Neuste Technologie für die Unterstützte Kommunikation

Tablet-Bildschirme mit Apps. (Bild: Apple/Samsung/MyH)
Tablets wie das iPad ermöglichen der Unterstützten Kommunikation neue Möglichkeiten. (Bild: Apple/Samsung/MyH)

Tablets haben sich in nur wenigen Jahren zu den beliebtesten Tech-Gadgets entwickelt. Das iPad und Tablets anderer Hersteller gestalten nicht nur den privaten, schulischen und geschäftlichen Alltag mit, sie haben auch den Hilfsmittelbereich der Unterstützten Kommunikation verändert.

2010 kam die erste iPad-Generation auf den Markt. Nachdem zuvor verschiedene Anläufe anderer Hersteller kein Erfolg beschieden war, gelang Apple mit dem iPad einmal mehr eine kleine Revolution. Mittlerweile ist man bei der fünften Generation angelangt und bis Ende 2013 wurden weltweit nicht weniger als 195 Millionen iPads und iPads mini verkauft.

Unterstützte Kommunikation mit neuen Möglichkeiten

Andere Hersteller zogen nach und heute sind Tablets zusammen mit Smartphones die dominierenden Geräte der mobilen Kommunikation. Sie gestalten den privaten, schulischen und den Geschäftsalltag zu einem guten Teil mit. Die Möglichkeiten haben auch Entwickler im Bereich der Unterstützten Kommunikation erkannt. Dieses Fachgebiet kümmert sich um Menschen, denen es aufgrund einer Behinderung nicht oder kaum möglich ist, zu sprechen oder die sich wegen motorischer oder geistiger Beeinträchtigungen auch nonverbal nicht mitteilen können.

Eine neue Dimension

In den letzten Jahrzehnten wurden mit der Entwicklung elektronischer Hilfsmittel grosse Fortschritte erzielt und verschiedene Bedienelemente ermöglichten den Benutzern einen höheren Grad an Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Mit den Tablets hat die Entwicklung nun aber eine neue Dimension erreicht.

Bildschirm einer App für Unterstützte Kommunikation. (Screenshot)
Mit der App MetaTalkDE können Menschen ohne oder wenig bzw. schwer verständlicher Lautsprache kommunizieren. (Screenshot)

Apps als Erfolgsfaktoren

Neben den Endgeräten selbst gehören dabei die Apps zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren. Es gibt unzählige einfachere aber auch komplexere Apps, die zum Beispiel einem ermöglichen, über Bilder zu kommunizieren. Mit anderen Apps wiederum lassen sich auf dem Bildschirm Malen oder Trommeln und so das Ursache-Wirkungs-Prinzip erlernen. Weitere Applikationen zielen auf den Lernaspekt bei der Koordination zwischen Hand und Auge ab. Lernfördernde Spiele und Text-to-Speach-Apps ergänzen das Angebot. Wirklich gute Apps kosten in der Regel etwas, es gibt aber durchaus preiswerte oder gar kostenlose Apps.

iPad & Co. ermöglichen breiteren UK-Zugang

Über grosse Erfahrung mit dem Einsatz von iPads in der Unterstützten Kommunikation verfügt die Stiftung für elektronische Hilfsmittel FST. Expertin Rahel Wälti konstatiert, dass nun viel mehr Menschen mit Behinderung Kommunikationshilfen nützen können. Sie sieht einen grossen Vorteil darin, dass auch Personen ohne grosse Vorkenntnisse kaum Hemmschwellen haben, zu entsprechenden Anwendungen zu gelangen. Die Bedienung ist intuitiv und einfach. Ausserdem können Tablets überall hin mitgenommen werden. Und im Vergleich zu anderen unterstützenden Kommunikationsgeräten ist ein iPad relativ günstig und in vielen Haushalten eh bereits vorhanden.

Was wird wirklich gebraucht

Rahel Wälti stellt aber auch klar, dass noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Sie konstatiert, dass bei der grossen Menge an Apps gerne auch mal die Qualitätsüberwachung verloren geht. "Es fehlt vielfach an der technischen Unterstützung und auch die Schulung, Beratung, der pädagogische Support und die weiterführende Betreuung durch die Fachstelle fällt oft weg", so die Beraterin. Und sie stellt auch fest, dass die App-Systeme oft noch beschränkt und wenig durchdacht sind.

Wälti empfiehlt, bei der Anschaffung wie auch bei der Wahl der richtigen Apps mit einer Hilfsmittelberatungs- und Versorgungsstelle zusammenzuarbeiten. Im Mittelpunkt müssten immer die Fragen stehen, was wirklich gebraucht werde und welche Kommunikationsformen das Hilfsmittel unterstützen soll.


Text: Patrick Gunti 02/2014
Bilder: Apple/Samsung/MyH

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