Der Weg zum optimalen Hörgerät

Ein kompaktes Hörgerät im Gehörgangseingang (Hans Snoek/pixelio.de)
Moderne, digitale Hörgeräte sind heute kaum noch zu erkennen - ein Grund gegen die Scham vieler Betroffener. (Hans Snoek/pixelio.de)

Man versteht andere nicht (mehr) gut, verpasst wichtige Signale und der Gang zum HNO-Arzt bringt die ernüchternde Diagnose: Sie hören schlecht. Was nun? Was für viele Menschen mit Sehproblemen die Brille ist, wäre das Hörgerät für Menschen mit einer Hörbehinderung.

Doch viele der rund einen Million Schweizer mit Hörproblemen genieren sich vor diesen Hilfsmitteln. Mangelndes Wissen, aber auch Eitelkeit sind hierfür der Grund. Zu Unrecht. Schritt für Schritt zeigen wir Ihnen daher hier die Prozedur einer idealen Hörgeräteversorgung auf.

Der Hörverlust ist in der Regel ein einschneidendes Problem im Alltag und kann im Extremfall zur sozialen Isolation führen. Denn zwischenmenschliche Kommunikation wird hauptsächlich über das Ohr wahrgenommen und überhaupt werden sehr viele Informationen und Warnsignale akustisch wiedergegeben und aufgenommen. Das Alter ist eine häufige Ursache für das schlechte Hören, aber es gibt auch andere Auslöser, wie etwa Stress, Durchblutungsstörungen, dauerhafter Lärm oder eine Erkrankung beziehungsweise ein Unfall.

MyHandicap hat mit Dr. Hartwig Stierlen, einem mittlerweile emeritierten HNO-Facharzt über das ideale Hörgerät gesprochen. Stierlen führte 33 Jahre lang eine der grössten HNO-Praxen in München sowie die HNO-Belegabteilung im Klinikum Dritter Orden.

Wie ein Hörschaden festgestellt werden kann

Die Diagnose einer Hörbehinderung erfolgt, so Stierlen, zum Einen durch die Audiometrie, einem Hörtest mit unterschiedlichen Tönen und Lautstärken und zum Anderen durch die Sprach-Audiometrie, wo das Hören und Verstehen von gesprochener Sprache getestet wird. Steht mit diesen Tests fest, dass eine Hörschädigung vorhanden ist, sollte mit dem HNO-Arzt darüber beraten werden, ob und welche Hilfen Sinn machen würden.

Denn Hörschädigung ist nicht gleich Hörschädigung. Je nach Fall kommen entsprechende Lösungen in Frage. Neben dem Standard-Hörgerät, das hinter dem Ohr getragen wird, gibt es sogenannte iO-Geräte, die entweder im Gehörgang oder in der Ohrmuschel am Gehörgangseingang eingesetzt werden, Hörbrillen mit Einbau der Technik im Brillenbügel, Mini-Chip-Geräte mit elektronisch verbesserter Spracherkennung oder knochenverankerte Hörgeräte.

Hörhilfen: Zahlreiche Alternativen

"Mit dem HNO-Facharzt sollte man gemeinsam herausfinden, ob die Hörschädigung schon so ausgeprägt ist, dass eine Hörgeräteversorgung sinnvoll und zweckmässig ist, damit einerseits die Kostenträger einen finanziellen Beitrag leisten. Zudem müsste andererseits auch der Leidensdruck des Patienten so gross sein, dass er sich sein weiteres Leben mit einer kleinen Prothese im Ohr vorstellen kann", erklärt Stierlen.

Im nächsten Schritt wird eine Verordnung mit den erhobenen Werten ausgegeben, mit der der Betroffene einen Hörgeräte-Akustiker - ein eigener Berufsstand, spezialisiert auf die Anpassung von Hörgeräten - seiner Wahl aufsuchen kann. Von diesem werden in der Regel nochmal Messungen des Gehörs durchgeführt. Dabei versucht er, für den Patienten entsprechend seiner Hörbehinderung das optimale Hörgerätesystem herauszufinden. Dazu muss ein Abdruck des Gehörganges beziehungsweise spezielle Hörschläuche angefertigt werden.