Erfolge für Praktische Ausbildung nach INSOS

Eine Lupe zeigt auf die Woerter Schule und dann
Ausbildung als Basis für Integration ins Berufsleben und aktive Teilhabe an der Gesellschaft (Dieter Schütz/pixelio.de)

Die Berufsbildung ermöglicht Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt. Schon bei Jugendlichen ohne Behinderung ist es schwierig eine Lehrstelle zu finden, erst recht aber bei behinderten Jugendlichen. INSOS hat vor drei Jahren mit der „Praktischen Ausbildung“ die Grundlage für die berufliche Integration von Menschen mit einer Beeinträchtigung geschaffen.

Im Krisenjahr 2009 waren in der Schweiz durchschnittlich 5,7 Prozent der jungen Erwachsenen arbeitslos. Dies schreibt der Bundesrat in einem Bericht über Jugendarbeitslosigkeit. Mittlerweile hat sich die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen gesamtschweizerisch zwar um die 4,0 Prozent eingependelt, aber bei Jugendlichen mit einer Behinderung präsentiert sich die Lage ungleich schwieriger.

Durch die schwierige konjunkturelle Lage und dem damit verbundenen geringeren Angebot von Ausbildungsplätzen und Stellen, aber auch durch den Wandel in der Arbeitswelt leiden sie besonders. Besonders auffällig sind die zunehmende Bildungsintensität des technologischen Wandels und der steigende Anteil von Dienstleistungsberufen, während gleichzeitig die Tätigkeitsfelder im niederschwelligen Bereich abgenommen haben.

Höhere Anforderungen bei zweijährigen Grundbildungen

Ausserdem hat sich durch das seit 2004 geltende Berufsbildungsgesetz das Angebot für behinderte Jugendliche massiv verändert: So genannte Anlehren wurden zunehmend zu zweijährigen beruflichen Grundbildungen mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) umgestaltet.

Heute ist die Grundbildung ein standardisierter Lehrgang mit einem eidgenössisch anerkannten Abschluss – und höheren Anforderungen. Fachleute zeigen sich überzeugt, dass dieser Abschluss zu besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das Problem: Längst nicht alle, die zuvor eine Anlehre absolvieren konnten, sind der zweijährigen Grundausbildung mit Attest gewachsen.

Eine Studie der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich zeigte beispielsweise auf, dass bei der früheren Anlehre Verkauf nur rund 60 Prozent der Absolventen die normale Schule besucht hatten – die übrigen kamen von einer Sonderschule oder einer Kleinklasse. Bei der neuen Attestlehre hingegen kamen über 90 Prozent der Absolventen von der normalen Schule. Für die Abgänger der Sonderschulen hatte es keinen Platz mehr.

Das Bild zeigt einen Gaertner, der im Herstlaub herumkehrt
Die PrA ermöglicht heute Ausbildungen in rund 40 Berufsrichtungen, zum Beispiel als Gärtnereipraktiker... (Bernd Sterz/pixelio.de)

PrA erstes einheitliches Angebot

Auf diesen Missstand hat INSOS (Soziale Institutionen für Menschen mit Behinderung) reagiert und 2007 mit der „Praktischen Ausbildung PrA“ einen möglichen Einstieg für Lernende mit Beeinträchtigungen geschaffen. Bis dahin gab es in der Schweiz kein institutionalisiertes, einheitliches Berufsbildungsangebot für junge Menschen mit Beeinträchtigung. Mit der PrA ist es INSOS Schweiz gelungen, diese Lücke im eidgenössischen Berufsbildungssystem zu schliessen.

Bessere Integrationschancen im ersten Arbeitsmarkt

Das niederschwellige und auf die individuellen Ressourcen ausgerichtete Berufsbildungsangebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Lern- und/oder Leistungsbeeinträchtigung, welche den Anforderungen einer beruflichen Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) nicht gewachsen sind.

Sie können heute zwischen rund 40 Berufsrichtungen wählen. Ziel der PrA ist es, diesen jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben und ihre Integrationschancen im ersten Arbeitsmarkt zu verbessern.

Ermutigende Ergebnisse

2009 hat der erste Jahrgang eine PrA nach INSOS abgeschlossen: Über 300 Jugendliche konnten ihren Ausweis entgegen nehmen. 2009 und 2010 hat die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zürich die vom Bundesamt für Sozialversicherungen finanzierte PrA einer Evaluation unterzogen.

Daraus geht hervor, dass ein Viertel bis ein Drittel der Lernenden eine Stelle in der Privatwirtschaft finden. Die anderen PrA-Absolventinnen und Absolventen profitieren von einer besseren Integration in Werkstätten mit geschützten Arbeitsplätzen. Dies bewirkt eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit in allen Bereichen und ist eine Investition in die Lebensqualität.

Ein Mähdrescher macht Heuballen in einem Feld
…oder im Landwirtschaftsbereich (Uschi Dreiucker/pixelio.de)

Bundesrat will Anforderungen erhöhen

Diese Errungenschaften sieht INSOS Schweiz jetzt aber durch das zweite Massnahmenpaket der 6. IV-Revision gefährdet, in dem es auch um die Neugestaltung der beruflichen Integration von Sonderschulabgehenden geht.

Gemäss der Vernehmlassungsschrift wird als Hauptkriterium für die Zusprache einer Berufsbildungsmassnahme die „ausreichende wirtschaftliche Verwertbarkeit der Arbeitsleistung nach erfolgter Ausbildung“ vorgeschlagen. Oder anders gesagt: Nach Ansicht des Bundesrates müssen die Anforderungen an das später zu erzielende Einkommen erhöht werden, die für die Zusprache der Praktischen Ausbildung nach INSOS nötig sind. Damit soll möglichst sichergestellt werden, dass nach einer angemessenen Ausbildungsdauer ein wirtschaftlich relevantes Einkommen erreicht werden kann.

Sparmassnahme fragwürdig

INSOS bezeichnet diese Sparmassnahme als höchst fragwürdig. Sie gefährde die „Praktische Ausbildung nach INSOS“, die sich an die am stärksten benachteiligten Schulabgängerinnen und -abgänger richtet.

Der Vorschlag des Bundesamtes für Sozialversicherungen würde es nach Ansicht des Branchenverbandes einer beträchtlichen Zahl von Menschen mit einer Beeinträchtigung verunmöglichen, eine Ausbildung zu absolvieren. Dagegen will sie sich im Rahmen der Vernehmlassung zur IV-Revision 6b vehement zur Wehr setzen.

Dennoch ist es natürlich wünschenswert, die Jugendlichen dauerhaft auf dem 1. Arbeitsmarkt unterzubringen. Von daher bleibt es abzuwarten, welche Entscheidungen letztlich getroffen werden, um die Jugendlichen diesem Ziel näher zu bringen. 

 

Autor: PG - 08/2010

Fotos: pixelio.de

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