Burnout: Gefahren rechtzeitig erkennen

Ein erschöpfter Mann hält sich die Hände vors Gesicht. (Bild: Martin Müller/pixelio.de)
Im Kampf gegen Burnout sind Arbeitnehmer wie Arbeitgeber gefordert. (Bild: Martin Müller/pixelio.de)

Erschöpfung, Apathie, psychosomatische Erkrankungen, Depression - am Ende einer Entwicklung von beruflicher Überforderung und einem aus dem Gleichgewicht geratenen Privatleben steht häufig die Diagnose Burnout. Es gilt, Gefahren frühzeitig zu erkennen und Risiken zu minimieren.

Die Zahl der Burnout-Diagnosen ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Die Ursachen sind mannigfaltig, in erster Linie aber mit einer Überbelastung im beruflichen Umfeld verbunden.

Burnout: Die totale Erschöpfung

Denn dieses hat sich stark verändert, ist anspruchsvoller geworden. Längere Präsenzzeiten, mehr Verantwortung, stete Erreichbarkeit, mehr Hektik und immer längere Stress-Phasen können einen Prozess der anhaltenden Überbelastung einleiten, an dessen Ende die totale emotionale, psychische, physische und soziale Erschöpfung steht: Burnout. Aber nicht nur die Unternehmen fordern mehr, auch die Ansprüche, welche Arbeitnehmer an sich selber stellen, sind gestiegen.

Frühwarnsymptome eines Burnout

Professor Matthias Burisch ist einer der anerkanntesten Burnout-Experten. In einer Broschüre der Berufsgenossenschaft VBG beschreibt Burisch verschiedene Frühwarnsymptome, die für die Betroffenen und ihre Vorgesetzten recht gut erkennbar sind:

  1. Warnsymptome in der Anfangsphase wie quälende Grübeleien oder Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten
  2. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  3. Gefühl von Zeitnot und Gehetztheit
  4. Sozialer Rückzug
  5. Verringerte Emotionskontrolle
  6. Leistungsabfälle
  7. Krankheitsanfälligkeit
Ein Mann schreibt auf einer Notebook-Tastatur. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)
Immer schneller, weiter und höher: Der Stress fordert seinen Tribut. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

Bei Burnout sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer gefordert

Im frühen Stadium eines Burnouts haben Vorgesetzte gute Chancen, die Abwärtsspirale von Überbelastung und Stress zu stoppen. Am besten ist es jedoch, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Nicht zuletzt aufgrund steigender Fehlzeiten und Milliardenkosten realisieren immer mehr Unternehmen, dass sie ihre Mitarbeiter nicht nur fördern und fordern, sondern auch schützen müssen, zum Teil auch vor sich selber.

Die "Burnout-Prophylaxe" darf sich denn auch nicht auf die Arbeitgeber beschränken, auch die Mitarbeitenden selbst müssen Vorsorge treffen. Gerade die Ehrgeizigen, die Leistungsbereiten und die Perfektionisten sind es, die die Grenzen zur Belastung so sehr verschieben, dass sie "ausbrennen".

Was Arbeitgeber tun können:

  • Burnout, Erschöpfung und psychische Belastung enttabuisieren und zu einem Teil des betriebliches Arbeitsschutzes machen
  • Individuelle Belastungsgrenzen der einzelnen Mitarbeiter kennen
  • Realistische Zielsetzungen vorgeben
  • Mehrarbeit des Arbeitnehmers prüfen: Ist sie wirklich notwendig?
  • Arbeitsorganisation und Zuständigkeiten prüfen und wenn notwendig anpassen
  • Arbeitnehmern Freiräume gewähren
  • Erreichbarkeit der Mitarbeiter einschränken
  • Arbeitszeiten flexibel, sozialverträglich und familienfreundlich gestalten
  • Arbeitnehmer anhand ihrer Qualifikationen und ihres Könnens einsetzen
  • Perspektiven für die persönliche Entwicklung der Arbeitnehmer aufzeigen
  • Mitarbeiter-Gesundheit fördern (Fitness, Coaching, Stressbewältigung)
  • Persönliche Wertschätzung zeigen
  • Gutes Betriebsklima, in dem auch Platz ist für Spass und Humor
  • Gesprächsbereitschaft zeigen

Was Arbeitnehmer tun können:

  • Eigenes Verhalten und Empfindungen immer wieder hinterfragen
  • Prioritäten setzen, Berufsalltag strukturieren, Zeitmanagement überprüfen
  • Realistische Ziele setzen, nicht mit unrealistischen Erwartungen arbeiten
  • Probleme ansprechen
  • Konzentration auf eine Aufgabe, Multitasking hebt den Stresspegel
  • Sich auch im Arbeitsalltag Phasen der Entspannung gönnen
  • Im privaten Bereich mit Familie und Freunden Ausgleich zum Berufsleben schaffen
  • Keine dauernde Erreichbarkeit über Smartphone oder E-Mail
  • Ausprobieren, was einem über den Berufsalltag hinaus sehen lässt - Karriereplanung, Lebensplanung - wo will ich hin? Was ist mir wichtig und wertvoll?

Ein Burnout kann jede und jeden treffen. Firmen wie auch ihre Mitarbeiter müssen das Problem präventiv angehen und allfällige Symptome ernst nehmen.

Text: Patrick Gunti - 10/2013
Bilder: pixelio.de

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