Neue Wege der Integration suchen

Schreibtisch (Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de)
Das Vorhandensein eines Arbeitsplatzes ist ein zentrales Element für eine erfolgreiche berufliche Eingliederung von Menschen mit Handicap. (Foto: Claudia Hautumm / pixelio.de)

Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) unterstützt Pilotversuche zur beruflichen Eingliederung von Menschen mit Handicap. Diese Projekte können auch ausserhalb der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen des BSV liegen. So sollen neue Massnahmen, Instrumente oder Vorgehensweisen der Integration entwickelt und praktisch erprobt werden.

Seit der 5. IV-Revision, welche seit Anfang 2008 in Kraft ist, arbeitet die Invalidenversicherung (IV) nach dem Grundsatz „Eingliederung vor Rente“. Um diese Entwicklung zu unterstützen, hat das BSV die Möglichkeit, Pilotprojekte zu bewilligen, welche über den Rahmen des Invalidenversicherungs-Gesetzes hinaus gehen. Diese müssen aber dazu beitragen, die Integration von Menschen mit Behinderungen zu fördern.

Optimierungen auf allen Ebenen

Dank den Pilotversuchen hat das BSV die Möglichkeit, neue Massnahmen, Instrumente oder Vorgehensweisen zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. Dabei soll der Eingliederungsprozess im Allgemeinen optimiert werden, aber auch auf folgenden Ebenen nach konkreten Verbesserungsmöglichkeiten gesucht werden:

  • Versicherter: Wie kann die Beratung und das Coaching der Arbeitnehmer verbessert werden? Fokussierung auf die Fähigkeiten statt auf das Handicap.
  • Massnahmen: Die IV kennt zurzeit die Massnahmen der Frühintervention, Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung sowie Massnahmen beruflicher Art. Was für neue Massnahmen wären sinnvoll?
  • Arbeitgeber: Das Vorhandensein eines Arbeitsplatzes ist ein zentrales Element für eine erfolgreiche berufliche Eingliederung. Wie können Arbeitgeber motiviert werden, behinderte Menschen einzustellen bzw. deren Arbeitsplatz zu erhalten?
  • Zusammenarbeit der Institutionen: Wie gut arbeiten die drei zentralen Sicherungssysteme (IV, Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe) in den gemeinsamen Fällen zusammen?
  • Renten: Welche Unterstützung braucht es, dass die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess auch mit einer IV-Rente noch möglich ist?
  • Anreize: Wie können (finanzielle) Anreize geschaffen werden, so dass eine Eingliederung in den freien Arbeitsmarkt für den Versicherten interessant wird.

Auf der Ebene Arbeitgeber beispielsweise können in folgenden Bereichen Pilotversuche gefördert werden:

Arbeitsplätze: Hier soll versucht werden, Arbeitgeber zur Anstellung behinderter Mitarbeiter zu motivieren. Dies können Schritte sein wie Information, Kontaktpflege und so weiter. Auch soll hinterfragt werden, inwiefern die vorhanden Mittel der IV (Einarbeitungszuschuss, Entschädigung für Beitragserhöhung) für Arbeitgeber genügen.

Job Retention: Bei der Job Retention geht es darum, dass trotz der Behinderung eines Arbeitnehmers die Arbeitsstelle erhalten werden kann. Denn die IV erachtet die Integration am chancenreichsten, wenn ein Arbeitsplatz noch vorhanden ist. Hier gilt es herauszufinden, welche Elemente neben den Einarbeitungszuschüssen noch zusätzlich förderlich sein könnten.

Arbeitsvermittlung: Neben den Stellenvermittlern der IV gibt es auch schon das Projekt „Personalverleih für Behinderte“. Es ist zu überlegen, welche weiteren Massnahmen die Vermittlung verbessern könnten. Eine Möglichkeit wäre eine Ausweitung des„try and hire- Systems“, in welchem ein Unternehmen eine Person zunächst in einer temporären Anstellungsform anstellt, die nach einer „Probezeit“ in eine unbefristete Anstellung überführt werden kann.

Ein Beispiel aus Basel

Eines der im Bereich Arbeitgeber durch das BSV unterstützten Pilotprojekte ist „die Charta“. Diese hat das Ziel, in der Region Basel mindestens 100 Arbeitsplätze für behinderte Menschen bis ins Jahr 2012 zu schaffen. Zudem will das Projekt Hemmschwellen abbauen und Chancen aufzeigen. 

Dies will das Charta-Team erreichen, indem es eine Charta für Wirtschaftsverbände und Arbeitgeber erarbeitet hat. Darin erkennen die Unterzeichnenden die Chancengleichheit und die Nicht-Diskriminierung von Menschen mit einer Behinderung in allen Bereichen des Arbeitslebens an und erklären sich bereit, diese Grundsätze zu achten und aktiv anzuwenden.

Finanzielle Unterstützung für innovative Integration

Das Bundesamt für Sozialversicherung unterstützt solche Pilotprojekte mit finanziellen Beiträgen, allerdings ist die Unterstützung befristet. Wie der Projektleiter des BSV gegenüber MyHandicap erklärte, sind bis jetzt 40 Gesuche für den Pilotversuch eingegangen.

Mit den Pilotprojekten kann das BSV die Integration von Menschen im Arbeitsmarkt fördern, auch wenn diese von den gesetzlichen Bestimmungen abweichen. Ein weiterer Schritt weg von der Bürokratie in Richtung praktikable Lösungen für alle Beteiligten.

 

Text: HIA - 02/2010

Bild: Claudia Hautumm / pixelio.de

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