Floristenlehre

Der Schweizer Floristenverband hat seinen Ausbildungslehrgang überarbeitet. Mit den erhöhten Anforderungen, die künftig an Lehrlinge gestellt werden, bleiben behinderte Jugendliche aussen vor.

Berufslehren haben ein Imageproblem. Deshalb werden sämtliche praktischen Lehren im Rahmen des neuen Berufsbildungsgesetzes, das 2004 in Kraft getreten ist, überarbeitet. Auch die Floristenlehre sowie die zweijährige Anlehre, die vorwiegend von Jugendlichen mit Lerndefiziten aber auch mit Behinderungen in Angriff genommen wird, sollen neu konzipiert werden.

Der Schweizerische Floristenverband will die Anlehre - mittels eines Eidgenössischen Berufsattests (BEA)-qualitativ aufwerten und damit die Anforderungen erhöhen. Im Vorschlag des Floristenverbands, der kürzlich dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) eingereicht wurde, steht unter anderem geschrieben, dass die Anlehrlinge künftig über 100 Leistungsziele erreichen müssen.

Auch der theoretischen Teil der Ausbildung wurde hinaufgeschraubt: Neuerdings müssen die Jugendlichen beispielsweise erklären können, wie die innere Organisation einer Pflanze funktioniert und was genau bei der Zellteilung passiert.

Widerstand von INSOS

INSOS, der grössten Schweizer Branchenverband, dem rund 800 Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung angegliedert sind, stösst sich ob den Forderungen des Floristenverbands: "Dass nicht gerade ein Doktortitel verlangt wird, ist schon fast erstaunlich", ärgert sich INSOS-Geschäftsführer Ivo Lötscher. Er fürchtet, dass behinderte Jugendliche künftig kaum mehr eine Chance haben werden, die Floristen-Anlehre zu absolvieren.

Und: Wenn die Anforderungen derart überhöht werden, würden Jugendliche mit Handicap ausgegrenzt, meint er. Den Vorschlag des Verbands erachtet Lötscher deshalb als "überrissen" und zu "theorielastig". Bei der Anlehre, die vor allem von lernschwachen Jugendlichen absolviert werde, soll vermehrt auf die Praxis geachtet werden, findet er.

Befürwortung des neuen Konzeptes

Heini Baumeler, Besitzer des Baslers Blumengeschäfts Baumeler und Mitglied des Floristenverbands, ist anderer Meinung: "Wir wollen keine Handlanger reproduzieren, wie das früher oft der Fall war", sagt er. Bislang bedeutete die Floristen-Anlehre vor allem eines: Eine Sackgasse. "Jugendliche mit dieser Ausbildung hatten keine Möglichkeit sich weiterzubilden - sie blieben Hilfskräfte".

Mit dem eidgenössisch anerkannten Berufsattest hätten Lehrlinge immerhin die Möglichkeit, nochmals zwei Jahre die Schulbank zu drücken um sich zum Floristen EFZ "mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis" weiterzubilden. Auch die erhöhten Anforderungen im theoretischen Teil der Anlehre verteidigt Baumeler: "Unserer Meinung nach müssen die Lehrlinge fähig sein, den Kunden zu erklären, warum diese Pflanze mehr Wasser benötigt und welche Auswirkungen die Sonneneinstrahlung auf eine Blume hat". Man möchte den Lehrlingen mehr Berufsstolz vermitteln; dafür werde halt ein gewisser Rucksack an Wissen und Können verlangt, meint er.

Die Vernehmlassung zum Vorschlag des Floristenverbands hat das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) Ende April abgeschlossen. Wie die Floristenausbildung ab dem Jahr 2009 tatsächlich aussehen wird, entscheidet sich in den nächsten Monaten.

 

Text: Sibylle Stillhart

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