Begleitet zurück ins Arbeitsleben

buntes Zahnrad. (Bild: Karin Jung/pixelio.de)
Ein Job-Coach ist dafür besorgt, dass beim Supported Employment alle involvierten Stellen miteinander vernetzt sind. (Bild: Karin Jung/pixelio.de)

Eine wichtige Rolle bei der im Rahmen der 6. IV-Revision geplanten Reintegration von 16‘800 IV-Rentnerinnen und Rentnern in den Arbeitsmarkt kann das sogenannte „Supported Employment“ spielen. Bei der unterstützten Beschäftigung steht die Arbeit als Rehabilitation im Zentrum.

Das ursprüngliche Modell des Supported Employment wurde zuerst in den Vereinigten Staaten entwickelt. Es richtete sich an Menschen mit einer Lern- und geistigen Behinderung. Die Erkenntnis, dass Menschen mit schweren Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein können, wenn sie individuelle und langfristige Unterstützung erhalten, ist jedoch nicht auf einzelne Behinderungsarten beschränkt. Inzwischen haben zahlreiche Supported Employment-Projekte gezeigt, dass alle Menschen mit Behinderung in integrativen Arbeitsverhältnissen arbeiten können.

Unterstützung durch Job-Coach

Supported Employment ist ein auch unter dem Begriff „Job Coaching“ bekannter Ansatz. Nach dem Modell unterstützt ein Job-Coach den erkrankten Menschen von der Stellensuche, über die Anstellung bis hinein in den Arbeitsalltag, gleichzeitig ist er aber auch Ansprechpartner für den Arbeitgeber, Mitarbeitende, Vorgesetzte und auch das persönliche Umfeld. Dadurch könnten zwei zentrale Probleme in der Rehabilitation beeinträchtigter Menschen erreicht werden: einerseits eine weitest mögliche Berücksichtigung von Zielen und Präferenzen der Beschäftigten und eine verminderte Stigmatisierung.

„First place, then train“

Das Prinzip des Supported Employment lautet „First place, then train“. Es folgt der Überzeugung, dass die berufliche Rehabilitation unter realen Bedingungen in der Arbeitswelt effektiver verläuft als in geschützten Werkstätten. Dies ist ein anderer Ansatz, als er hierzulande meistens gewählt wird, wo die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen – wenn überhaupt – meistens in eben diesen geschützten Werkstätten oder in Wiedereingliederungstrainings stattfindet.

Supported Employment ist aber nicht nur ein anderer methodischer Ansatz der beruflichen Rehabilitation, sondern basiert sowohl auf einer veränderten Sichtweise gegenüber Menschen mit Behinderungen als auch darauf, wie Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation ihre Unterstützung anbieten sollten. Die unterstützte Beschäftigung basiert auf Werten und Prinzipien wie

  • Selbstbestimmung und Wahlmöglichkeiten
  • Inklusion, Teilhabe am (Arbeits-)Leben
  • Individuelle, betriebs- und wohnortnahe Unterstützung
  • Chancengleichheit, Schutz vor Diskriminierung
  • Orientierung an Fähigkeiten und Lebensqualität
Rollstuhlfahrer mit Coach im Gespräch. (Bild: paramedia)
Ein Job-Coach unterstützt Menschen mit einer Beeinträchtigung im gesamten Prozess von der Stellensuche bis in den Arbeitsalltag. (Bild: paramedia)

Höhere Eingliederungsquoten

Verschiedene internationale empirische Studien dokumentieren eine raschere Eingliederung respektive höhere Eingliederungsquoten durch das Supported Employment gegenüber traditionellen Rehabilitations-Konzepten. Forscher der Universität Zürich zeigten 2007 in einer europäischen Studie auf, dass Menschen mit einer psychischen Erkrankung viel besser in der freien Wirtschaft beschäftigt werden können als angenommen wurde. 312 Studien-Teilnehmende wurden ohne vorausgehendes Training direkt an einen Arbeitsplatz vermittelt, wo sie und ihre Arbeitgeber dann intensiv von einem Job-Coach begleitet wurden. Supported Employment zeigte überzeugende Resultate, so konnten in Zürich 42 Prozent der Teilnehmenden mit diesem Ansatz einen Arbeitsplatz finden und erhalten.

