Ein Luftsprung ins Arbeitsleben

Eine Hand hält ein Gourmetteller, dazu der Titel "La Capriola"
La Capriola ermöglicht Menschen mit Handicap Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt (Rainer Sturm/pixelio.de/MyH)

Noch immer ist die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit Handicap ein seltener Fall. Das schweizweit einzigartige Integrationsprogramm der Stiftung La Capriola bietet ab diesem Sommer in Zusammenarbeit mit den Luzerner Hotels Continental Park und Schweizerhof weitere Ausbildungsplätze für Jugendliche mit Handicap an.

Der Ursprung von „La Capriola“, zu deutsch Luftsprung, geht auf das Jahr 2001 zurück. Damals setzten sich im Bündnerland einige Hoteliers das Ziel, die berufliche Integration von Menschen mit Handicap in die Hotellerie und Restauration zu fördern. Im Januar 2003 wurde die Stiftung La Capriola mit einem Kapital von 5.000 Franken gegründet und das Konzept für das erste Ausbildungszentrum dem Bundesamt für Sozialversicherungen vorgelegt.

Ganzheitlicher Ansatz

Das Konzept von La Capriola überzeugt durch seinen ganzheitlichen Ansatz. Die Berufsausbildung im Gastgewerbe mit dem Erwerb fachlicher Qualifikationen ermöglicht eine berufliche Integration auf dem freien Markt. Für La Capriola ebenso wichtig ist die Befähigung der jungen Leute mit einer leichten geistigen, körperlichen oder Sinnesbehinderung zu einer möglichst selbständigen Lebensgestaltung und zur gesellschaftlichen Integration.

Deshalb erhalten sie während der Lehrzeit individuelle Begleitung und Unterstützung in den Bereichen Ausbildung und Wohnen/Freizeit sowie anschliessend persönliche Nachbetreuung bis zur erfolgreichen Integration in den Arbeitsmarkt der freien Wirtschaft.

Sozialpädagogisch betreute WG

Die Lernenden leben während ihrer Ausbildung in einer sozialpädagogisch begleiteten Wohngemeinschaft. Das Zusammenleben in der Gruppe und die gemeinsame Gestaltung von Alltag und Freizeit fördern die Selbst- und Sozialkompetenzen der Jugendlichen. Betreuungspersonen fördern ihre Stärken, arbeiten gezielt an ihren Schwächen und bereiten sie so individuell auf die gesellschaftliche Integration vor.

Ein vornehm gedeckter Tisch in einem Restaurant
Praktische Ausbildung in Hotelbetrieben, theoretischer Unterricht in gewerblicher Berufsschule oder IV-Berufsschule (Rainer Sturm/pixelio.de)

Theorie und Praxis

Die Lernenden absolvieren in den Ausbildungszentren eine zweijährige IV-Anlehre oder die berufliche Grundbildung mit Attest EBA zum Restaurations-, Hotellerie-, Küchenangestellten oder zum Büroassistenten an der Réception. Die berufliche Qualifikation umfasst die praktische Ausbildung im Hotelbetrieb sowie den theoretischen Unterricht an der gewerblichen Berufsschule oder der IV-Berufsschule und in den überbetrieblichen Kursen.

Für die praktische Ausbildung der Jugendlichen sind ein jeweiliger Kadermitarbeitender im Hotel sowie der Ausbildner von La Capriola zuständig. Sie vermitteln den Lernenden berufsspezifische Grundkenntnisse und fachliche Fertigkeiten.

Die Ausbildung richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderen Lernbedürfnissen, die den Anforderungen einer Volllehre nicht gewachsen sind. Angesprochen sind Abgänger von Sonderschulen und Kleinklassen sowie Personen aus geschützten Werkstätten, die sich für eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft eignen.

Über zwei Dutzend Absolventen

Dank den renommierten Morosani Hotels Schweizerhof und Posthotel in Davos war es 2004 erstmals möglich, 12 Lernenden Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Bis heute haben 26 Jugendliche mit Handicap ihre Erstausbildung abgeschlossen, zuletzt im vergangenen Jahr wieder eine Gruppe von sechs Jugendlichen. Die meisten arbeiten heute in ihrem gelernten Beruf selbständig weiter.

Altstadtbild von Luzern
Luzern ist nach Davos die zweite Stätte für Ausbildungsplätze der Stiftung La Capriola (Urs Stettler/pixelio.de)

Neue Ausbildungsplätze in Luzern

Auf Grund der grossen Nachfrage nach integrativen Ausbildungsplätzen in der Hotellerie und Restauration machte sich die Stiftung auf die Suche nach einem weiteren Ausbildungszentrum.

Dieses kommt nun nach Luzern, wo mit dem Hotel Schweizerhof und dem Hotel Continental Park zwei Partner gefunden wurden. Nach dem Konzept von La Capriola werden die beiden Hotels ab diesem Sommer Lernende aufnehmen und ausbilden.

Spannend und neu

Clemens Hunziker, Direktor des Hotel Schweizerhof, erklärt dazu: „Wir freuen uns auf das Projekt mit der Stiftung Capriola und wissen, dass dies für unser Team wiederum etwas ganz Neues, aber auch spannendes wird.“ Für das Hotel Schweizerhof Luzern sei die Beteiligung am Projekt eine logische Folge des gelebten Leitbildes. Darin sei festgehalten, dass man dank sehr zuvorkommenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, welche den Gedanken der Dienstleistungsbereitschaft leidenschaftlich lebten, das offenste und sympathischste 5*-Hotel der Schweiz sein wolle, so Hunziker.

„In unsere Arbeitswelt integrieren“

Das Hotel Continental Park stellt die Bedürfnisse vielreisender, internationaler und nationaler Gäste in den Mittelpunkt. „Das Erleben des menschlichen Wandels, der sich verändernden Lebensumstände führten uns dazu, unseren Betrieb für das Projekt mit handicapierten Menschen zu öffnen, vor allem auch beizutragen Lösungen für die Zukunft solcher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzubieten, sie zu integrieren in unserer Arbeitswelt“, heisst es seitens der Besitzerfamilie Pedrazzetti.

La Capriola ist ein Konzept, das aufzeigt, wie die Integration von Menschen mit einem Handicap in den ersten Arbeitsmarkt gelingt. Es hat sich bisher als Gewinn für alle Beteiligten erwiesen: Die Jugendlichen, ihre Familien, Ausbildner, Betreuende und nicht zuletzt die IV, der La Capriola hilft, ihre Integrationsziele zu erreichen und Kosten einzusparen.

 

Text: Patrick Gunti – 04/2011

Fotos: pixelio.de

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