Schlaganfall: Wettlauf gegen die Zeit

Ein Rollstuhl. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)
Fast jeder vierte Mensch mit einer Behinderung leidet an den Folgen eines Schlaganfalls. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

In der Schweiz sind jedes Jahr cirka 16'000 Menschen von einem Schlaganfall betroffen. Laut Statistik leidet jeder vierte Mensch mit einer Behinderung an den Folgen eines Schlaganfalls.

Der Schlaganfall ist nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebsleiden die dritthäufigste Todesursache. Aufgrund der Zunahme von Menschen mit Diabetes mellitus, Übergewicht und erhöhten Blutfettwerten sowie des steigenden Anteils älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung rechnen Fachleute damit, dass die Zahl der Schlaganfall-Patienten weiter zunehmen wird.

Zwei unterschiedliche Krankheitsbilder

Doch was ist eigentlich ein Schlaganfall? Unter dem Begriff Schlaganfall oder auch Hirnschlag werden zwei unterschiedliche Krankheitsbilder zusammengefasst: der Schlaganfall durch Gefässverschluss (ischämischer Infarkt) und der Schlaganfall durch Hirnblutung.

Durch beide entstehen räumlich begrenzte Schädigungen im Gehirn. Der ischämische Infarkt ist dabei weit häufiger und kommt in etwa 80 % der Fälle vor: Kleine Blutgerinnsel verschliessen Blutgefässe, die das Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, wodurch die Gehirnzellen nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden können und absterben.

Der Schlaganfall durch Hirnblutung kann in Form einer Hirnmassenblutung oder als sogenannte Subarachnoidalblutung auftreten. Bei der Hirnmassenblutung platzt ein Gefäss im Gehirn, wobei meistens ein relativ grosser Bereich betroffen. Die Subarachnoidalblutung ist eine Blutung, die sich zwischen der dem Gehirn anliegenden weichen Hirnhaut und der Spinngewebshaut ausbreitet.

Risikofaktoren selber beeinflussen

Vor einem Schlaganfall ist niemand gefeit, theoretisch kann jeder Mensch einen Schlaganfall erleiden. Der Schlaganfall trifft also nicht nur alte Menschen, allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls mit zunehmendem Alter. Es gibt erbbedingte Faktoren für einen Schlaganfall, andere Risikofaktoren können selber beeinflusst werden.

Die häufigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind hoher Blutdruck, Rauchen, übermässiger Alkoholgenuss, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Bewegungsmangel, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen.

Verschiedene Symptome

Je nachdem, welcher Gehirnanteil von einem Schlaganfall betroffen ist, zeigen sich auch die unterschiedlichen Symptome. Vielfach gehen dem eigentlichen Schlaganfall kürzere Episoden mit ähnlichen Symptomen voraus. So kann es zu kurzzeitigen Sprachstörungen, Gedächtnisverlusten, Missempfindungen aber auch zu kurzen Lähmungserscheinungen kommen. Diese vorübergehenden, also transitorischen Attacken sollten als Warnhinweise gedeutet werden und einen sofortigen Besuch beim Arzt nach sich ziehen.

Meist entstehen halbseitige Lähmungen, bei denen der Mundwinkel der betroffenen Seite herabhängt und Sprach- und Gefühlsstörungen auftreten. Beide Schlaganfalltypen können Kopfschmerzen verursachen. Häufig treten auch Übelkeit und Erbrechen auf. Ein schwerer Schlaganfall führt zu Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit und kann lebensbedrohlich sein.

Schatten von einer Treppe und einer Person. (Bild: schemmi/pixelio.de)
Schlaganfallpatienten und die Angst vor der Zukunft. (Bild: schemmi/pixelio.de)

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall

Bei einem Schlaganfall spielt der Faktor Zeit eine eminent wichtige Rolle. Je früher nach einem Schlaganfall die Behandlung begonnen wird, umso grösser sind die Chancen des Betroffenen, dass nur wenige Schäden zurückbleiben oder die Beeinträchtigungen sich im Laufe der Zeit sogar vollständig zurückbilden.