An der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich wurde Supported Employment bereits 2003 in einer Studie wissenschaftlich überprüft. Aufgrund der guten Resultate des Konzepts konnte das Angebot Ende 2005 implementiert werden.

Elemente des Konzepts seit 25 Jahren aktuell

In der Schweiz werden seit Ende der 90er Jahre vermehrt Modelle der aktiven Vermittlung und Begleitung im Arbeitsbereich diskutiert und initiiert. In der deutschsprachigen Schweiz setzen aber bereits seit Mitte der 80er Jahre verschiedene Institutionen Elemente des Supported Employment um und sammeln damit praktische Erfahrungen. Dazu gehört auch ESPAS Stiftung, die sich seit 1982 für die berufliche Rehabilitation und Integration von Menschen einsetzt, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vollumfänglich erwerbstätig sind.

Dazu gehören verschiedene individuelle Eingliederungs-Massnahmen wie Abklärungen, Arbeitstrainings, Job-Coaching sowie Belastbarkeits- und Aufbautrainings. Je nachdem, welche Vorgeschichte, Bedürfnisse und Ziele die TeilnehmerInnen haben, definieren die Fachleute von ESPAS einen massgeschneiderten Integrationsplan. Aber nicht jeder, der eine Eingliederungsmassnahme absolviert, schafft tatsächlich den Wiedereinstieg. Für sie bietet ESPAS sogenannte Integrationsarbeitsplätze an, Jobs, die ohne psychische Belastung, Stress oder zu grossen Zeitdruck erledigt werden können, die aber dennoch anspruchsvoll sind.

ESPAS arbeitet dabei eng mit der Wirtschaft, Sozial- und Privatversicherungen und den Behörden zusammen. Heute ist die Stiftung dank grossem Know-how, geschulter Fachkräfte und gezielten Massnahmen ein wichtiger Anbieter in sämtlichen Kompetenzfeldern von der Früherkennung bis zur Wiedereingliederung von Erwerbsbeeinträchtigten im Kanton Zürich.

ESPAS-Ehrung mit Marcel Fluri (r.). (Bild: Felix Brodmann)
ESPAS-Geschäftsführer Marcel Fluri (r.) freut sich über die Auszeichnung. (Bild: Felix Brodmann)

Ein schmaler Grat

Ein Beispiel für das erfolgreiche Wirken der ESPAS Stiftung ist die Verleihung des Golden Headset Award am Swiss Contact Day Mitte September. Das Zürcher Sozialunternehmen überzeugte die Jury in der Kategorie Corporate Social Responsibility mit seinem innovativen und sozialverantwortlichen Verhalten bei der Übernahme eines wirtschaftlich wichtigen Auftrags für die Neopost AG. Trotz der Erwerbsbeeinträchtigungen der Mitarbeitenden gelang es, in sehr kurzer Zeit ein Konzept und ein Team für Verbrauchsmaterialbestellungen in französischer Sprache zusammenzustellen und sich einen bedeutenden Kunden zu sichern.

„Nun können wir unsere Mitarbeitenden weiterhin sinnvoll beschäftigen“, zeigte sich Geschäftsführer Marcel Fluri erleichtert. Um es soweit zu bringen, musste ESPAS aber einige Klippen umschiffen. „Wir bewegen uns stets auf einem schmalen Grat zwischen dem sozialen und dem wirtschaftlichen Anliegen unserer Unternehmung“, erklärt Fluri die Herausforderungen.

INSOS-Institutionen, die Begleitung im Unternehmen (Job Coaching / Supported Employment) anbieten:

Text: PCM - 10/2010

Bilder: pixelio.de, paramedia, Felix Brodmann

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