Vom Horror verfolgt

Mann hält sich die Hände vor das Gesicht (Bild: Gert Altmann/pixelio.de)
Wenn einem das Grauen nicht mehr loslässt (Bild: Gert Altmann/pixelio.de)

Das Risiko, einmal im Leben ein traumatisches Ereignis zu erleben, ist grösser als man denkt. Doch nur ein Teil der Betroffenen erleidet in der Folge des Erlebten eine sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung PTBS. Die Behandlung ist langwierig.

Die Basis einer posttraumatischen Belastungsstörung ist ein erlebtes Trauma. Als Traumata gelten Ereignisse wie Krieg, Terrorismus, Vertreibung und Flucht, aber auch persönlich erlebte Gewalteinwirkung bei Überfall, Entführung, Folterung, Vergewaltigung oder anderen Arten von sexuellem Missbrauch. Auch Unfälle oder Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Lawinen, Wirbelstürme oder Erdbeben können traumatische Erlebnisse sein.

Ursachen von Posttraumatischen Belastungsstörungen

Das Risiko, einmal im Leben ein traumatisches Ereignis zu erleben, ist grösser als man denkt. In unserer Kultur liegt es bei Männern zwischen 60 und 80 Prozent, bei Frauen zwischen 50 und 75 Prozent.

Verkehrsunfälle, Gewalterfahrungen und sexuelle Übergriffe oder der plötzliche Tod eines geliebten Menschen sind die häufigsten traumatischen Erlebnisse in Europa.

Verschiedene Symptome

Nach Definition der ICD-10 – der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme – liegen Posttraumatischen Belastungsstörungen „Ereignisse oder Situationen von kürzerer oder längerer Dauer, mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“, zu Grunde.

Unter dem Begriff Posttraumatische Belastungsstörung, auch unter der englischen Bezeichnung Post-traumatic Stress Disorder bekannt, werden unterschiedliche psychische und psychosomatische Symptome zusammengefasst, die als Langzeitfolgen eines Traumas oder mehrerer Traumata auftreten können.

Wie traumatisch ein Ereignis erlebt wird, ist individuell. Faktoren wie zwanghafte oder schwächere Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung der Belastungsstörung senken und den Verlauf erschweren. Sie reichen aber nicht aus, um das Auftreten der Störung zu erklären.

Gesicht mit blutunterlaufen Augen. (Bild: Harry Hautumm/pixelio.de)
Persönliche erlebte Gewalt ist ein traumatisches Erlebnis mit schwerwiegenden Folgen (Bild: Harry Hautumm/pixelio.de)

Vom Albtraum verfolgt

Als ein typisches Merkmal einer Posttraumatischen Belastungsstörung gilt das wiederholte Erleben des Traumas in wiederholten, sich zwanghaft aufdrängenden Erinnerungen. Häufig wird das Ereignis auch in Form von Alb- oder Tagträumen immer wieder erlebt. Dies vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit.

Betroffene handeln und fühlen, als ob das Ereignis wiedergekehrt wäre, sie sind nicht fähig, das Erlebnis und die Erinnerung daran aus den Gedanken zu verbannen. Ferner finden sich Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit anderen Menschen und der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten.

Angst und Depression

Bei den Betroffenen tritt meist ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Aufmerksamkeitssteigerung, einer übermässigen Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Wutausbrüchen und Schlafstörungen auf. Angst und Depression sind häufig mit diesen Symptomen assoziiert. Dazu kommen zum Beispiel bei Überlebenden eines Unglücks oder bei indirekt Beteiligten wie Polizisten, Rettungspersonal etc. Schuldgefühle auf. Suchterkrankungen oder Selbstmordgedanken sind letztlich nicht selten.

Das Leben auf den Kopf gestellt

Abhängig von der Persönlichkeit, den Erfahrungen und dem Umfeld kann das Trauma einen betroffenen Menschen enorm destabilisieren. In der Regel sind von einer Posttraumatischen Belastungsstörung alle Lebensbereiche betroffen. Man kann sich nicht mehr auf den Beruf konzentrieren, unter der Teilnahmslosigkeit leidet das persönliche Umfeld, Freizeitbeschäftigungen finden nicht mehr statt, jegliche Lebensplanung wird eingestellt.

Keine Schwäche

Eine grosse Verzweiflung nach einem so einschneidenden Erlebnis ist normal und kein Zeichen von Schwäche. Was bei allen Betroffenen gleich ist: Körper und Geist brauchen nach einem so tiefgreifenden Ereignis vor allem Zeit und die Unterstützung des persönlichen Umfelds, um die schrecklichen Erfahrungen verarbeiten zu können.

Erst wenn nach mehreren Wochen oder Monaten die Symptome nicht abklingen oder gar neue hinzukommen, kann man davon ausgehen, das sich aus der Belastungsreaktion eine Belastungsstörung entwickelt hat. Oftmals setzen die obgenannten Symptome aber auch erst Wochen, Monate oder Jahre nach dem traumatischen Erlebnis ein.

Stabilisierung, Bearbeitung und Reintegration

Die Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung ist schwierig und langwierig. Sie erfordert von allen Seiten grosse Geduld und Verständnis. Mit den Mitteln moderner Psychotherapie und allenfalls dem gezielten Einsatz angstlösender Medikamente und Antidepressiva lassen sich die Konsequenzen traumatischer Ereignisse in den Griff kriegen.

Die Grundlage von Behandlungen einer Posttraumatischen Belastungsstörung ist immer, dass die Traumatisierung in der Vergangenheit liegen muss. Es ist nicht möglich, eine Behandlung durchzuführen, während Betroffene noch in einer traumatisierenden Situation sind. Für die psychologische Behandlung stehen heute viele unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Viele wurden speziell für die Traumabehandlung entwickelt worden und gründen auf unterschiedlichen Ergebnissen der Forschung zu Traumaauswirkungen.

In der Regel umfasst die psychologische Behandlung drei Stufen: Die Stabilisierung, die Traumabearbeitung und die Reintegration. Es geht darum, Ängste, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten abzubauen, Erinnerungen und Bilder zu bewältigen und schliesslich das traumatische Geschehen in die persönliche Lebensgeschichte einzuordnen.

Ergänzend können viel Bewegung und verschiedene Entspannungstechniken den Betroffenen helfen, über das Erlebte hinwegzukommen.


Text: Patrick Gunti – 06/2011

Fotos: pixelio.de

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