Beruf und Handicap - was ist nun mit dem Job?

Die berufliche Integration wird aktiv von der Invalidenversicherung unterstützt. (Bild: Paramedia)
Die berufliche Integration wird aktiv von der Invalidenversicherung unterstützt. (Bild: Paramedia)

Wenn erst mal nach Eintritt einer Behinderung die Grundversorgung gewährleistet ist, stellen sich weitere Fragen. Wie sieht es beispielsweise mit der beruflichen Zukunft aus? Nicht selten kommen da Existenzängste auf. Was es für Leistungen zur Wiedereingliederung gibt und an wen Sie sich melden müssen, erfahren Sie hier.

Die Schweizerische Invalidenversicherung (IV) ist die Anlaufstelle, wenn es um die berufliche Eingliederung von Menschen mit Handicap geht. Versicherte mit einer Behinderung haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, welche ihre Erwerbsfähigkeit wiederherstellen, verbessern oder erhalten.

Im Vordergrund stehen hier Massnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt. Entsprechend dem in der Invalidenversicherung geltenden Grundsatz «Eingliederung vor Rente» wird der Rentenanspruch erst dann geprüft, wenn berufliche Eingliederungsmassnahmen wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht oder nicht mehr möglich sind. 

Die Leistungen der IV

  • Berufsberatung
    Die Berufsberatung dient der Erfassung des Versichertenprofils. Dabei werden die Fähigkeiten und Interessen der versicherten Person sowie ihre Neigungen im Hinblick auf die Ausübung einer geeigneten, auf die gesundheitliche Beeinträchtigung zugeschnittenen beruflichen Tätigkeit festgehalten. Die Leistung beinhaltet Beratungsgespräche und, falls erforderlich, psychologische Tests. Unter gewissen Umständen können praktische berufliche Abklärungsmassnahmen auf dem Arbeitsmarkt oder in spezialisierten Institutionen durchgeführt werden.
  • Erstmalige berufliche Ausbildung
    Die erstmalige berufliche Ausbildung betrifft Personen, welche noch nicht erwerbstätig waren und denen wegen ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung Mehrkosten für die Ausbildung (von mindestens 400 Franken im Jahr) entstehen. Sie erfolgt im Anschluss an die abgeschlossene schulische Ausbildung und soll es den versicherten Personen ermöglichen, mit Hilfe geeigneter und zielgerichteter Mittel, eine Erwerbstätigkeit auszuüben. Es werden nicht die gesamten Kosten übernommen, sondern lediglich die invaliditätsbedingten Mehrkosten gegenüber einer gleichen Ausbildung für gesundheitlich nicht beeinträchtigte Personen.
  • Umschulung
    Die Umschulungsmassnahmen der IV zielen darauf ab, die Erwerbsfähigkeit einer gesundheitsbedingt erwerbsunfähigen Person zu erhalten, wiederherzustellen oder zu verbessern. Voraussetzung für die Übernahme einer Umschulungsmassnahme ist, dass die versicherte Person vor Eintritt der Invalidität eine Berufsausbildung abgeschlossen oder ein bestimmtes Erwerbseinkommen erzielt hat. Die IV übernimmt sämtliche Kosten für die Umschulung. Dazu gehören: Berufslehre, Grundausbildung, verschiedene Schulgänge, Sonder- und Weiterbildungskurse, Wiedereinschulung in die bisherige Tätigkeit, Eingliederung in einen anderen Aufgabenbereich, Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit. Die Umschulung hat einfach und zweckmässig zu erfolgen. Sie soll der versicherten Person eine Tätigkeit ermöglichen, die ihr ein Erwerbseinkommen gewährleistet, das gleich hoch ist wie das vor der gesundheitlichen Beeinträchtigung erzielte Einkommen.
  • Arbeitsvermittlung
    Die Arbeitsvermittlung unterstützt die versicherte Person aktiv bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes auf dem Arbeitsmarkt. Die Massnahmen umfassen insbesondere die Beratung für die Erstellung eines Bewerbungsdossiers, für das Verfassen eines Bewerbungsschreibens oder für die Vorbereitung auf Einstellungsgespräche. Die Versicherten haben auch Anspruch auf begleitende Beratung für die Erhaltung eines bestehenden Arbeitsplatzes. Im Idealfall kann die Umplatzierung der versicherten Person direkt in dem Betrieb realisiert werden, in dem sie vor der gesundheitlichen Beeinträchtigung gearbeitet hat.
  • Einarbeitungszuschuss
    Arbeitgeber haben Anspruch auf einen Einarbeitungszuschuss, wenn sie über die Arbeitsvermittlung eine versicherte Person einstellen, deren Leistungsfähigkeit anfänglich noch nicht dem vereinbarten Lohn entspricht.
  • Taggelder
    Taggelder ergänzen Eingliederungsmassnahmen der IV. Sie sollen den Lebensunterhalt der Versicherten und ihrer Familienangehörigen während der Eingliederung sicherstellen. In bestimmten Ausnahmefällen (z. B. keine invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse, Bezug einer Rente) gewährt die IV kein Taggeld.

Wie muss vorgegangen werden?

Personen, die Anspruch auf eine IV-Leistung geltend machen wollen, müssen sich möglichst rasch bei der IV-Stelle ihres Wohnsitzkantons anmelden. Die IV übernimmt die Kosten für berufliche Eingliederungsmassnahmen frühestens ab Eingang des IV-Leistungsgesuchs. Das entsprechende Antragsformular kann bei den IV-Stellen, den AHV-Ausgleichskassen und den AHV-Gemeindezweigstellen bezogen werden. Oder man kann das Antragsformular herunterladen.

Text: hia - 11/2009

Bild: paramedia

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