Der Umgang mit Wut und die sanfte Kraft der Vergebung

Zwei Hände geben sich die Hand. (Bild: Sternschnuppe1/pixelio.de)
Vergebung ist Aussöhnung, Erleichterung, es geht damit vielleicht auch mal die Einsicht einher, inne zu halten. (Bild: Sternschnuppe1/pixelio.de)

Wir alle blicken auf eine Vergangenheit zurück, unser Gedächtnis hat diese einzigartige Perlenschnur von Erfahrungen abgespeichert. In dieser Rückschau haben wir gedacht, gefühlt, Ideen gehabt, Handlungen ausgeführt und so weiter. Das ist in Ordnung.

Auch sind wir in Kontakt zu anderen Menschen getreten, hatten Beziehungen und haben uns wechselseitig beeinflusst. Nun mag es geschehen, dass wir mit Manchem, was geschehen ist, nicht im Einklang sind.

Vielleicht denken wir, hätte ich das doch nicht so gemacht, wäre das doch nicht auf diese Weise passiert, oder: Hätte doch jemand anderes uns anders behandelt, dieser „blöde böse Andere“.

Vergangene Fehler vergeben

Was uns selbst betrifft, kann nur jeder für sich aus den eigenen Erfahrungen so gut wie möglich lernen und möglicherweise sein Leben entsprechend umzugestalten, um Wiederholungen zu vermeiden (siehe auch den Artikel Herzensaktivität), sich von Altem bewusst zu lösen und gegebenenfalls Neues zu wagen.

Aber was er selbst bereits getan hat, ist Vergangenheit und nichts ist so vergangen wie die Vergangenheit, also vergeben wir uns radikal alles, was wir eventuell rückblickend „falsch“ gemacht haben. Damals waren wir halt einfach nicht bewusst genug, es anders zu machen, so war es nun mal.

Was andere betrifft: Wenn uns in diesem Zusammenhang Wut überkommt, so kann es sinnvoll sein, die andere Person zunächst mittels dieser Wut aus dem eigenen Herzen hinauszugeleiten. Wir fühlen also die Wut auf eine Person und geleiten sie mit Hilfe dieser Wut aus unserem Herzen hinaus.

Beispielsweise, wenn wir permanent über eine Person nachdenken müssen oder über eine Person schlecht reden müssen, können wir uns sagen: Niemand ist so wichtig, dass ich ständig an ihn denken oder schlecht über ihn reden muss, möge dieses Wesen nun mein Herz verlassen.

MyHandicap-Diplompsychologe Tim Glogner. (Bild: MyH)
MyHandicap-Diplompsychologe Tim Glogner. (Bild: MyH)

Abstand suchen, um zu vergeben

Vielleicht müssen wir uns auch mal räumlich / örtlich von einem Menschen distanzieren. Ist dies geschehen, können wir der anderen Person bedingungslos alles vergeben. Dabei kann auch helfen, dass wir uns vorstellen, wenn wir exakt in derselben „Haut des Anderen gesteckt hätten“ hätten wir dann anders gehandelt? Könnten wir uns garantieren, dann anders gehandelt zu haben? Wahrscheinlich nicht...

Vergebung ist Aussöhnung, Erleichterung, es geht damit vielleicht auch mal die Einsicht einher, inne zu halten, die Bereitschaft tief zu sein und sich selbst und allem anderen um einen herum, bedingungslos zu erlauben so sein, wie wir sind. Mit allen vermeintlichen „Schwächen“ und „Stärken“.

Sich seiner selbst bewusst werden

Auch die vermeintlich „böse Welt“ um uns herum wird nicht besser, wenn wir uns über sie beklagen. Das will nicht heissen, bestimmte Dinge in der Welt zu sehen und diese bewusst kritisch wahrzunehmen und dementsprechend zu handeln oder Erfahrungen weiterzugeben, wenn jemand sie hören möchte. Aber das bedarf eigentlich nur einer einfachen, intelligenten Bewusstheit und keine aufgebrachten Klagediskussionen.

Befindet man sich in einer negativen Situation, macht Eingreifen in diese Situation meistens keinen Sinn. Denn Eingreifen bedeutet in die gleiche Schwingung zu gehen wie die Situation, man passt sich dann der negativen Situation an. Aber präsent, tief und ruhig in einer negativen oder ungewissen Situation bleiben zu können, einfach nur zu sein, kann sinnvoll sein, da wir dann möglicherweise allein durch dieses tiefe Sein die Situation natürlich von ganz alleine beeinflussen.

Eigene Hilflosigkeit zulassen

Das kann bedeuten, sich hilflos und klein zu fühlen, ganz egal, im Zulassen der grössten Hilflosigkeit können wir möglicherweise mit der eigenen Tiefe unseres Herzens und der sanften Kraft der Vergebung in unmittelbare Berührung kommen. Diese Kraft wird durch Zulassen und nicht durch Widerstand aktiviert.

Und ein einfaches Wort kann mehr Wirkung haben als lange Diskussionen. Zum Beispiel können wir einem Menschen ehrlich / einfach nur sagen: „Dies oder das hat mich jetzt wütend gemacht“, mehr nicht. Und ihm / der Situation anschliessend gleich vergeben.

Bis zum nächsten Mal,

Ihr Tim Glogner, Diplompsychologe
 

Bilder: pixelio.de, MyH

 

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!