Seheinschränkung – Verschiedene Grade und was man dabei tun kann

Es gibt verschiedene Formen, wie das Sehen eingeschränkt sein kann. (Bild: Pixabay.com)

Eine Form der Sinnesbehinderungen ist die Sehbehinderung, bei der die optische Wahrnehmung verschieden stark eingeschränkt ist. Je nach Grad der Behinderung liegt eine hochgradige Einschränkung des Sehvermögens bis hin zur vollkommenen Blindheit vor. Die Ursachen dafür sind sehr unterschiedlich.

Bei einer Sehbehinderung ist die Fähigkeit zur visuellen Wahrnehmung dauerhaft eingeschränkt. Wie massiv diese eingeschränkte Sehfähigkeit ist, hängt davon ab, wie gut die Augen noch in der Lage sind, optische Reize zu verarbeiten und daraus resultierend, wie gut die Betroffenen ihre Umgebung wahrnehmen können.

Grundsätzlich haben Sehbehinderte oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Aussenstehende können mit dem Begriff der Sehbehinderung oft nicht viel anfangen und wissen nicht, dass eine Sehbehinderung verschiedene Ausprägungen haben kann. So kann es sein, dass Sehbehinderte manches ganz normal sehen und dafür an anderer Stelle Unterstützung brauchen. Dazu kommt, dass das Sehvermögen bei Sehbehinderten im Laufe des Tages schwanken kann und morgens deutlich besser ist als nachmittags oder umgekehrt. Sie verhalten sich nicht in jeder Situation gleich, was zu grossen Irritationen und Unverständnis bei Aussenstehenden führen kann.

Betroffenen scheuen sich daher davor, sich für die Öffentlichkeit als sehbehindert zu kennzeichnen. Dabei ist eine Kennzeichnung für ihre und die Sicherheit anderer im Strassenverkehr sehr wichtig, damit alle Verkehrsteilnehmer dementsprechend reagieren. Sie ist auch hilfreich, um in der Gesellschaft ein grösseres Bewusstsein für Sehbehinderungen und ihre verschiedenen Ausprägungen zu schaffen.

Ursachen einer Seheinschränkung

Eine eingeschränkte Sehfähigkeit kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Eine erste grobe Unterscheidung lässt sich zwischen einer angeborenen Seheinschränkung (durch vorgeburtliche Schädigungen oder Fehlentwicklungen) und einer erworbenen Seheinschränkung (durch Augenverletzungen) treffen. Zudem können organische Veränderungen und Erkrankungen des Auges vorliegen, die in manchen Fällen die Sehkraft mit der Zeit immer stärker beeinträchtigen. Bei dieser Ursache ist vor allem die Netzhaut des Auges betroffen.

So kann durch verschiedene Erkrankungen der Gelbe Fleck des Auges (die Makula, der „Punkt des schärfsten Sehens“), einem Areal, auf dem sich besonders viele Sehzellen befinden, allmählich seine Funktion verlieren (Makuladegeneration). In dem Fall lässt die Sehschärfe nach, was von einer hochgradigen Sehbehinderung bis zur Erblindung führen kann.

Eine weitere Ursache sind neurologisch bedingte Behinderungen des Sehnervs und der übergeordneten Zentren. Sie werden durch Tumore, Aneurysmen, einen Schlaganfall, Entzündungen und dergleichen hervorgerufen. Ausserdem kann das Sehvermögen durch funktionelle Behinderungen eingeschränkt sein. Das bedeutet, dass sich zum Beispiel das Sehsystem in der Kindheit nicht richtig weiterentwickelt hat und aufgrund dieser Funktionsstörungen die Sehkraft massiv geschwächt ist (Amblyopie).  

Auch eine Gleichgewichtsstörung der Augenmuskeln kann die Ursache für schlechtes Sehen sein. Das Auge bewegt sich unkontrollierbar und rhythmisch, was man auch als Augenzittern kennt.

Wer eine Sehbehinderung hat und wer nicht, ist nicht immer eindeutig zu erkennen. (Bild: Pixabay.com)

Formen der Seheinschränkung

Das Sehen kann auf sehr unterschiedliche Weise beeinträchtigt sein. Eine sehr harmlose Form der Seheinschränkung ist die Hornhautverkrümmung (Astigmatismus), bei der horizontal einfallende Lichtstrahlenbündel anders als vertikal einfallende Lichtstrahlenbündel gebrochen werden. Dadurch wird kein klares Bild auf der Netzhaut abgebildet und die Betroffenen sehen die Welt verzerrt, da sich die Lichtstrahlen nicht an einem Brennpunkt vereinigen. 

Der Graue Star (Katarakt) ist eine Augenerkrankung, bei der die Augenlinse immer trüber wird und ohne rechtzeitige Behandlung zur Erblindung führen kann. Das gilt auch für den Grünen Star (Glaukom), der häufig mit dem Grauen Star verwechselt wird. Hierbei sind aber die Nervenfasern betroffen, die sich durch einen erhöhten Augeninnendruck nach und nach zersetzen. Dadurch entstehen Ausfälle im Gesichtsfeld. 

Bei einer Retinitis Pigmentosa (Retinopathia pigmentosa) kommt es zu einer Netzhautdegeneration, bei der immer mehr Sehzellen zerstört werden. Das führt zu Nachtblindheit und einer abnehmenden Sehstärke, die sich vor allem am Rande des Gesichtsfeldes bemerkbar macht: der sogenannte Tunnelblick.