Ein Schlaganfall ist also immer auch ein Notfall. Alle Massnahmen zur Verbesserung der Situation entfalten in den ersten drei Stunden ihre grösste Wirkung. Um die akute lebensbedrohliche Situation des Patienten zu stabilisieren und zu verbessern, muss er, falls erforderlich auch intensivmedizinisch versorgt werden.

Erstversorgung in Strokes Unit

Schon die Erstversorgung sollte nach Möglichkeit auf einer Spezialstation für Schlaganfallpatienten, einer so genannten Strokes Unit, erfolgen. Das erste Ziel dort ist es, dem Patienten eine rasche und optimale Diagnostik zu bieten, um die optimale Therapie festzulegen.

Die weitere Behandlung basiert auf einer intensiven laufenden Überwachung des Patienten. Kontinuierlich werden die Basisparameter von Blutdruck, Puls, Temperatur und Atmung kontrolliert. Die enge Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Disziplinen wie Neurologen, Internisten, Neurochirurgen und Radiologen ist ein weiterer Vorteil der Schlaganfall-Einheit, ebenso wie die frühzeitige Einleitung einer längerfristig angelegten Rehabilitation.

Frühe Rehabilitation

Auch hier spielt der Faktor Zeit eine sehr wichtige Rolle, denn hirnverletzte Menschen können bei geeigneter und schneller Therapie sehr viele ihrer zunächst verloren gegangenen Fähigkeiten wieder erlangen. Die weitere Rehabilitation findet meist stationär in einer Spezialklinik statt und dauert je nach Ausmass der Funktionsstörungen mehrere Wochen. Sobald es der medizinische Zustand des Patienten erlaubt, wird die Rehabilitation ambulant fortgesetzt.

Die Rehabilitation umfasst:

  • Die Physiotherapie beginnt bereits auf der Intensivstation, auch wenn die Patienten sich eventuell noch nicht selber bewegen können. Durch gezieltes Bewegen des Patienten werden Gelenke und Muskeln vor Bewegungseinschränkungen bewahrt, Atemtherapie erleichtert den Betroffenen die Atmung.
  • Die Ergotherapie startet ebenfalls sehr früh und will durch gezieltes Trainieren alltäglicher Tätigkeiten aus allen Lebensbereichen die nach einer Hirnverletzung noch bestehenden sensor-motorischen, kognitiven und psychischen Fähigkeiten optimal ausschöpfen.
  • Die Neuropsychologie befasst sich mit der Abklärung und Behandlung von Störungen höherer Hirnfunktionen wie des Denkens, Fühlens und Verhaltens. Nach einer Hirnverletzung sind neuropsychologische Probleme weitaus am häufigsten, und sie sind in Bezug auf die Wiedereingliederung sehr schwerwiegend.
  • Die Logopädie nimmt sich denjenigen Patienten an, bei denen nach der Hirnschädigung Sprachstörungen – sogenannte Aphasien – Sprechstörungen und Stimmstörungen auftreten.
  • Eine wichtige Aufgabe der Rehabilitation ist es, dass die Betroffenen lernen, mit bleibenden Beeinträchtigungen zu leben und sich damit im Alltag zurechtzufinden. Sorgen und negative Gedanken können zu Depressionen, Rückzug und Untätigkeit führen. In Anbetracht dieser Krankheitsfolgen kommt der therapeutisch orientierten Freizeitgestaltung (Rekreationstherapie) eine wichtige Rolle zu.

Zurück im Leben

Hirnverletzte Menschen werden von einem Moment auf den andern aus ihrem gewohnten Leben geworfen und sind in der Folge gezwungen, ihr Leben mit verschiedensten Behinderungen neu zu gestalten. Der Krankheitsverlauf und die Chancen auf eine Heilung hängen in erster Linie vom Ort und der Grösse der dauerhaften Hirnschädigungen ab sowie der schnellstmöglichen medizinischen Versorgung.

Text: PG - 04/2010
Bilder: pixelio.de

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