Stroke Unit: Wenn jede Minute zählt

Alt: Eine Pflegekraft überprüft die Werte eines Patienten. (Foto: BVMed / B. Braun Melsungen AG)
In einer Stroke Unit sind Fachexperten rund um die Uhr für Schlaganfall-Patienten da. (Foto: BVMed / B. Braun Melsungen AG)

Ein Schlaganfall (Hirnschlag) ist ein Notfall. Jede Minute zählt. Für den Heilungsverlauf ist die schnellstmögliche intensivmedizinische und interdisziplinäre Behandlung von grösster Bedeutung. Diese bekommen Patienten in sogenannten Stroke Units, speziellen Krankenhaus-Abteilungen zur Erstbehandlung von Schlaganfällen.

In der Schweiz erleiden jedes Jahr mehr als 15'000 Menschen einen Schlaganfall (Hirnschlag), der nach Herzinfarkt und Krebs die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für bleibende körperliche Behinderungen darstellt. Beim Schlaganfall kommt es auf jede Minute an: je früher die Behandlung zum Beispiel mit einer Thrombolyse beginnt, desto besser sind die Ergebnisse.

Aus diesem Grund hat man zu Beginn der 1990er Jahre mit dem Aufbau sogenannter Stroke Units zur Behandlung begonnen. In der Schweiz begann das Inselspital in Bern 1992 als erstes schweizerisches Zentrum mit dem systematischen Aufbau eines Stroke Behandlungsteams. Institutionalisiert wurde diese Stroke Unit 1999.

Stroke Unit mit Spezialistenteams

In einer Stroke Unit ist ein multidisziplinär zusammengestelltes Team rund um die Uhr für die Aufnahme, die Akutbehandlung, die Therapie, die Überwachung sowie erste Rehabilitationsmassnahmen von Patienten zuständig, die einen Schlaganfall respektive Hirnschlag erlitten haben.

Das Stroke Team in einer Stroke Unit besteht aus Neurologen, Neuroradiologen, Neurochirurgen, Anästhesisten, Intensivmedizinern, Notfallmedizinern, Kardiologen, Gefässchirurgen, Internisten, Rehabiliations-Spezialisten, spezialisierten Pflegefachkräften, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden.

Zu den Massnahmen und Aufgaben eines Stroke Teams gehören:

  • eine umfassende Diagnostik. Die Spezialisten aus den verschiedenen Fachrichtungen arbeiten zusammen, führen schnellstmöglich Untersuchungen durch und entscheiden über die bestmögliche Behandlung.
  • Notfallbehandlung mit allen Möglichkeiten für ein Wiedereröffnen eines verschlossenen Hirngefässes oder das Stillen einer Blutung und anschliessende Nachbehandlung.
  • spezifische Behandlung und Diagnostik zum Erkennen der Ursachen des Schlaganfalls.
  • Einleitung einer Prophylaxe zur Vermeidung weiterer Schlaganfälle.
  • kontinuierliche Überwachung der Patienten zur Erkennung und Vermeidung neurologischer und internistischer Komplikationen.
  • engmaschige Überwachung in Hinblick auf Atmung, Herz-Kreislauf, Flüssigkeitshaushalt, Blutzucker und Temperatur.
  • optimale Einstellung von Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung und Atmung.
  • intensive Frührehabilitation (Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie)
  • Planung der Rehabilitation über den Aufenthalt in der Stroke Unit hinaus.

Stroke Units: Effektivität nachgewiesen

Stroke Units haben sich zur Behandlung von Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, als sehr effektiv herausgestellt. In zahlreichen Studien konnte belegt werden, dass Patienten, die in Stroke Units behandelt werden, eine höhere Überlebenschance haben, als Patienten, die eine herkömmliche, weniger strukturierte Behandlung erfuhren. Ferner erlangen Patienten der Stroke Units ihre Selbstständigkeit früher zurück und können anschliessend wieder nach Hause. 

Alt: Eine Patientin wird von Fachpersonal auf eine Krankenhaus-Abteilung verlegt.  (Foto:  BVMed / B. Braun Melsungen AG)
Bei einem Schlaganfall kann die schnellstmögliche Zuweisung an eine Stroke Unit Leben retten. (Foto: BVMed / B. Braun Melsungen AG)

Schnelle Diagnostik und Behandlung

"Je weniger Zeit zwischen Schlaganfall und Behandlung vergeht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Hirngewebe retten lässt", erklärt Dr. Stefan Wolff, Neurologe und Schlaganfall-Experte am Stadtspital Triemli in Zürich, das seit kurzem über eine Organisationseinheit verfügt, in der ausschliesslich Patienten mit einem Schlaganfall behandelt werden.

Acht Stroke Center, zwölf Stroke Units

Die Zahl der Stroke Units in der Schweiz hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Künftig wird die hochspezialisierte Behandlung von Hirnschlägen auf acht sogenannte Stroke Center konzentriert. Ergänzt werden sollen sie durch zwölf zugeordnete Stroke Units für die elementare Akutbehandlung.

So soll mit einer flächendeckenden Netzwerkbildung eine hochstehende und möglichst wohnortnahe Versorgung der Patienten im ganzen Land sichergestellt werden. Dies hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen GesundheitsdirektorInnen (GDK) bzw. dessen Beschlussorgan zur Hochspezialisierten Medizin (HSM) im Mai 2011 beschlossen. Der Zertifizierungsprozess läuft.

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute

Dies alles dient dazu, dass Schlaganfall-Patienten in den Stroke Units schnell und effektiv behandelt werden können. Wichtig ist aber, dass die Patienten schnellstmöglich die Klinik aufsuchen oder ihr zugewiesen werden. Denn die Behandlung in den ersten drei bis vier Stunden nach einem Schlaganfall kann für den weiteren Krankheitsverlauf entscheidend sein.

 

Text: Patrick Gunti - 02/2013

Fotos: BVMed / B. Braun Melsungen AG
 

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