Vor allem Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, Schäden an der Netzhaut zu erleiden. Bei der diabetischen Retinopathie sind die Blutgefässe der Netzhaut durch den erhöhten Blutzuckerspiegel beschädigt, es kommt zu Einblutungen in dem Glaskörper des Auges. Die haben zur Folge, dass Betroffene schwarze Punkte sehen, den sogenannten Russregen. 

Die Grade der Seheinschränkung – Von sehbehindert bis blind 

Die eine Sehbehinderung gibt es nicht. Es kommt darauf an, aufgrund welcher Ursachen jemand nicht normal sieht und wie er die Welt stattdessen wahrnimmt. Die Einschränkung des Sehvermögens fällt daher individuell anders aus, je nachdem, wie weit eine Augenkrankheit bereits fortgeschritten ist oder wie sehr sich organische Veränderungen auf die Augen und auf das Sehen auswirken. 

Aus diesem Grund wird eine Seheinschränkung in verschiedene Grade unterteilt. Diese Aufteilungen sind gesetzlich geregelt und unterscheiden zwischen einer Sehbehinderung in drei Abstufungen und einer völligen Erblindung. 

Grundsätzlich gilt man gesetzlich als sehbehindert, wenn man auf dem besser sehenden Auge trotz Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 30 Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennen kann. Bei wem die Sehkraft bei 10 Prozent oder darunter liegt, wird als wesentlich sehbehindert eingestuft und bei 5 Prozent oder weniger gilt man als hochgradig sehbehindert. Liegt die Sehkraft bei oder unter 2 Prozent, ist man nach dem Gesetz blind. 

Diese Einteilung entspricht den Stufen 1 bis 4 der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wobei sie noch eine fünfte Stufe nennt, die für gesetzliche Ansprüche auf finanzielle Unterstützung und Hilfsmittel in Deutschland nicht mehr relevant ist. Stufe 5 der WHO bezieht sich auf die vollkommene Blindheit (Amaurose), bei der die Wahrnehmung von Lichtschein ganz fehlt. 

Nichtangeborene Sehbehinderungen, die auf Erkrankungen, organische Veränderungen oder neurologische Behinderungen aufgrund anderer Krankheiten zurückzuführen sind, entwickeln sich oft erst allmählich. Deswegen stellt sich eine Sehbehinderung in den meisten Fällen erst nach dem 60. Lebensjahr ein, am zweithäufigsten zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Jüngere Menschen sind deutlich seltener davon betroffen. 

Manche Seheinschränkungen lassen sich mit Hilfsmitteln beheben. (Bild: Pixabay.com)

Was kann man bei einer eingeschränkten Sehkraft tun?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Seheinschränkungen, die korrigiert werden können, und solchen, die nicht korrigiert werden können. Zu der ersten Kategorie gehören Seheinschränkungen wie die Kurz- oder Weitsichtigkeit oder eine Verkrümmung der Hornhaut.

Mit Hilfe von richtig eingestellten Brillen oder Kontaktlinsen lassen sich diese Beeinträchtigungen einfach beheben, wobei Kontaktlinsen in vielen Fällen sogar mehr Vorteile aufweisen, etwa bei Freizeitaktivitäten oder in manchen Berufen.

Der Graue und der Grüne Star können behandelt und die Beschwerden damit deutlich gelindert werden. Vor allem aber schützt eine Behandlung vor einem Fortschreiten der Erkrankung bis hin zur Erblindung. Im Falle des Grauen Stars wird geschieht das über eine Operation, bei der die getrübte Linse durch eine künstliche Linse ersetzt wird. 

Im Falle des Grünen Stars ist eine Behandlung mit Medikamenten möglich. Schlägt diese nicht an und verschlechtert sich das Sehen weiter, ist eine Operation ratsam.  

Erkrankungen wie die Retinitis pigmentosa oder die diabetische Retinopathie können nicht korrigiert oder geheilt, sondern nur aufgehalten werden. Ohne eine Behandlung kann es zur Blindheit kommen. Bei einer Retinitis pigmentosa gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten wie Netzhautimplantate, Brillen, Kontaktlinsen oder vergrössernde Sehhilfen.

Auch Schäden an der Netzhaut lassen sich nicht wieder rückgängig machen. Mit Hilfe einer Lasertherapie wird verhindert, dass sich neue Blutgefässe im Auge bilden und erneute Einblutungen verursachen können. Ansonsten sind Diabetiker dazu angehalten, ihren Blutzuckerspiegel, Bluthochdruck und Cholesterinspiegel auf einem angemessenen Wert zu halten, um den Augen dadurch nicht weiter zu schaden.

Eigenständig leben trotz Seheinschränkung  

Wer an einem eingeschränkten Sehvermögen leidet, muss dafür noch lange nicht seine Selbstständigkeit einbüssen. Mit verschiedenen Hilfsmitteln wie Lupenbrillen, Lesegeräten und Kommunikationshilfen sowie speziellen Haushaltsgeräten können Betroffene ein weitestgehend normales Leben führen. Welche Hilfsmittel sinnvoll sind, wird individuelle entschieden. Hilfreich ist in jedem Fall die Teilnahme an einem Low-Vision-Programm. Hier lernen Betroffene, wie sie ihre verbliebene Sehkraft im Alltag optimal nutzen können und sich so ihre Selbstständigkeit erhalten.

Text: 11-2017

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