Sich den neuen Kollegen ohne Behinderung vorstellen

Schreibunterlagen, ein Firmenausweis und ein Umschlag mit der Aufschrift: „Herzlich willkommen“. (Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de)
Am ersten Tag im neuen Job gilt es, sich vorzustellen. (Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de)

Der erste Tag an einem neuen Arbeitsplatz ist immer besonders. Wenn man jedoch als Mensch mit Behinderung eine neue Stelle antritt, stellt man sich meist zusätzlich die Frage: „Wie werden die Kollegen wohl mit meiner Behinderung umgehen?“ MyHandicap gibt Ihnen nützliche Tipps, wie Sie sich und Ihre spezielle Lebenssituation in den neuen Kollegenkreis einführen.

Noch bevor Sie die neue Firma an Ihrem ersten Arbeitstag betreten, sollten Sie sich zwei Dinge bewusst machen:

Zunächst einmal Ihre Qualifikationen. Ihr neuer Chef hätte Sie nicht eingestellt, wenn Sie für diesen Job nicht geeignet wären. Er steht also hinter Ihnen! Lösen Sie sich also ganz bewusst von einem etwaigen Druck, gerade aufgrund Ihrer Behinderung nun besonders gut im Job sein zu müssen.

Jeder darf Fehler machen, Sie selbstverständlich auch. Sie sind ein Mensch und ein Kollege wie jeder Andere. Sie können darauf vertrauen, dass sich Ihre Fähigkeiten auf Grund Ihres Vorwissens und Ihrer kontinuierlichen Einarbeitungszeit allmählich ergänzen und verfeinern lassen.

Das geschieht mit der Zeit eher aus einer natürlichen Gelassenheit, ohne dass Sie sich unter Druck setzen, oder gar den Kopf zerbrechen müssten.

Vorbereitet sein

Die zweite Sache, der Sie sich bewusst sein müssen, ist zwar nicht ganz so aufbauend. Aber es ist gut, wenn Sie darauf vorbereitet sind: Viele Menschen hatten in ihrem Leben noch nicht oft Kontakt mit jemanden, der ein Handicap hat. Doch das ist nicht schlimm. Denn Sie ändern das heute!

Seien Sie sich dabei aber der Unsicherheit Ihres Gegenübers bewusst und versuchen Sie, den anderen diese zu nehmen. Machen Sie einfach den ersten Schritt und gehen auf Ihre Kollegen zu. Niemand verlangt das von Ihnen, aber wenn Ihnen das auf zwanglose Weise gelingt, sind Sie ein Vorbild und können eine zusätzliche Qualität in Ihre Arbeit mit einbringen.

Vier bunte Männchen halten die Buchstaben T, E, A, M auf Schildern. (Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de)
Sie und Ihre neuen Kollegen sind ein Team (Bild: S. Hofschlaeger/pixelio.de)

Natürlicher Respekt

Lösen Sie sich von der Vorstellung, dass Sie auf Grund Ihrer Behinderung als weniger Wert von den Kollegen betrachtet werden. Ganz im Gegenteil: Ihre Kollegen haben natürlicherweise Respekt vor Ihnen. Wahrscheinlich erhöht sich der Respekt sogar, gerade weil Sie eine Beeinträchtigung haben und ehrlich und offen damit umgehen.

Stellen Sie sich erst vor

Egal, ob Sie sich den neuen Kolleginnen und Kollegen einzeln oder in der Gruppe vorstellen, stellen Sie erst sich und dann Ihre Behinderung vor. Seien Sie dabei offen und ehrlich, ohne sich zu sehr in Details zu verlieren. Erzählen Sie den anderen von Ihrem bisherigen beruflichen Werdegang. Ein paar Informationen aus Ihrem Privatleben machen Sie sympathischer. Verraten Sie beispielsweise etwas über Ihre Hobbys, Ihren Musikgeschmack oder von Ihrer Familie.

Für die neuen Kollegen ist es natürlich interessant, zu erfahren, welche Behinderung Sie haben. Allerdings werden sie kaum wissen wollen, wie der medizinische Fachbegriff für Ihre Einschränkungen lautet und zu welchem Typ genau Ihre Krankheit zählt. Benutzen Sie daher einfache Begriffe, die man auch dann versteht, wenn man nicht Medizin oder eine Arztserie im TV studiert hat.

Sagen Sie also beispielsweise nicht „Paraplegie“, sondern „Querschnittlähmung“. Oder einfach „Muskelschwäche“ anstelle von „Spinaler Muskelatrophie vom Intermediärtyp“.

Tim Glogner. (Bild: MyHandicap)
Dipl.-Psychologe Tim Glogner gibt Tipps für die Vorstellung bei den neuen Kollegen. (Bild: MyHandicap)

Bei der Arbeit

Ausserdem ist es für diejenigen, die ab heute mit Ihnen zusammen arbeiten, noch wichtig zu erfahren, wie Sie durch Ihre Behinderung bei der Arbeit eingeschränkt werden. Oder eben auch nicht. Sie können also beispielsweise erzählen, dass Sie zwar im Rollstuhl sitzen, dieser Sie aber bei Ihrem Schreibtischjob in keinster Weise einschränkt. Wenn es Einschränkungen gibt, sagen Sie am Besten gleich dazu, wie diese bei der Arbeit gelöst werden sollen. Zum Beispiel durch ein spezielles Hilfsmittel, eine Arbeitsassistenz oder durch gelegentliche Unterstützung durch Kollegen.

Offen und ehrlich

Es gibt auch Behinderungen, die man Ihnen vielleicht nicht gleich ansieht. Doch auch in diesem Fall sollten Sie von Anfang an offen und ehrlich mit den neuen Kollegen darüber sprechen. So vermeiden Sie Missverständnisse und wilde Spekulationen, wenn Sie beispielsweise mehrmals am Tag verschwinden, um sich eine Insulinspritze zu setzen.

Abschliessend sollten Sie noch darauf hinweisen, dass Sie weitere Fragen gerne in der Pause beantworten. Dann kann es auch schon losgehen in den ersten gemeinsamen Arbeitstag. Viel Erfolg!

Text: Justin Black, TGL 11/10

Fotos: pixelio.de, MyHandicap
 

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