Rollstuhl: Individuelle Bedürfnisse im Fokus

Eine Frau fährt mit ihrem Rollstuhl durch ein Einkaufszentrum (Foto: OttoBock HC)
Mit einem Rollstuhl wie dem "Motus" von OttoBock sollen Menschen mit Mobilitätseinschränkung mobiler werden. (Foto: OttoBock HC)

Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, um seinen Alltag meistern zu können, dem steht eine grosse Auswahl verschiedener Modelle zur Verfügung. Wichtig ist, dass der Rollstuhl professionell auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasst ist. Aber nicht alle Modelle und nicht alle Wünsche werden von der IV oder der SUVA finanziert.

Standardrollstühle, Aktivrollstühle, Sport-Rollstühle, Elektrorollstühle oder Aufrichtrollstühle: Die Ansprüche und Bedürfnisse von Menschen, die auf Grund einer Behinderung auf einen Rollstuhl angewiesen sind, sind vielfältig.

Individuelle Anpassung des Rollstuhl wichtig

Mit einem Rollstuhl sollen Menschen mit einem Handicap, aber auch alte Menschen mit einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit ihren Alltag so gut wie möglich meistern können.

Rollstühle sollen aber auch Beweglichkeit und Aktivität ermöglichen, Teilhabe und die Integration in ein soziales Umfeld garantieren. Entsprechend wichtig ist einerseits die Wahl des richtigen Rollstuhls, andererseits aber auch die individuelle Anpassung je nach Art der Behinderung, der Körperstatur, dem Einsatzbereich und den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen.

Beratung unerlässlich

Die Invalidenversicherung IV oder die SUVA übernehmen in der Regel die Kosten für die Beschaffung dieses Hilfsmittels bei einer bleibenden eingeschränkten Gehfähigkeit. Zuerst gilt es, sich im Hilfsmittel-Fachgeschäft oder während eines Rehabilitationsaufenthaltes in einer spezialisierten Klinik beraten zu lassen, welcher Rollstuhl den Bedürfnissen am besten entspricht. Dabei lohnt es sich, verschiedene Modelle zu testen oder eventuell für eine gewisse Zeit auszuleihen.

Kostengutsprache des Versicherungsträgers

Vom behandelnden Arzt wird das von ihm ausgefüllte Formular "Med. Angaben für die Abgabe eines Rollstuhls" benötigt. Dieses ist zusammen mit der Offerte des Fachhändlers für den Rollstuhl inklusive des eventuell benötigten Zusatzmaterials an die zuständige IV-Stelle in der Wohnregion oder an die SUVA weiterzuleiten. Die definitive Wahl der Rollstuhlgruppe muss begründet werden.

SAHB als neutrale Fachstelle

Bei Unklarheiten ist die neutrale Fachstelle SAHB (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Hilfsmittelberatung für Behinderte und Betagte) beizuziehen. Sie steht für eine Beratung und Abklärung zu Hause zur Verfügung und führt ein gut ausgebautes Netz von Hilfsmittelzentren, die fachlich qualifizierte Beratung und Abklärung bieten und auch die Hilfsmittel-Depots der IV führen. Ebenso sind die Fachexperten über die Finanzierungsmöglichkeiten und Versicherungsansprüche informiert.

Die IV-Stelle nimmt schliesslich die Klärung des Antrags vor, gibt ein Hilfsmittel über die eigenen IV-Depots ab oder erlässt eine Kostengutsprache für die Neuanschaffung. Auf Grund dieser bestellt der Fachhändler den entsprechenden Rollstuhl und passt ihn auf die Person an. Viele Hilfsmittel-Fachhändler bieten ihren Kunden auch an, die gesamte Abwicklung für die Beschaffung eines Rollstuhles zu übernehmen.

In der Regel erstreckt sich der Anspruch auf einen einzigen Rollstuhl. Die Notwendigkeit eines zweiten Rollstuhles ist eingehend zu begründen. behinderungsbedingte Änderungen und Ergänzungen sowie behinderungsbedingtes Zubehör übernimmt die IV nur, wenn diese "einfach und zweckmässig" sind.

Zuständigkeit der IV endet im AHV-Alter

Für Personen im AHV-Alter (Eintritt ins Rentenalter), die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wurden die monatlichen Kosten für einen Rollstuhl bis Ende 2006 vollständig übernommen. Seit 2007 sieht die Regelung eine pauschale Vergütung von 900 Franken vor. Betroffene können sich damit einen Rollstuhl bei einem Lieferanten selbst aussuchen. Der Betrag wird auf Antrag alle fünf Jahre ausbezahlt. Service und Unterhaltskosten werden nicht mehr vergütet.

Senioren und Seniorinnen, welche in einem Heim wohnen, haben keinen Anspruch auf die Pauschalvergütung. Das Heim muss die nötigen Fortbewegungsmittel zur Verfügung stellen.

Grosse Preisspanne

Je nach Ausführung kann ein Rollstuhl ein sehr kostspieliges Hilfsmittel sein. Während ein einfaches, neues Modell für 2'000 Franken erhältlich ist, kann ein auf spezielle Bedürfnisse zugeschnittener Elektrorollstuhl bis zu 40'000 Franken kosten. Natürlich sind im Internet, zum Beispiel auf den Auktionsplattformen ebay oder Ricardo wesentlich preisgünstigere Modelle zu finden. Verschiedene Hersteller bieten ihre Modelle über das Internet auch zu wesentlich tieferen Preisen an, als sie im Fachhandel erhältlich sind.

Ein Rollstuhlzeichen auf dem Asphalt. (Foto: Querschnitt/pixelio.de)
Gute Rollstühle findet man nicht auf der Strasse, sondern im Sanitätshaus. (Foto: Querschnitt/pixelio.de)

Beratung und professionelle Anpassung kosten

Man sollte sich aber bewusst sein, dass eben nicht nur das Material - das für fünf bis zehn Jahre halten sollte - kostet, sondern auch die Beratung und die professionelle Anpassung auf die individuellen Bedürfnisse, auch während der Rehabilitationsphase. Wenn bei der Konfiguration von Anfang an das Optimum erreicht wird, kann man sich unnötige Folgekosten sparen.

Dies gilt es auch bei der Beschaffung von Rollstühlen im Ausland zu beachten. Auch hier fehlt in den meisten Fällen die individuelle Beratung, vielfach ist die Versorgung mit Ersatzteilen nicht gewährleistet und Transport- und Einfuhrkosten eingerechnet, schmilzt der Preisvorteil eventuell auch schnell dahin.

Neue Materialien, neue Designs

In den letzten Jahrzehnten ist bei der Entwicklung neuer Rollstühle viel geschehen. Angetrieben durch innovative Unternehmer wie beispielsweise Rainer Küschall ist die Rollstuhl-Palette entsprechend den verschiedensten Ansprüchen gewachsen. Wer einen breiten und robusten Rollstuhl benötigt, findet das passende Modell ebenso wie derjenige, der mit einem kleinen und wendigen Modell auskommt.

Ständig werden neue Entwicklungen präsentiert und neue Materialien verarbeitet. Auch das Design und die Farbe eines Rollstuhl haben heute eine viel grössere Bedeutung als in früheren Jahren.

 

Text: Patrick Gunti/Kerstin Otto - 01/2013

Fotos: OttoBock HC und Querschnitt/pixelio.de

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