Trizyklische Antidepressiva

Trizyklische Antidepressiva wie Imipramin sind einige der vielversprechendsten Medikamente bei Angststörungen.

Antidepressiva werden in verschiedene Gruppen eingeteilt. Trizyklische Antidepressiva und selektive Wiederaufnahme Hemmer. Während die selektiven Wiederaufnahme Hemmer speziell darauf abzielen, Rezeptoren zu blockieren, die für die Wiederaufnahme spezieller Botenstoffe zuständig sind, wirken trizyklische Antidepressiva auf mehrere Systeme gleichzeitig ein.

Antidepressiva machen nicht abhängig, müssen aber über einen längeren Zeitraum in ausreichend hoher Tagesdosierung eingenommen werden. Es dauert mehrere Wochen, bis die Wirkung eintritt, was viele Patienten sehr verunsichert, wenn darüber im Vorfeld keine Aufklärung erfolgte. Oft werden auch in den ersten 2-3 Wochen der Einnahme Nebenwirkungen wahrgenommen, die danach aber wieder nachlassen.

Imipramin

Imipramin ist mit 45 Jahren das älteste Antidepressivum und es konnte schon sehr früh gezeigt werden, dass es gegen Angstattacken wirkt. Es ist als "altes" trizyklisches Antidepressivum auch das Antidepressivum mit dem besten Wirkungsnachweis in der Behandlung von Panikstörungen. Alle Antidepressiva sind stimmungsaufhellend und langfristig antriebsnormalisierend. Den Namen haben sie von ihrem hauptsächlichen Einsatzort bei Depressionen. Der Begriff trizyklisch bezieht sich auf die 3 Ringe in der chemischen Formel. Diese Antidepressiva hemmen die Wiederaufnahme verschiedener Botenstoffe, haben dabei unterschiedliche Schwerpunkte und wirken auch unterschiedlich auf weitere Neurotransmittersysteme.

Die meisten Menschen vertragen Imipramin bei stufenweiser Steigerung der Dosis in einen wirksamen Bereich gut. Das Antidepressivum muss aber besonders bei Angstpatienten langsam eindosiert werden. Bei einer Prostatavergrößerung mit Restharnbildung darf Imipramin in der Regel nicht, oder zumindest nur nach Absprache mit dem Urologen, gegeben werden. Auch bei unbehandeltem Engwinkelglaukom (grüner Star) darf Imipramin nicht gegeben werden. Bei bestimmten Vorschädigungen des Herzen können ebenfalls Kontraindikationen oder die Notwendigkeit einer vorherigen Konsultation eines Kardiologen bestehen. Im Zweifel müssen diese Erkrankungen vor Beginn der Behandlung ausgeschlossen werden. In den ersten Wochen ist immer wieder mit zusätzlichen Nebenwirkungen zu rechnen, diese gehen in den meisten Fällen allerdings auch wieder zurück. Manche dieser Nebenwirkungen ähneln den Symptomen von Angstattacken. Am häufigsten sind dabei Schwitzen, Zittern, Mundtrockenheit, Schwindel durch Blutdruckabfall beim schnellen Aufstehen, Verstopfung, Harnverhalt, Verschwommensehen, Herzklopfen, innere Unruhe, oder seltener Müdigkeit oder Schlafstörungen. Diese Nebenwirkungen treten umso weniger auf, je langsamer die Dosis gesteigert wird. Durchhalten lohnt sich also. 

Weitere Wirkstoffe

Andere Wirkstoffe aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva sind Clomipramin und Doxepin. Welchen Wirkstoff der behandelnde Arzt für Sie heraussucht und Ihnen verordnet, hängt von der Art Ihrer Angststörung und anderen individuellen Gegebenheiten ab wie z.B. anderen Erkrankungen, sonstigen Medikamenteneinnahmen oder weiteren relevanten Umständen. 

Text: Helga Grafe 03/2016

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