Selbstwert durch Bewusstsein und Herzensaktivität

Zwei Personen am streiten. (Bild: rico28/pixelio.de)
Negative Situationen, wie ein Streit drücken oft aufs Gemüt. (Bild: rico28/pixelio.de)

Jeder Mensch hat in seinem Leben Erfahrungen gemacht und wird weiterhin Erfahrungen machen. Wenn man genau hinschaut, kann man vielleicht beobachten, dass sich manche Erfahrungen nahezu 1:1 wiederholen, immer wieder und wieder. Bloss wie kommt man aus dem Kreislauf heraus?

Und täglich grüsst das Murmeltier. Das liegt aber nicht nur an der „bösen“ Situation, die uns begegnet, sondern wohl auch an unserer Reaktion auf die Situation, welche wir durch unser Bewusstsein oder unsere zunehmende Herzensaktivität ändern können. Besagte Situationen und Reaktionen können kleinere oder grössere Zeitspannen haben, z.B. ein immer wiederkehrender Streit bis hin zu einem langen, eingeschliffenen Suchtverhalten.

Das negative Spiel nicht mehr mitspielen

Ein Beispiel: Ein Mensch wird uns gegenüber auf negative Weise emotional. Wir spüren in uns den Impuls, auch feindselig gegen ihn zu reagieren, zu streiten. Es kommt zu Streitwiederholungen.

Nun bringen wir Herzensaktivität auf, indem wir zwar den emotionalen Gegenimpuls in uns spüren, uns aber nicht mehr emotional in diesen Konflikt hineinsteigern. Wir bleiben bewusst ruhig.

Wir können dann vielleicht die ganze Zeit ganz ruhig bleiben, während das Gegenüber „wild agiert“. Wir lassen den anderen ausreden oder „ausschimpfen“. Vielleicht hilft es uns auch, während der andere schimpft, uns zu vergegenwärtigen, dass da die Sehnsucht nach Liebe aus dem anderen schimpft. Vielleicht kann uns das milder machen.

Dann machen wir vielleicht noch eine kurze Pause. Vielleicht können wir dann bewusst, freundlich, klar und besonnen eine ehrliche menschliche Aussage treffen, ohne den anderen anzugreifen oder herabzusetzen. Das kann uns helfen und unter Umständen auch dem Gegenüber, wenn er unser „neues Verhalten“ annehmen kann.

Ein Herz in der Natur. (Bild: gabi hamann/pixelio.de)
In vielen Religionen wird das Herz nicht nur als blosses physisches Organ angesehen. (Bild: gabi hamann/pixelio.de)

Verändere dein Verhalten und die Welt verändert sich

Ein zweites Beispiel: Immer wieder, wenn wir eine Enttäuschung erleben, möglicherweise immer wieder eine ähnliche Enttäuschung, spüren wir den Impuls, uns zu betrinken, besonders viele Zigaretten zu rauchen, Süssigkeiten masslos in uns hinein zu stopfen oder unseren Ärger an Dritte weiterzugeben. Vielleicht fühlen wir uns kurzfristig sogar gut damit, bald aber kommt das gleiche schlechte Gefühl zurück.

Nun, nehmen wir nach einer Enttäuschung unseren Impuls, uns zu betrinken etc. bewusst mit innerer Herzensaktivität wahr und wirken entgegen. Zum Beispiel legen wir uns ins Bett, fühlen den Impuls, ohne ihm nachzugeben. Am nächsten Morgen stehen wir auf, auch wenn es uns schlecht gehen sollte (lang eingefahrene Verhaltensmuster, denen mit Herzensaktivität entgegengewirkt wird, produzieren manchmal zunächst negative Empfindungen), aber unser Bewusstsein, unsere Herzensaktivität hat „gesiegt“.

Vielleicht taucht jetzt die Frage auf: Was ist eigentlich dieses „Herz“, diese Herzensaktivität?

Die hier vertretene Ansicht ist: Das Herz ist das tiefe Wesen des Menschen. Tiefer als Körper, Gedanken und Emotionen, obwohl es nicht davon zu trennen ist und die Gedanken inspirieren kann. Auch drückt das Herz gute, liebevolle, kreative und hilfreiche menschliche Qualitäten für sich selbst und für andere aus.

MyHandicap-Diplompsychologe Tim Glogner. (Bild: MyH)
MyHandicap-Diplompsychologe Tim Glogner. (Bild: MyH)

Mit dem Herzen denken

Vielleicht taucht jetzt auch die Frage auf: Wie kann ich dieses „Herz“, z.B. auch bei Lebensproblemen aktivieren?

Die Sprache des Herzens hört man besser, wenn man mal die vielen (teils widersprüchlichen) Alltagsgedanken und Emotionen etwas beiseite lässt, tiefer in sich hineinlauscht, zur Ruhe kommt oder „in die Stille geht“. Vielleicht kann es helfen, wenn man mal mit der Aufmerksamkeit aus dem Kopf herausgeht und sämtliche Körperteile von innen spürt, beziehungsweise in die Brustmitte hineinspürt. Dann taucht möglicherweise eine gute/passende und klare Idee auf.

Wenn man einen religiösen Bezug hat, könnte man das Herz auch als den inneren Christus im Menschen bezeichnen (Christentum) oder als Buddhanatur im Menschen (Buddhismus) oder als Atman im Menschen, der ein Teil des allgegenwärtigen, alldurchdringenden Brahman ist (Hinduismus).

Auch in der Mystik aller anderen Religionen gibt es Hinweise auf dieses Herz, diese Lebensquelle, z.B. im Sufismus, dem mystischen „Zweig“ des Islams, oder in der Kabbala (die mystische Tradition des Judentums).

Ihre Gedanken zum Thema können Sie mir gern an redaktion(at)myhandicap(dot)de schreiben.

Bis zum nächsten Mal,

Ihr Tim Glogner, Diplompsychologe
 

Bilder: pixelio.de, MyH

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