Arbeit: Der Ausgrenzung einen Riegel schieben

Ein Reiter auf einer Hängeregistratur mit Aufschrift Termin.
Arbeit gibt dem Alltag eine Struktur. (RainerSturm/pixelio.de)

Mit der 5. Und 6. IV-Revision ist die (Re)-Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt in den Fokus gerückt. Das Ziel von Staat und Wirtschaft, tausenden Menschen mit einer Leistungsbeeinträchtigung eine Arbeit zu verschaffen, steht. Doch was gibt den Betroffenen der Weg zurück ins Arbeitsleben?

Die 6. IV-Revision ist der dritte und letzte Schritt des Sanierungsplanes für die Invalidenversicherung (IV). Aus der 5. IV-Revision sollen die Bemühungen um eine verbesserte Eingliederung von Menschen mit einer Behinderung in den Arbeitsmarkt verstärkt werden. Konkret soll der Bestand von heute 250'000 Vollrenten zwischen 2012 und 2018 um 5 %, also 12'500 reduziert werden.

16'800 heutige IV-Renter sollen zurück in den Arbeitsmarkt. Soweit die Zahlen. Über das mögliche Gelingen dieses ambitiösen Vorhabens sind Politik, Wirtschaft und Vertreter von Behinderten-Organisationen geteilter Meinung - einig ist man sich aber darin, dass die Reintegration in den Arbeitsmarkt der richtige Weg ist.

Verschiedene Schweizer Geldnoten liegen auf einem Haufen. (Foto: Kurt Michel / pixelio.de)
Mit Arbeit die persönliche finanzielle Situation verbessern (Foto: Kurt Michel / pixelio.de)

Eigenverantwortlich für den Lebensunterhalt sorgen

Der Begriff „Integration“ umschreibt ein weites Feld. Einerseits ist er eng verknüpft mit der Frage der Chancengleichheit, andererseits mit der Problematik von prekären Verhältnissen, Armut und Ausgrenzung. Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung sind davon besonders stark betroffen. Die verschiedenen staatlichen und politischen Institutionen verfolgen mit der Integration verschiedene Interessen.

Sozialversicherungen wie die Invalidenversicherung verstehen unter Integration in erster Linie die Teilnahme am Arbeitsmarkt. Integration bezieht sich hier auf Arbeitsmarktfähigkeit, Vermittelbarkeit und die Fähigkeit, den eigenen Lebensunterhalt zumindest teilweise wieder selber zu bestreiten.

Gerade der letzte Punkt sollte denn auch ein gewichtiger Punkt für Menschen mit Behinderung sein, sich bietende Möglichkeiten für einen (Wieder)-Einstieg ins Berufsleben auch zu nutzen. Zwar ist eine teilweise Einkommenssicherheit nicht die einzige Voraussetzung, um Notlagen zu vermeiden, mit Arbeit bestehen aber zumindest finanzielle Ansätze, die persönliche Situation zu verbessern.

Gesteigertes Selbstwertgefühl

Doch weder für Menschen mit wie auch Menschen ohne eine Behinderung ist die Arbeit nur allein zum Geld verdienen und zur Güterherstellung gedacht. Menschen bedürfen einer Aufgabe, um glücklich sein zu können. Denn durch die Arbeit fühlen wir uns nützlich, wodurch sich wiederum unser Selbstwertgefühl steigert. Und ein ausgewogenes Selbstwertgefühl gehört zu den Grundmerkmalen einer psychisch stabilen Persönlichkeit.

„Arbeit gibt uns mehr als den Lebensunterhalt. Sie gibt uns das Leben“. (Henry Ford, US-Grossindustrieller, 1863-1947)

Viele Menschen definieren sich über ihren Beruf. Zwar hat sich in den letzten Jahrzehnten gerade die europäische Gesellschaft gewandelt. Heute lebt man nicht mehr in erster Linie um zu arbeiten, man arbeitet vielmehr für ein Leben, für die Selbstverwirklichung oder die Unterhaltung. Einen „Wandel von einer Mentalität des Überlebens zu einer Mentalität des Erlebnis“, hat dies der Theologe Hans Küng einmal genannt.

Entsprechend hat die Arbeit auch als Identitätsstifter eingebüsst. Nichts desto trotz verleiht sie aber auch heute noch einen Teil der Identität und der Persönlichkeit. Die Arbeit und das entsprechende Einkommen bestimmt weiter die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft.

Ein lachender Mann um die fünzig führt ein Telefongespräch.
Arbeit bietet auch die Möglichkeit, Spass zu haben (Rainer/Sturm/pixelio.de)

„Arbeit ist häufig der Vater des Vergnügens.“ (Voltaire, franz. Philosoph, 1694-1778)

Und vor allem bedeutet Arbeit eine bessere Eingliederung in die Gesellschaft. Arbeit, eine Tätigkeit und eine regelmässige Aufgabe geben unserem täglichen Dasein einen Sinn: Wer keinen Job hat, verliert oft auch seinen geregelten Tagesablauf und läuft Gefahr, in die gesellschaftliche Isolation zu geraten, mit weiteren Folgen für die psychische und physische Gesundheit. Arbeit hingegen ist Teil des sozialen Lebens.

Sie bedeutet nicht allein die Erledigung von Aufgaben - häufig zählt das Team, das gemeinsame Erreichen von Zielen. Im Unternehmen gibts Kollegen, Partner, ja vielleicht sogar gute Freunde und sicherlich auch Vorgesetzte. Über sie oder mit ihnen zu diskutieren gehört ebenso zum Arbeitsumfeld wie der jährliche Betriebsausflug, das Weihnachtsessen, das Feierabendbier mit Arbeitskollegen oder ein Schwatz über den letzten Auftritt der Fussball-Nati in der Kaffeepause.

Herausforderung annehmen

Nicht nur zur finanziellen Entlastung der Invalidenversicherung, sondern im Interesse aller Menschen mit einer Behinderung, die sich nach finanzieller Unabhängigkeit, sozialer Integration, nach einem neuen Sinn im Leben oder auch nach Spass sehnen, ist zu hoffen, dass die Ziele der IV-Revisionen hinsichtlich einer (Re)-Integration von Menschen mit Leistungseinschränkungen in den Arbeitsmarkt erreicht werden können.


Tet: PG – 09/2010

Fotos: pixelio.de

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