Selektive Wiederaufnahmehemmer

Selektive Wiederaufnahmehemmer gehören zu den effektivsten Mitteln gegen Angststörungen.

Selektive Wiederaufnahmehemmer zielen speziell darauf ab, Rezeptoren zu blockieren, die für die Wiederaufnahme spezieller Botenstoffe zuständig sind. 

Wiederaufnahmehemmer des Botenstoffes Serotonin scheinen nach Meinung vieler Experten ein günstigeres Nebenwirkungsprofil und damit mehr Sicherheit bei genauso guter Wirksamkeit zu haben. Vor allem die Stoffe Fluvoxamin, Fluoxetin, Sertalin, Paroxetin, Citalopram, Escitalopram und Venlafaxin haben hier eine nachgewiesene Wirkung bei Angststörungen. Ob der Effekt genauso gut oder gar besser ist als bei Imipramin, ist noch unklar. Eindeutige Unterschiede in der Wirksamkeit der Substanzen gibt es nicht. In der Wirkung sind sie dem Imipramin ähnlich. Auch sie machen nicht süchtig.

Wichtig ist, dass die angstlösende Wirkung auch hier mit Verzögerung eintritt, während die eventuellen Nebenwirkungen, unter anderem Angstverstärkung, schon früher auftreten können. Das muss mit den Patienten unbedingt besprochen werden. Bei zu schnellem Beenden einer Therapie können Absetzsymptome auftreten, die der ursprünglichen Symptomatik ähnlich sind – deshalb immer über einen längeren Zeitraum die Dosis reduzieren und dann erst absetzen! Nebenwirkungen auf das Herz sind sehr selten. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer können auch bei Menschen mit Glaucom oder Prostatahypertrophie gegeben werden. Als weitere Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Unruhe Gewichtsabnahme, Appetitminderung, Kopfschmerz und Schlafstörungen bekannt.

Ein Wundermittel sind also auch die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer nicht. Nach den Anfangsnebenwirkungen, die nach 2- 3 Wochen fast immer verschwunden sind, ist die häufigste Nebenwirkung eine Verminderung der sexuellen Lust. Wie bei den trizyklischen Antidepressiva ist es auch bei diesen Antidepressiva sinnvoll, diese bei Angstpatienten einzuschleichen, da Angstpatienten bezüglich der Nebenwirkungen häufig empfindlicher sind. In der Regel dauert es mindestens 4 Wochen, bis ein deutlicher Effekt eintritt. Bis ein voller Antipanikeffekt vorhanden ist, dauert es 8-12 Wochen.

Die Angst vor der Angst und das Vermeidungsverhalten gehen zurück, wenn sich die Panikattacken bessern. Zumindest dann, wenn das Antidepressivum der wesentliche Behandlungsschwerpunkt ist, gilt auch hier, dass eine Langzeitbehandlung über mindestens ein Jahr sinnvoll ist. Alle Antidepressiva wirken vermutlich an verschiedenen Angriffspunkten. Vieles ist dabei noch nicht ausreichend erforscht.

MAO (Monoaminoaxidase)-Hemmer sind nach der Studienlage ebenfalls wirksam. Moclobemid birgt weniger Risiken als andere Substanzen dieser Stoffgruppe, Nebenwirkungen sind Schwindel, Zittern, Schlaflosigkeit und Erregung. Der Wirkungseintritt erfolgt nach 1-2 Wochen und die sexuelle Lust wird nicht beeinträchtigt.

Text: Helga Grafe 03/2016

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