Modulare Handprothesen für Kinder und Jugendliche

SwissProthetics bietet eine robuste, zuverlässige und kostengünstige modulare prothetische Lösung für Kinder und Jugendliche. (Bild: ZHAW)

Weltweit brauchen elf Millionen Menschen eine Handprothese, darunter viele Kinder und Jugendliche. Für sie entwickelt das Zürcher Startup-Unternehmen SwissProsthetics modulare, robuste und preiswerte Prothesen, um tägliche Aktivitäten leichter zu ermöglichen. 

Kinder und Jugendliche, denen von Geburt an Gliedmaßen fehlen oder die ihren Unterarm bei einem Unfall verloren haben, sind stark eingeschränkt: Sie leiden unter den Blicken der Anderen, haben Mühe bei Verrichtungen des Alltags, etwa beim Anziehen der Kleidung oder dabei, ein Wasserglas zu halten. Mit einer umfassenden medizinischen Betreuung und der richtigen Hilfsmittelversorgung kann den Kindern jedoch geholfen werden.

Zunächst einmal gilt es, den Kindern bei der Verarbeitung des Traumas zu helfen. Denn gerade wenn Betroffene die Gliedmaßen unerwartet verlieren, etwa bei einem Unfall, ist das niederschmetternd. Dann werden sofort Psychologen und Seelsorger eingeschaltet und auch die Familien eingebunden. 

Von der Schmuckprothesen bis zur Hightech-Prothese 

Sobald die Wunde verheilt ist, kann mit einer Prothesenversorgung begonnen werden. In der Regel ist das vier bis acht Wochen nach der Amputation möglich. Die Palette der Prothesen ist breit und reicht von der einfachen Schmuckprothese bis zur Hightech-Prothese. Schmuckprothesen sind optisch und in puncto Gewicht den Gliedmaßen nachempfunden, die sie ersetzen, haben aber ansonsten keine Funktion. Hightechprothesen enthalten Mikroprozessoren, mit denen die Prothese gesteuert werden kann. So wird es beispielsweise möglich, ein Glas zu halten oder eine Flasche zu öffnen.

Prothesen sind hochkomplexe Produkte. Damit beispielsweise die Hand vom Prothesen-Träger gesteuert werden kann, wird sie über Muskeln mit dem Stumpf verbunden. An der Prothese befinden sich Elektroden, die auf der Hautoberfläche elektrische Signale erfassen, die durch die Erregung von Muskelfasern entstehen.

Mit der modulare prothetische Lösung von SwissProsthetics können Kinder und Jugendliche sogar Ski fahren. (Bild: ZHAW)

Modulares System für Prothesen schafft neue Möglichkeiten  

Diese Hightechkonstruktionen sind teuer und dennoch nicht die Lösung aller Probleme. Vor allem beim Sport stoßen sie an Grenzen. Doch es gibt eine Lösung: Das  Zürcher Startup-Unternehmen SwissProsthetics entwickelt modulare, robuste und preiswerte Prothesen für Kinder und Jugendliche, um tägliche Aktivitäten leichter zu ermöglichen. Prototypen für Schwimmen, Fahrradfahren und Skifahren haben erste Tests hinter sich, weitere Module sind in Erarbeitung. 

Die Handmodule sind über ein Schnellkupplungssystem mit einer adaptiven Welle gekoppelt, die ein schnelles und zuverlässiges Befestigen und Lösen der Prothetikmodule ermöglicht. Das Anwendungsspektrum wird kontinuierlich an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst und erweitert. 

MyHandicap unterstützt Forschungsprojekt

Das Projekt startete als zweijährige Kooperation zwischen appsocial.org und dem Institut für Mechatronische Systeme an der ZHAW in Winterthur. Bei Wyss Zürich entwickelt das Projektteam in enger Zusammenarbeit mit dem Initiator und Mentor des Projekts, Professor Andreas Trojan, die notwendigen Prozessschritte für den Markteintritt. Neben appsocial.org und Wyss Zurich gehört auch die Stiftung MyHandicap zu den Unterstützern des Projekts. 

Umfrage zur Verbesserung von Armprothesen 

MyHandicap versucht, die Bedürfnisse und den Markt für Prothesenträger besser zu verstehen und gute neue Prothesen zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit unserem Partner SwissProsthetics haben wir dafür eine Umfrage erarbeitet, die Sie hier anonym ausfüllen können: swissprosthetics.typeform.com/to/dXYCev  

Text: MyHandicap / 12-2017

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