Warum es sich lohnt Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen

Münzen (Foto: Benjamin Klack / pixelio.de)
Durch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen können Unternehmen profitieren. (Foto: Benjamin Klack / pixelio.de)

Von der Beschäftigung von Menschen mit Handicap profitieren sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Menschen mit Handicap verfügen über Fähigkeiten, welche für Unternehmen einen speziellen Mehrwert darstellen können.

Im Jahr 2011 galt jeder Neunte im erwerbstätigen Alter in der Schweiz per Definition als behindert (Quelle: BFS). Das Thema der (Re-)Integration von Menschen mit Behinderung im Berufsalltag hat stark an Bedeutung gewonnen. Unter anderem auch durch den Druck der Politik zur Entlastung der Sozialversicherungen

Für Menschen mit Behinderungen ist die Teilhabe am Arbeitsleben eine wichtige Voraussetzung für ein gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft. Arbeit gilt für sie als Beleg für Vollwertigkeit und Leistungsfähigkeit. Aber nicht nur Menschen mit Handicap profitieren von der Beschäftigung. Auch Unternehmen können ein Interesse an der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung haben.

Diversity Management als Grundlage

Als Grundlage der Nutzenüberlegungen für Unternehmen dient der Diversity-Management-Ansatz. Der Umgang mit personeller Vielfalt in Organisationen wird als Diversity Management oder auch als Managing Diversity bezeichnet. Diversity Management nutzt und fördert gezielt die personelle Vielfalt um negative Aspekte zu verringern und aufzufangen.

Das Konzept des Diversity Managements beruht darauf, die Vielfalt der Mitarbeiter gezielt zu nutzen und damit wirtschaftliche Interessen und soziale Aufgaben in Einklang zu bringen.

Der ökonomische Nutzen für Unternehmen

Die Beschäftigung von behinderten Menschen durch gelebte Diversity-Politik eröffnet Unternehmen vielfältige Möglichkeiten. Entscheidend ist, dass sich die Unternehmen auf die Stärken und Fähigkeiten der handicapierten Mitarbeitern konzentrieren. Also sogenanntes Ability Management betreiben.

Nachfolgend werden wichtige unternehmerische Themenbereiche aufgezählt, welche entscheidenden Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben.

Ausschnitt aus einem Stellenanzeiger mit dem Titel: Fachkräfte gesucht. (Foto: Gerd Altmann / AllSilhouettes.com /pixelio.de)
In Zeiten von Fachkräftemangel verbessert die Wahrnehmung sozialer Themen die Personalrekrutierung. (Foto: Gerd Altmann / AllSilhouettes.com /pixelio.de)

Produktivitätssteigerung und tiefere Fluktuation gewährleistet

Menschen mit Behinderungen, die das Anforderungsprofil erfüllen und eine barrierefreie Arbeitsumgebung vorfinden, haben keine eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Vielmehr können behinderte Arbeitnehmer unter vorteilhaften Bedingungen ein aussergewöhnlich grosses Engagement und eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft an den Tag legen.

Behinderte Mitarbeitende sind sich der erschwerten Arbeitsplatzsuche bewusst und versuchen oft ihre Defizite durch Leistungen zu kompensieren. Durch die vielen Hürden und Grenzen im Alltag wollen sich behinderte Menschen im Arbeitsalltag umso mehr beweisen. Sie bringen deshalb dem Unternehmen eine deutlich höhere Loyalität entgegen und sind mit Eifer bei der Sache. Eine weitere wichtige Nebenerscheinung dieser speziellen Loyalität der Angestellten mit Behinderung sind tiefere Fluktuationskosten. Handicapierte Angestellte sind dem Unternehmen länger treu und verursachen deshalb tiefere Personalkosten.

Profit durch kreative Denkmuster

Menschen mit Behinderungen sind im Alltag immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert. Sie sind gewohnt Lösungen zu suchen, welche Flexibilität, Kreativität und Offenheit voraussetzen. Von diesem kreativen Denk- und Handlungsmuster profitiert das ganze Unternehmen. Durch das Umdenken im Problemlösungsprozess, welche behinderte Mitarbeiter mitbringen, entstehen kreativere Lösungen. Diese Art des Umdenkens kann sich zudem auch auf die ganze Mitarbeiterschaft ausdehnen, so dass im ganzen Unternehmen, auch bei Teams ohne Mitarbeiter mit Behinderung, kreativere Denkmuster entstehen.

Besseres Image in der Öffentlichkeit

Durch Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung bei sozialpolitischen Themen wie Gleichstellung oder Antidiskriminierung kann sich das Unternehmen als Arbeitgeber mit sozialer Verantwortung und sozialem Engagement präsentieren. Dadurch kann sich das Unternehmen von der Konkurrenz abheben und seine Unternehmensphilosophie in der Öffentlichkeit präsentieren.

Die erfolgreiche Integration behinderter Menschen führt zu einem Reputations- und Imageeffekt. Dieser Reputations- und Imageeffekt kann ein entscheidender Faktor im Kaufentscheidungsprozess und damit eine erfolgsrelevante Grösse für Unternehmen darstellen. Nebst den positiven Auswirkungen bei Kunden und Lieferanten sind auch Mitarbeiter stärker motiviert, für ein Unternehmen zu arbeiten, das einen guten Ruf hat.

Eine Studie von Towers Watson zeigt, dass das Ansehen des Unternehmens wesentlich dazu beiträgt, Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen. So profitiert das Unternehmen also auch von einer verbesserten Personalrekrutierung. In Zeiten von Fachkräftemangel und ‚war on talents‘ ist dies ein wichtiger Faktor in der Personalrekrutierung.

Text: Simon Müller - 06/2013
Bilder: pixelio.de