Soll die Behinderung erwähnt werden?

Puzzle. (Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de)
Taktieren ja, verbiegen nein! (Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de)

Die entscheidende Frage: Soll oder muss ich meine Behinderung im Bewerbungsprozess erwähnen?

In der Schweiz existiert keine Verpflichtung zur Anstellung behinderter Mitarbeiter. Allerdings bestehen gemäss Behindertengleichstellungsgesetz SR 151.3 bestimmte Bedingungen bei der Zugänglichkeit zu Gebäuden. So müssen öffentlich zugängliche Bauten, öffentlich zugängliche Einrichtungen des öffentlichen Verkehrs sowie deren Verkehrsmittel, Wohngebäude mit mehr als 8 Einheiten, Gebäude mit mehr als 50 Arbeitsplätzen diesen Anforderungen genügen.

Das hat zur Folge, dass die Zugänglichkeit zum Arbeitsplatz in vielen Fällen vom Gesetzt her gegeben sein muss. Also kann die Zugänglichkeit nicht so einfach als Argument gegen die Anstellung behinderter Menschen angeführt werden.

Vielfältige Ansichten bei Arbeitgebern

Dank meiner Tätigkeiten in der Pfennigparade konnte ich bereits mit vielen Unternehmern über deren Einstellung zur Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer sprechen. Die Ansichten waren stets äusserst vielfältig und es ist unmöglich, hier einen generellen Standpunkt zu finden.

Gründe gegen eine Beschäftigung können zum Beispiel sein: Vorurteile, z. B. ein behinderter Mensch sei nicht leistungsfähig oder öfter krank. Angst vor dem besonderen Kündigungsschutz der schwer behinderten Menschen.

Aber auch: Es hat sich einfach noch kein schwer behinderter Mensch beworben, der auf die ausgeschriebenen Stellen passt.

Nun wissen Sie natürlich nicht, wie das Unternehmen zur Einstellung schwer behinderter Arbeitnehmer steht, wenn Sie Ihre Bewerbung schreiben. Leider ist es auch fast unmöglich, dies im Vorfeld herauszufinden. Und somit kann die Frage „Soll die Behinderung erwähnt werden?“ auch leider nicht pauschal beantwortet werden.

Generell wird die Einschätzung vertreten, dass Sie Ihre Chancen verschlechtern, wenn Sie Ihre Behinderung bereits im Bewerbungsschreiben angeben. Eine sichtbare Behinderung sollten Sie jedoch spätestens vor dem persönlichen Gespräch offen ansprechen, z.B. bei der Terminbestätigung sollten Sie eine sichtbare Behinderung erwähnen.

Keine Verpflichtung zur Offenlegung

Verpflichtet zur Offenlegung Ihrer Behinderung oder Schwerbehinderung sind Sie nicht und dem Arbeitgeber ist es auch nicht erlaubt, danach zu fragen.

Ausnahme: Steht die Einschränkung in einem direkten Zusammenhang zu der Fähigkeit, den geforderten Job pflichtgemäss auszuüben, ist die Frage berechtigt oder ein Hinweis Ihrerseits notwendig. Die Richtlinien hierzu sind im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) festgeschrieben.

Es bleibt also Ihnen überlassen, ob Sie Ihre Behinderung erwähnen wollen. Stellen Sie jedoch nicht Ihre Behinderung in den Mittelpunkt Ihrer Bewerbung oder des Vorstellungsgespräches. Den Arbeitgeber interessiert schliesslich als erstes, ob Sie die geforderten Qualifikationen haben, um den Job erledigen zu können. Das Wichtigste sind also Ihre Fähigkeiten.

Wann im Vorstellungsgespräch ansprechen?

Wenn Sie die Behinderung im Vorstellungsgespräch erwähnen, so tun Sie dies im Laufe des Gesprächs, nicht ganz am Anfang oder ganz am Ende.

Wenn Sie Ihre Behinderung im Bewerbungsschreiben erwähnen möchten, so geben Sie auch gleich eventuelle Einschränkungen mit an und auch, wie Sie diese zum Beispiel technisch ausgleichen können.

Sie können Ihre Behinderung auch verschweigen und sich als „nicht behinderter Arbeitnehmer“ einstellen lassen. Bitte überlegen Sie sich dann aber vorher, ob es Ihnen möglich ist, Ihre Behinderung praktisch täglich in Ihrem Arbeitsleben zu verstecken und ob es Ihnen dies überhaupt wert ist. Stellen Sie sich diese Frage spätestens, wenn Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten.

Text: Tanja Lachmayr, Stiftung Pfennigparade

Bild: pixelio.de

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