Schon wieder eine Absage! Was tun?

Ausschnitt eines Absagebriefs. (Bild: Claudia35/pixelio.de)
Für Absagen gibt es viel mehr Gründe als nur die Behinderung. (Bild: Claudia35/pixelio.de)

Sie finden in Ihrem Briefkasten schon wieder einen grossen Umschlag und Sie wissen leider auch genau, was sich in diesem Umschlag befindet. Ihre Bewerbungsunterlagen auf die letzte Stellenanzeige. Und dabei hätte die Stelle so gut zu Ihnen gepasst, und Sie haben das Anforderungsprofil auch mit Sicherheit erfüllt.

Schon wieder. Und dann auch noch dieses Absageschreiben. Ein paar Zeilen ohne jede Aussagekraft. Wahrscheinlich hat man Ihre Unterlagen nicht mal richtig angeschaut. Man hätte Ihnen ja wenigstens den Grund schreiben können, warum Sie nicht berücksichtigt wurden.

Jetzt reicht es Ihnen also endgültig. Jetzt werden Sie da mal anrufen und den Verantwortlichen zur Rede stellen. Und ihm mal klarmachen, dass man so mit Ihnen nicht umgehen kann.

Tun Sie es nicht! Auch wenn es noch so verständlich ist, dass Sie wütend sind. Rufen Sie nicht in dem Unternehmen an und fragen Sie nach den Gründen für Ihre Nichtberücksichtigung. Die Gefahr, dass Ihnen Wut und Enttäuschung anzuhören sind und Sie vielleicht Dinge sagen lassen, die Sie im Nachhinein so nicht gesagt hätten, ist einfach zu gross.

Und die Gefahr besteht, dass Sie sich weiteren Möglichkeiten selbst verschliessen. Vielleicht schreibt dieses Unternehmen ein anderes Mal wieder eine für Sie interessante Stelle aus, auf die Sie sich im zweiten Anlauf bewerben können. Dann wird man sich aber wahrscheinlich nach einem wütenden Anruf an Sie erinnern und Sie werden Ihre Unterlagen dann mit Sicherheit umgehend wieder zurückbekommen.

Sollte man in jedem Fall nachhaken?

Grundsätzlich muss die Antwort hier nein lauten. Man kann dies aber ein wenig differenzieren: Wenn Sie wirklich überzeugt waren, die ausgeschriebene Stelle passe gut zu Ihnen, dann sollten Sie nachfragen.

Wenn Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen waren und Sie das Gefühl hatten, dass dies ein gutes Gespräch war, dann kann eine Nachfrage nach den Absagegründen durchaus angebracht sein. Meistens haben Sie im persönlichen Gespräch auch die Kontaktdaten, z. B. durch eine Visitenkarte, Ihres Ansprechpartners erhalten und können diesen somit auch direkt kontaktieren.

Machen Sie dann deutlich, dass Sie die Entscheidung für Ihren Mitbewerber nicht anzweifeln oder gar Ihren Gesprächspartner umstimmen wollen. Erkundigen Sie sich stattdessen nach Ihren fehlenden Qualifikationen für diese Stelle. Wenn Ihnen Ihr Gesprächspartner erklärt, dass es z. B. eine knappe Entscheidung war, dann fragen Sie ruhig nach, ob Sie sich eventuell noch mal Eine Spontanbewerbung senden.

Bei einer Absage ohne Vorstellungsgespräch kann es auch sein, dass der Abteilungsleiter gar nichts von Ihrer Bewerbung weiss, weil Ihre Unterlagen nicht den „Vorfilter“ der Personalabteilung passiert haben. In diesem Fall ist ein Nachhaken nach Gründen nicht sinnvoll. Prüfen Sie stattdessen selbst noch mal nach: Hat Ihr Profil wirklich auf die Stelle gepasst? Haben Sie Ihre Eignung und Ihre Motivation für genau diese Stelle auch wirklich zum Ausdruck gebracht? Welche Qualifikationen waren für die ausgeschriebene Stelle gefordert?

Verwechseln Sie die Abteilungsleiter und die Mitarbeiter der Personalabteilung nicht mit Karriereberatern. Diese Leute werden nicht für die Beratung abgewiesener Bewerber bezahlt. Ihr Gesprächspartner leistet Ihnen mit seiner Auskunft einen Gefallen.

Ich habe schon über 100 Bewerbungen geschrieben und es klappt einfach nicht

Haben Sie so langsam das Gefühl, nur noch an sich selbst zu schreiben, weil Sie Ihre Unterlagen fast immer umgehend zurückbekommen. Dann sollten Sie sich nicht einfach so weiter bewerben, sondern eine Pause einlegen und Ihre Unterlagen noch mal kritisch beäugen:

  • Bewerbe ich mich wirklich auf Stellenangebote, die zu mir passen?
  • Erkundige ich mich im Vorfeld auch immer über das Unternehmen?
  • Ist erkennbar, warum ich mich genau für diese Stelle bewerbe?
  • Sind meine Unterlagen auch auf dieses Unternehmen „zugeschnitten“?

Hier hilft auch der kritische Blick eines anderen, z. B. Ihres Beraters oder eines guten Freundes. Was in den Unterlagen noch optimiert werden kann, sollte dann auch optimiert werden. Nur so können Sie sich immer weiter verbessern und dies solange, bis es dann endgültig klappt.

Bitte bedenken Sie auch: Je höher die geforderten Qualifikationen sind, desto weniger Bewerbungen wird das Unternehmen erhalten. Dies gilt aber auch umgekehrt. Für die Stelle eines diplomierten Ingenieurs werden vielleicht 10, für eine Stelle in der Sachbearbeitung möglicherweise 200 Bewerbungen eingehen.

Es gibt auch zahlreiche Absagegründe, die Sie selbst gar nicht beeinflussen können. So kann eine ausgeschriebene Stelle von einem Mitarbeiter des Unternehmens besetzt werden, der sich intern beworben hat. Auch dass das Unternehmen nach der Ausschreibung der Stelle noch mal umstrukturiert und die Stelle überhaupt nicht mehr besetzt wird, ist möglich. Und letztendlich liegt die Einschätzung Ihrer Bewerbung auch immer im Auge des Betrachters, und auch Personalchefs sind nur Menschen.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen

Egal wie viele Bewerbungen Sie noch schreiben werden, bis Sie die richtige Stelle gefunden haben. Sie brauchen sich weder zu rechfertigen noch zu verkaufen. Einen Beruf zu haben ist wichtig, aber es ist nicht das Mass aller Dinge und Sie werden kein besserer Mensch, nur weil Sie zu den Erwerbstätigen gehören.

Halten Sie Ihre Kontakte in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis aufrecht. Vielleicht können Sie sich auch ehrenamtlich engagieren. Tun Sie Dinge, die Ihnen Freude machen und die Sie ablenken. Und denken Sie daran: Sie bleiben immer Sie selbst - mit oder ohne Job.

 

Text: Tanja Lachmayr

Bild: pixelio.de

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