÖ Landtagsclub/pixelio.de)

Am Ursprung einer beruflichen Laufbahn steht die Schulbildung und eine Grundausbildung. Für Jugendliche mit einem Handicap ist der Übergang von der Schule ins Berufsleben nicht immer leicht. Werden die Fähigkeiten aber gezielt gefördert, ist vieles möglich.

Was tun nach der obligatorischen Schulzeit? Wollen die Jugendlichen nach der obligatorischen Schule das Gymnasium besuchen oder doch eher eine Berufslehre absolvieren? Wo liegen die Interessen des Kindes, wo dessen Stärken, wo die Schwächen? Jugendliche und mit ihnen ihre Eltern müssen sich mit dieser Frage früh auseinandersetzen.

Die Berufswahl

Der Berufswahl kommt auch in Zeiten des lebenslangen Lernens und trotz möglichen neuen Chancen und Wegen im Verlaufe des Berufslebens eine entscheidende und Weichen stellende Bedeutung zu. Denn die berufliche Grundausbildung ist die Basis für eine Vielzahl von Berufsperspektiven.

Eine besondere Herausforderung ist diese Situation für Jugendliche mit einem Handicap und einem besonderen Bildungsbedarf. Unterstützt werden sollen sie dabei von den Lehrpersonen und den kantonalen Berufsberatungsstellen mit ihren Berufsinformationszentren: Sie haben aber auch Anrecht auf Unterstützung durch die IV, deren zentrales Anliegen die Eingliederung von Menschen mit einem Handicap in die Erwerbstätigkeit ist.

Brückenangebote bereiten auf die Grundausbildung vor

Auch Jugendliche mit einem Handicap oder speziellem Bildungsbedarf können dank ihrer vielseitigen Fähigkeiten erfolgreich ins Berufsleben starten. Vielleicht müssen sie aber nach erfolgter Berufswahl und nach Ende der obligatorischen Schulzeit mittels sogenannten Brückenangeboten speziell auf die berufliche Grundausbildung vorbereitet werden.

Dabei handelt es sich um zusätzliche schulische Unterstützung, um Vorkurse oder Vorlehren oder auch um Integrationskurse. Die Kantone sind verpflichtet, solche Brückenangebote anzubieten. Sie unterscheiden sich allerdings in ihrer Ausgestaltung, ihrem Niveau wie auch der Finanzierung von Kanton zu Kanton.

Die Berufslehre

Das duale Bildungssystem gilt als Erfolgsmodell und als wichtiger Bestandteil der wirtschaftlichen Stärke der Schweiz. Etwa zwei Drittel aller Jugendlichen entscheiden sich für eine Berufslehre. Das duale Bildungssystem ermöglicht ihnen in rund 250 verschiedenen Lehrberufen eine Ausbildung mit einer praktischen Lehre in einem Unternehmen und der Aneignung der theoretischen Grundlagen zur Berufsausübung und durch Allgemeinbildung in der Berufsschule. Dabei gibt es verschiedene Modelle:

2-jährige berufliche Grundbildung mit Eidg. Berufsattest EBA

Die zweijährige berufliche Grundbildung führt zu einem eidgenössisch anerkanntem Berufsabschluss. Sie dient der Vermittlung von Qualifikationen zur Ausübung eines Berufs mit einfacheren Anforderungen und richtet sich vorwiegend an praktisch begabte, eher lernschwache Jugendliche und Erwachsene. Die zweijährige berufliche Grundbildung schliesst nach einem üblichen Qualifikationsverfahren mit einem Eidg. Berufsattest (EBA) ab. Wer die berufliche Grundbildung mit Berufsattest abschliesst, kann nachher - je nach Beruf - in das 2. Lehrjahr der 3- bis 4-jährigen Berufslehre einsteigen.

Auszubildende werden angewiesen. (Karl-Heinz Laube/pixelio.de)
Auch Jugendliche mit einer Behinderung können mit einer Berufslehre erfolgreich ins Berufsleben starten. (Karl-Heinz Laube/pixelio.de)

3- bis 4-jährige berufliche Grundbildung mit Eidg. Fähigkeitszeugnis EFZ

Die drei- bis vierjährigen beruflichen Grundbildungen schliessen in der Regel mit einem Qualifikationsverfahren und einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab. Die berufliche Grundbildung führt zur Qualifikation zur Ausübung eines Berufs und bietet Zugang zur höheren Berufsbildung.

Eidg. Berufsmaturität

Die Eidg. Berufsmaturität ergänzt die berufliche Grundbildung mit Eidg. Fähigkeitszeugnis mit einer erweiterten Allgemeinbildung. Dies ermöglicht den prüfungsfreien Zugang zu einem Studium an einer Fachhochschule. Mit einer ergänzenden Prüfung ist auch der Zugang an eine Universität oder an die ETH möglich. Die Berufsmatur hat sich als Angebot für leistungsstarke Jugendliche etabliert.

Unterstützungsmassnahmen

Eher lernschwache Jugendliche erhalten während ihrer Lehre an den Berufsfachschulen zusätzliche Unterstützung in Form von Stützkursen. Auch eine individuelle Begleitung ist möglich. Lehrbetriebe können die Auszubildenden zusätzlich fördern. Die zweijährige Grundausbildung mit Berufsattest EBA kann für Jugendliche mit besonderem Bildungsbedarf ausserdem um ein Jahr verlängert werden.

Ebenfalls Unterstützung bringt das sogenannte "Case Management".  Mit diesem strukturierten Verfahren sollen in den Kantonen Massnahmen für Jugendliche sicher gestellt werden, deren Einstieg in die Berufswelt stark gefährdet ist. Ziel ist also auch hier, dass die Jugendlichen einen erfolgreichen Lehrabschluss erreichen können und sich anschliessend im erlernten Beruf behaupten können.

Praktische Ausbildung nach INSOS (PrA INSOS)

Über die eidgenössischen Berufsbildungen hinaus bietet INSOS, der Nationale Branchenverband für Institutionen für Menschen mit Behinderung, seit 2007 die Praktische Ausbildung nach INSOS (PrA INSOS) an. Dabei handelt es sich um ein einheitlich geregeltes Bildungsangebot für die berufliche Bildung von Menschen mit Beeinträchtigung mit dem Ziel der Verbesserung der beruflichen Integration und der Förderung der Durchlässigkeit zu den zweijährigen beruflichen Grundbildungen mit dem Eidg. Berufsattest. Von den 500 Lernenden, die 2013 eine PrA abgeschlossen haben, haben anschliessend fast ein Drittel eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt gefunden.

Das Berufsbildung in der Schweiz soll es allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf verschiedenen Stufen ermöglichen, den Start ins Berufsleben erfolgreich zu gestalten. Bei Jugendlichen mit einem Handicap sollen nicht deren Einschränkungen, sondern deren vielseitigen Fähigkeiten im Fokus stehen. Für die berufliche und soziale Integration von Menschen mit einer Behinderung muss dies die zentrale Zielsetzung sein.


Text: Patrick Gunti 07/2014
Bilder: pixelio.de

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